Lebensmut aus der Heiligen Schrift
Powerpack
Bibel
Die
Bibel-ausgepackt,
Bibelenergie –von Traugott Giesen in Form
gebracht und bedacht
Vorwort
Die Bibel kann niemand auslesen; sie gleicht einer
Quelle, die immer frisches Wasser gibt. Doch es gibt vermauerte Türen-
abgelaufene Geschichts- und Gesetzestexte etwa -und es gibt einladende Zugänge:
Gebete oder hinreißende Erzählungen. Die Bibel ist ja erst spät zu einem Buch zusammengefasst, Eigentlich ist
sie eine vierzehnhundert Jahre
umfassende Bibliothek aus 66 Büchern und einem Anhang von 15 Büchern. Ein
Wegkundiger ist da erst mal hilfreich, um die dringendsten Texte zu
finden.
Schürfen
wir aus dem „Kontinent Heilige Schrift“ Bibelenergie für den Tag: Ein Stück
Text, dazu ein paar Ideen von TG. Es ist doch so: Gott schafft noch und
schreibt seine Bibel weiter mit uns. Schreiben wir sie mit. Der Luthertext
(revidierte Fassung 1984) in Auswahl
und sehr gerafft liegt dieser Rolle, dieser Mappe zu Grunde.
B.
Brecht lässt seinen Weisen sagen: „Ich lehre es, weil es alt ist, d.h. weil es
vergessen werden und als nur für vergangene Zeiten gültig betrachtet werden
kann. Gibt es nicht ungeheuer viele, für die es ganz neu ist?“
Ja,
„bei der Lektüre der Bibel wieder in eine Art Goldgräberstimmung verfallen“ (
Karl Kardinal Lehmann).
Die
Texte erscheinen hier in einer Art Bibelrolle. Man kann von Anfang bis Ende
scrolen, die Rolle wird ständig aufgefüllt. Die Texte des Alten Testamentes
erscheinen fortlaufend. Die Texte des Neuen Testamentes ( Evangelien und
Anderes) sind gruppiert um
A Jesus Christus-
1 Jesu Geburt, 2 Jesu Worte und Taten, 3 Jesu
Passion-Kreuzigung-Auferstehung.
Und
B Apostelgeschichte, Briefe, Offenbarung.
Altes Testament
1. Buch Mose
Aus dem Nichts
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
1.Mose 1,1
Dann war vorher nur Er. Mit ihm, von ihm her ist alles
geworden. Und alles erwächst aus
dem Ursprung, ist Erweiterung, Erfüllung des Angefangenen.
Dann sind wir auch nicht
Früchte des Zorns, nicht Treibgut auf dem Fluß Nirgends,
sondern wir sind immer noch
Werdewelt seines Schaffens. Gott schuf, schafft, schuf, weil
er Gegenüber will, Abdruck
und Ausgeburt seines Ichs. Du ins Sein gerufen, du auch sein
Sein, du Seins.
Tohuwabohu
Und die Erde war wüst und leer.
1.Mose 1,2
Schuf
Gott auch das Wüste, die Leere? Alles Sein ist Seins. Auch was wenig Wesen hat,
schreit nach mehr, will Fülle werden; Wüste will blühen, Leere will erfüllt
sein. Das kommt davon, daß nichts ohne Gott ist. Weil Er ja am Anfang schuf,
den Anfang von allem schuf, von Anfang an schuf.
„Wüst
und leer“- im hebräischen Urtext steht: „Tohuwabohu“. Ich nehme es als
Versprechen, daß mein Chaos heil wird.
Alles Verquere ist auf Heilwerden ausgestreckt. Es ist eine Heilkraft in
der Welt. Ich will ihr nicht entgegen sein. Ich will einigermaßen in
Schrittrichtung mit ihr zu Gange sein.
Das
Schweben
Und
es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
1.Mose 1, 2b
Immer wieder, immer noch ist es uns finster. Auf
dem Grund der Dinge ist Schweigen, keine Deutung, kein Rat. Und wir werden
wieder tauchen in Dunkles. Doch da ist nicht nur Furcht vor sondern auch
Sehnsucht hin. Eingesogen werden von Muttermundhaftem- endlich Ruhe, alles
Grelle, Schreiende, Fordernde abgetan- wer sich ans Leben geht, stürzt von hier
weg in der Hoffnung auf Besseres. Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser- das
kann man eigentlich nur musikalisch ausdrücken- diese geballte Energie, die
schon schwanger geht mit dem Licht und der Verwandlung.
Die Rettung
Und Gott sprach
1.Mose 1,3
Das
ist die Erlösung. Wenn wir verkracht sind und einer bricht das Schweigen, dann
ist das befreiend. Um Welten größer das Glück, daß Gott sich endlich äußert,
sich kenntlich macht als sprechender Gott. Anonym, unpersönlich, nur gewaltig
eben hätte er bleiben können, Naturkraft pur, Schöpfer eines Universums ohne
Menschen, ohne Gegenüber und ohne
Zwiesprache. Aber endlich- nachdem Gott
schon einige Milliarden Jahre Entwicklung hat laufen lassen, spricht er. Und
tut damit den Anfang, sich zu offenbaren. Er ist dabei, ein Sein zu schaffen,
das vernehmbar ist; ja, das Antwort ist. Alles Sein ist Seinnehmend- nimmt sein
Wesen vom Gewolltsein. Er aber ist Sein gebend, Er gebietet dem Sein zu sein.
Es werde
„Es werde Licht!“ Und es ward Licht.
1.Mose 1,3b
Sein
erstes Wort ruft eine Schöpfung herauf
, die Erleuchtung bringt. Die Idee „Licht“
ist das erste aller Werke. Erst die Idee, später das das physikalische
Ereignis, die Lichtköper sind einer späteren Entwicklungsstufe vorbehalten; sie
kommen erst nach und nach ans Licht. Sicher schwingt in der Hochschätzung des
Lichte als erste Schöpfung die Dankbarkeit für die Sonne mit. Ihre Heraufkunft
lässt die Nacht weichen und richtet uns Menschen zum Tagwerk auf. Aber vor allem
Ins- Werk- setzen muß Gott auf die Idee kommen. Hier werden die Weichen
gestellt: Erst der Geist, dann die Materie. Erst auch die Idee zu diesem bestimmten Menschen, dann das Mischen der Chromosomen. So geht dem
Leuchtstoff voraus die Idee, der Wunsch, der Wille: Licht soll es werden. Von
diesem Willen lebt das Universum- wir
werden nicht verglühen sondern einmal in seinem „Licht vom unerschöpften
Lichte“ stehen.
Der erste Tag
Und
Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen
der erste Tag. 1.Mose 1,4.5
Auf
das Qualitätssiegel Gottes kommt es wohl an. Dass er Vorhandenes gut findet,
gibt ihm Dauer und die rechte Zuordnung. Finsternis und Helle tun uns gut, sie
stehen uns bei, sie geben uns den
Rhythmus des Gedeihens. Die Nacht soll für den Schlaf sein- eine der
menschenfreundlichsten Erfindungen ist doch das kleine alltägliche Sterben.
Dann Auferstehung zu neuem Tag; Ich
darf wieder hier sein auf eigenen Beinen und mit tätigen Händen- zu neuen Taten
ruft ein neuer Tag. Jeder Tag eine neu
Berufung, auch das ist gut.
Zweitens: Das Himmelsgewölbe, die Erde, das
Grün
Und
Gott schuf im zweiten Schritt das Himmelsgewölbe, darunter das Wasser für die
Erde. im dritten Schritt trennte er auf der Erde das Meer und das Land. Und
sprach die Erde an, sie solle Gras und Kraut, das Samen bringe, aufgehen lassen
und fruchttragende Bäume Und Gott sah, dass es gut war.
1. Mose1, 6-13
Die
Früheren dachten , es gäbe einen Himmelsozean, der von der irdischen Atmosphäre
wie von einer gläsernen Glocke getrennt sei. Trennen war und ist überhaupt ein
besonders wichtiger Akt: Dass dem Meer
eine Grenze gesetzt ist, macht ja erst, dass Erde mit Anwachs Raum hat.
Herrlich, wie die Erde mit schöpferische Kraft ausgestattet ist: Gott macht,
dass sich die Dinge selber machen (Luther). Jeder neue Baum und jede neue
Sorte ist aus Gottes Schatz und Willen
ohne dass es eine persönliche
Entscheidung Gottes braucht. Sein Ansehen, sein Gutfinden macht die Schöpfung
gut.
Die Lichter
Und
Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag
und Nacht und geben Zeiten, Tage, Monate und Jahre- das war am vierten
Schöpfungstag. Und Gott sah, dass es gut war.
1.Mose 1, 14-19
Gelehrte
des Gottesglaubens brachten vor wohl 2500 Jahren das Schöpfungswerk in diese Worte und in diese Abfolge. Ihnen
war es dramatisch wichtig, die Götter der Nachbarvölker Sonne und Mond klein zu
machen. Sie erniedrigten die Gestirne
des Tages und der Nacht zu „Lampen“.
Leuchtkörpern haben zu dienen und sind keine Verehrung wert. So sollen
wir auch nicht der Sonne danken sondern für die Sonne. Und die Sterne sind
Leuchten aber keine Schicksalsmächte.
Die Tiere
Und
Gott sprach am fünften Welttag: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und
Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und im sechsten
Abschnitt sprach Gott: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach
seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes. Und Gott sah, dass es gut war;
Und segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das
Wasser, die Luft, die Erde.
1. Mose 1, 20-25
Es
muß uns doch begeistern, dass schon vor zweieinhalb Tausend Jahren die Frommen
das Schöpfungswerk als ein „work in progress“ als in Arbeit ansahen, in
Entwicklung. Eins fußt auf dem anderen:
Das Wasser als Wiege; nach den Fischen, aus den Fischen die Vögel, dann die
Landtiere. „Die Erde bringe hervor!- heißt auch- Die Erde nutze das Vorhandene
für neue Arten. Nicht „Schöpfung oder
Entwicklung“, sondern Schöpfung als Entwicklung, mittels Entwicklung; nicht die
Entwicklung ist das Schöpferische, die Entwicklung ist kein denkendes Wesen wie
auch das Kochen nicht das Essen macht. Was setzt das Werden in Gang? Wer setzt
die Naturgesetze? Der Koch der Schöpfung entwickelt das Werden in Schritten und
Gängen. Und zielt wohl auf das Ihm
Ähnliche.
Zum Bilde Gottes
Und
Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da
herrschen über die Tiere. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum
Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.
1.Mose 1,26. 27
Die
Früheren dachten sich Gott als Summe vieler Gottheiten. Da war ein gewaltiger Schritt in der
Entwicklung des menschlichen Denkens getan- die uralten Gottheiten des Krieges
und der Liebe, des Regens und der
Ernte, der Künste und des Todes, des
Meeres und der verschiedenen Stämme waren zusammengebunden. Aber in dem Einen
klingen die vielen noch nach-„lasset uns Menschen machen“ –spricht Gott, der
Viele, ja, der Alles ist.
Die
dunklen Kräfte wurden früher einem Teufel, einem Gegengott zugeschrieben. Aber
Israels Glaube ist auch darum groß, weil er an einen großen, an einen, den
Einen, Ganzen glaubt. Der umfasst auch das Schattenhafte, Dunkle, Böse. „Gott
ist mehr als nur der Gute, er ist der Ganze.
Der
schafft sich ein Wesen, das er mit der Sehnsucht ausstattet, vollständig zu
werden und Vollkommenes zu bauen, ja, einmal im Ganzen aufzugehen. Alle Lust
strebt darum über das hier notgedrungen Bruchstückhafte hinaus und will Ewigkeit. Der Menschensinn strebt in Kunst und Wissenschaft und noch in seinem
Schrebergärtlein Ganzheit an.
Das
Wesen Mensch ist nicht wie das Tier eins mit seiner Natur. Sondern der Mensch
sucht sein Gegenüber, mit dem er ein Ganzes bilden kann. Die Ellipse mit den
zwei Brennpunkten, die mal weit auseinander treiben, mal zusammenfallen in
einem Punkt und eine Kugel bilden, sind das Bild für das Menschenpaar.
Doch
der Mensch ist so plastisch veranlagt, daß er nicht auf eine Ergänzung festgeschweißt ist sondern sich
weitläufig befreunden und einen Reigen
der Menschengeschwister bilden kann. Weil Gott in keiner Weise monoman ist, hat
er uns so spannend in uns selbst gemacht.
Weil Gott nicht autark, nicht
glücklich in sich selbst ist, will er Wesen, mit denen er sprechen und schaffen
kann.
Segen für Tier und Mensch
Und
Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet
die Erde und machet sie euch untertan.
1Mose 1, 28
Tier
und Menschen bekommen den Segen. Der Segen ist Begabung mit passendem Auftrag.
Allem Tierschutz voraus geht, daß Tier und Mensch dem gleichen Befehl
unterstehen, sich zu mehren. Ob der Auftrag zu zeugen der Menschen höchste Pflicht
ist, ist nicht gesagt. Die jetzige Überfülle bewirkt von Gott nicht
gewolltes Leid aus Mangel und Krankheit
und Enge. Nicht Zeugen und Gebären ist höchstes Gebot sondern die Kinder zu
nähren und an den Gütern des Lebens zu beteiligen.
Dem
auf Gott hörenden Menschen ist geboten, sich die Natur untertan zu machen. Dieser Auftrag hat angeleitet zu
Wissenschaft und Technik mit all den Wohltaten und Schattenseiten. Der moderne
Mensch hat Mittel zur Umwälzung der Natur sich zugelegt- Verliert er sich als Mitarbeiter Gottes aus
den Augen und weiß nicht mehr die höchste Instanz, vor der er
verantwortlich ist, dann wird der Mensch sich und der Natur und der Mutter
allen Seins zum Feind. Weil der Mensch selbstherrlich die Natur ausbeutet, muß der Segen Gottes uns immer wieder neu zu
geistvollem Handinhand mit der Natur anleiten.
Sehr gut
Und
Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und es war sehr gut. Da ward aus Abend
und Morgen der sechste Tag.
1.Mose 1,31
Uns
beginnt der Tag am Morgen und geht abends zur Neige. Für Israel hebt der neue
Tag am Abend an. Wir gehen vom Hellen ins Dunkle- Israel geht vom Dunkel ins
Helle. Das ist ein starkes Bild für die Werdewelt, die erst noch licht wird.
Daß
Gott alles Gemachte für sehr gut hält, meint nicht, daß die Welt schon perfekt
sei. Sondern sie ist sehr gut für Weiteres.
Der
alte theologische Text teilt noch das Weltbild: Was gut wird, ist am Anfang gut
gewesen, darum hat es eine Chance. Der Baum muß aus guten Samen stammen. Das
Goldene Zeitalter ist der Ursprung, dann kommt der Abfall, dann das Gericht und
neuer Anfang auf höherer Ebene. Wir
denken heute anders: Sicher muß der Anfang gut sein, aber wir sind auf dem Weg,
wir sind in einer guten Geschichte, die auf den Frieden Gottes mit aller
Kreatur zugeht. Wir dürfen sagen: Gott segnet die Anfänge und den Weg und
treibt das werden zum Ziel.
Gott wird feiern
Und
am siebenten Tage ruhte er von allen seinen Werken. Und segnete diesen Tag
besonders. 1.Mose 2, 1-3
Die
Sieben Tage meinen nicht eine Woche Zeit. Zeit und Woche gehören zu den ganz
wenigen Zeitmaßen, die im Bewusstsein schon fest verankert waren. Es sind ja
Weltzeiten, diese Schöpfungstage. Es ist hier auch das Wissen von damals
vorgestellt, aber es ist dargeboten als Lobgesang, als große Theologie der
Anbetung. Es geht den Verfassern nicht um die Angabe der exakten Dauer sondern
um den unbedingten Willen, den es zu lobpreisen gilt. Goethe sagt es
spielerisch: „In wenigen Stunden hat Gott das Rechte gefunden“. Natürlich ist diese Poesie dem naturwissenschaftlichen
Denken zu ungenau. Es lässt nur Objektives –also in Wiederholung Zählbares,
Messbares- gelten. Dieses Weltbild ist
nicht falsch aber eng, es kann auch von der Liebe nur ihre chemischen und
physikalischen Ausläufer erfassen.
Materie ist eben nur eine von mehreren Sprachen Gottes, wie auch
Sternkunde und Mathematik neben der
Bibel den Willen Gottes ausdrücken.
Der
siebte Tag wird keinen Abend haben. Es ist die Feierzeit Gottes mit aller
Kreatur, „da Fried und Freude lacht“. Noch sind wir auf dem steinigen Weg zur
Vollendung, sind noch am sechsten Tag, noch ist Arbeit, auch für Gott. Aber als
Anbruch von Ewigem Glück hat Gott den Sabbat bzw. den Sonntag gestiftet. Da soll der Mensch ruhen, und die
Haustiere auch. Der Ruhetag nach sechs Arbeitstagen ist eine der frühesten
sozialen Errungenschaften der Menschheit. Israel zählte ihn unter die drei
Gaben, die der Mensch aus dem Paradies mitnehmen durfte: Die Sonne, der Sabbat
und die Liebesumarmung.
Die Schöpfung anders erzählt
Als
Gott der Herr Erde und Himmel machte, waren alle die Sträucher noch nicht auf
Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der
Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das
Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land.
1. Mose 2, 4-6
Das
ist eine andere Darstellung vom Anfang
als die schon wissenschaftlich zu nennende Reihung im ersten Kapitel. Kapitel 2
ist wohl geschrieben 950 Jahre vor
Christi Geburt, aber die Bilder reichen in graue Vorzeit zurück. Da konnte man
sich an das Nichts nur herantasten, indem man aufzählte , was alles noch nicht
da war, vor allem war noch nicht da der Mensch, durch dessen Feldarbeit recht
eigentlich die Schöpfung anfängt, jedenfalls für ein Bauernvolk. Gott verehren und das Land bebauen sind die
zwei Seiten der einen Medaille, und haben im Lateinischen nur ein wort: colere-
wovon Kultur kommt. Der Mensch ist Gottes einziger Zeuge.
Der
Boden ist schon da, aber der ist so gut wie Nichts, ist Wüste, die eigentliche
Schöpfung beginnt mit der Feuchtung.
Die nordischen Menschen sehen den Anfang durch (Wieder)kommen der Sonne. Die
Menschen am Rande der Wüste finden das
immer wieder sich erneuernde Schöpfungswunder im Aufblühen ihre Landes nach dem großen Regen.
Für
uns fängt die Schöpfung damit an, dass eine absichtsvolle Intelligenz die Welt irgendwann geschehen lässt. Und die
Startbedingungen unfassbar genau einstellt, die Naturkonstanten, die
Schwerkraft etwa und dann die koordinierte Mutation. Die Welt mit ihrer
Geschichte von Zufall und Notwendigkeit ist selbst etwas uns Zufallendes, uns
Zugeworfenes, ein Einfall, ein freies Geschenk Gottes.
Von Erde genommen
Da
machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Atem des Lebens
in seine Nase. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
1.Mose 2,7
Töpfe
und Plastiken waren die ersten
Herstellungen des Menschen. Darum lag es den Früheren nahe, Gott sich als
Töpfermeister und Künstler vorzustellen, der
liebevoll die Körper des ersten Menschenpaares formt. Als Material
(Mater-Mutter) bot sich Erde an- schon aus dem Wissen, dass der Leib ja wieder
zu Erde wird. Aber zum Körper muss
hinkommen der Atem, der auch für uns noch viel mit Seele zu tun hat- wieder
dies liebevolle Zeichen, Gott gibt von seinem Atem dem Menschen ab.
Wir
wissen heute, dass der Schöpfer statt Erdmaterial eine schon entwickeltere
Sorte Natur genutzt hat. Ob Erde oder Menschenaffe- ob aus Erde geformt oder
aus einer Affenherde liebevoll hochgezüchtet, ist mir gleich recht. Der Sprung zum Affenmensch und dann zum Homo
Sapiens ist ein einzigartiger Qualitätssprung: Etwas von Gottes Inwendigem muss
dem Menschen implantiert sein, dass er gedeihen kann: Er gab uns von seinem
Atem- das ist ein Bild für Zueinandergehören.
Garten Eden
Und
Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den
Menschen hinein, daß er ihn bebaue und bewahre.
1.Mose 2,8.15
Der
Mensch inmitten gartenhafter Schöpfung, Gott selbst als Der große Gärtner!- Noch
der Stolz von Hobbygärtnern über die
schönste Rose, den dicksten Kürbis erinnert von ferne an die Leidenschaft
Gottes, dass wir gut gedeihen.
Wieder
ist die Wüstenerfahrung Hintergrund für das Weltbild, in dem die Oase das
Wunder und Glück ist. Ähnlich wir Modernen: Die Astronauten berichten von ihrem
Dank, ihrer Bewunderung für den blauen Planeten inmitten von Schwärze und
funkelnder Kälte.
Die
Erde zu bebauen und zu bewahren ist schon vor 3000 Jahren dem Menschen
aufgegeben. Dieser Auftrag muss mitklingen, wenn wir den Auftrag, die Erde uns
untertan zu machen, noch hören: kein zerstörerisches Ausbeuten ist unsere Sache
sondern das bewahrende Nutzen.
Aufs Du angelegt
Und
Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm
einen Gefährten machen, der mit ihn sei. Und Gott der HERR machte aus Erde alle
die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu
dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier
nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und
Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den
Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.
1.Mose 2, 18-20
Das
ist ein Urwissen von uns allen. Und auch Gott erklärt es ausdrücklich für ein
Defizit und nicht als eine Leistung, allein klar kommen zu wollen. „Wer einsam
ist, der hat es gut, weil keiner ist, der ihm was tut“ (W. Busch), ist eine
traurige Halbwahrheit. Sie wird behoben, dadurch, daß Gott uns beziehungsfähig
macht. Wir sollen wissen, daß wir für
andere brauchbar sind und nötig und liebenswert. Weil es nicht gut ist, allein zu sein, sollen wir auch nicht
allein lassen.
Damals
dachte man, erst habe Gott einen geschaffen- dann den anderen. In Israel war
der erste Mensch als Mann gedacht, in andern Kulturkreisen ist die Frau zuerst
da. Jedenfalls macht sich schuldig, wer mit der Geschichte von Adam und Eva
einen Vorrang für den Mann begründet.
Schon
die Vorfahren wussten , daß Mensch und Tier aus gleichem Stoff sind. Der Mensch
aber hat den Auftrag, die Tiere zu benennen, also sie sich zuzuordnen. Früher war der Abstand zu den Tieren noch klein,
es war ein langer Kampf, bis sich die Vorherrschaft des Menschen erwiesen hat;
und die Gefahr gebannt war, von den
wilden Tieren ausgerottet zu werden. Die Vorstellung, daß der Mensch seine
Ergänzung im Tier finden könne, ist in den Märchen noch bewahrt. Aber der
Mensch braucht den Menschen.
Ein Fleisch
Da
ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief
ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch.
1.Mose 2,21-24
Und
Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und
brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und
Fleisch von meinem Fleisch; Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen
und seinem Gefährten anhangen, und sie werden ein Gutesganzes (ein Fleisch)
sei. Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.
Die
erste Schöpfung wiederholt sich in jeder Biographie. Der Anfang ist der
Ursprung, der immer wieder lebenschaffende Quell. Vom Start entfernt man sich,
das Ursprüngliche widerfährt jedem: auf dem Weg zum Erwachsenwerden ziehen wir mehrfach uns in uns selbst zurück. Die Mädchen zieht es zu den Pferden, die
Jungen zieht es zu Kampfspielen untereinander. Bevor wir offen werden fürs
andere Geschlecht, müssen wir im Tiefschlaf aus dem Unbewussten schöpfen. Da tut
sich Erkenntnis auf, wir müssen von uns abgeben, um doppelt zurückzubekommen.
Das
Bild von der verlorengegangenen Rippe kann von einer der uralten Geschichte
herrühren: Die Männer am Feuer,
erzählen sich von den Kämpfen der Vorfahren mit den wilden Tieren, und wie dem
Urvater die Wahl gelassen war zwischen Unverwundbarkeit und der schönen Frau.
So gab er die Hälfte seines
Körperpanzers, der ehemals auch den Bauch geschützt hat, für die Erschaffung
seiner Frau. –Dieses Märchen bebildert ideal die Erfahrung der Liebe: das
plötzliche Erwachen aus dem schlaf des Alleinseins, es fällt einem wie Schuppen von den Augen: „Das
ist ja Fleisch von meinem Fleisch“, das bin ich anders noch einmal: Du, meine
bessere Hälfte!
Diese
Geschichte erzählt nicht wie, sondern dass Gott den Menschen ergänzungsbedürftig
und beziehungsfähig gemacht hat.
Irgendwann wird aus dem Kind
dieser Eltern, die Frau oder der Mann zu diesem Menschen, dem er zugehört und
anvertraut und zugemutet ist. Obwohl zu jeder Trauung ganz zu recht dieser Text
gelesen wird, ist er nicht die Gründungsakte unseres mitteleuropäischen
Eheverständnis, geschweige denn das Einsetzungswort für ein „Ehesakrament“. Es
gibt nicht die Ehe, es gibt viele Formen, einander Gehilfe und liebender Mensch
zu sein.
Erkenntnis
Und
Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen
und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der
Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und
sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der
Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du
von ihm isst, musst du des Todes sterben.
1, Mose 2, 8, 16-18
Mindestens
zwei Geheimnisse treiben den Menschen um: Warum können wir nicht ewig leben?
Und: Kann ich das Gute tun und das Böse lassen? Auf beide Fragen antwortete je
eine Erzählung aus uralten Zeiten. Der
Mensch aß verbotenerweise vom Baum des
ewigen Lebens. Und er aß vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen,
konnte es nicht lassen. Die ganz früher
getrennten Erzählungen handelten von
zwei Bäumen. Aber die Probleme,
die an den Bäumen hingen gehören zusammen und es ist eine Strafe. So konnte man
gut die beiden Bäume ineinandersehen.
Der Mensch ist sterblich. Weil er erkennt, dass er sterblich ist. Er
gewinnt Erkenntnis; damit verliert er das den Tieren ähnliche ewige Kindsein.
Er wird „Hirnhund“(G. Benn), muss denken, sich mühen, muss das Paradies des
Nichtdenkenmüssens verlassen.
Sollte Gott gesagt haben
Aber
die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR
gemacht hatte, und die sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr
sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?
1.Mose 3,1-3
Der
abgründigste Dialog der Menschheitsgeschichte steht in diesen knappen Zeilen.
Die Schlange ist uraltes Symbol für Kommen aus dem Urgrund, für
Erstickenmachen durch (Jagd)List, aber
auch für Häutung und Wandlung. Und für ein Denken, das nicht weiter kommt: Die Schlange beißt sich in den
Schwanz. – So ist die Schlange auch Symbol der ewigen Wiederkehr des Gleichen-
ohne Fortschritt zu irgendeiner Heilung.
Die
Schlange spricht- was der Mensch auch aus sich selbst sagen kann: Ja., sollte Gott das wirklich gesagt haben?
Sollte mein geliebter Vater seiner geliebten Tochter schönste Früchte
vorenthalten- das kann doch nicht wahr sein: genießt was alleine, ohne mit
seiner Tochter zu teilen. Die Schlange ist Bild für das menschliche Argwöhnen
gegen Gottes Güte. Dies Argwöhnen haben die Alten durch das Auftreten der
Schlange als von außen kommend beschrieben. Und tatsächlich ist der Argwohn
gegen Gott- er könne uns quälen indem er uns Glück willentlich vorenthält und
Unglück uns zufügt, himmelschreiend. Ist der Mensch zu diesem Argwohn fähig,
ist er dazu fähig gemacht. Denn keiner hat sich selbst geschaffen. Durch Auftritt der Schlange, die ja Gottes
Geschöpf auch ist, zeigen die Alten: Gott ist mit „schuld“ an unserm
Schuldigwerdenkönnen- und müssen? Wer handelt, muß auch Versäumnisse und Fehler
und Schuld auf sich laden. Damit, daß Gott uns das Wissen einräumt, räumt er
uns auch das Recht auf Schuld ein, nämlich nicht dem Wissen des Guten gemäß zu
handeln.
Der verquere Dialog
Da
sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im
Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:
Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!“
Da
sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern
Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr
werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
1.Mose 3,4-5
Wissen,
was gut und böse ist- ist eine Gottesqualität. Diese Menschenwürde hat uns Gott
von immer her zugedacht. Tatsächlich kommen wir irgendwann im Kindesalter dazu,
unsere Eltern zu belügen und zu bestehlen. Und fühlen in dem Augenblick uns
stärker als sie. Jedenfalls fühlen wir unser Gewissen- wir wissen: das darfst
du nicht. Und doch schmeckt es gut. Unsere Augen werden uns aufgetan für die
Ahnung, wie schwer das Leben ist, wir lieben die Eltern und verletzen sie
doch. Diese Erfahrung von uns allen,
haben unsere biblischen Vorfahren übertragen auf Gott und eine Szene vom Garten und den verbotenen Früchten
nachgestellt.
Immer
wünschen wir auch, nicht schuld zu sein- im Angesicht der Hungernden dieser
Welt kann mein Vergeuden mich krank
machen. Und wie mein Erfolg oft durch Scheitern anderer erkauft ist. Oder wie
ich die anvertrauten Talente vergeude oder vergrabe. Wir wissen um uns, wissen
daß wir vor Gott verantwortlich sind.
Sehen, was klug macht
Und
die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die
Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.
1. Mose 3,6
Da
ist ein Verbot von dem, dem alles gehört. Aber Frau Mensch sah. Ihre
Lebensbereitschaft neigt dazu, die
Verhältnisse zu ihren Gunsten zu nutzen.
Sie lässt sich die Dinge zum Besten dienen. Sie geht davon aus, daß Gott
klar ist. Der wird nicht einen Baum in
die Mitte des Gartens stellen, dessen Früchte Glück verheißen aber vergiftet
sind. Auch wird mein geliebter Vater
–so Eva- keine Versuchsanordnung aufbauen, nur um mich zu testen. Er weiß doch.
Also will er mich klug machen. Darum macht er, daß Lust mir in die Augen
springt.
Als
die Menschheit noch in den Kinderschuhen steckte, gab es eine Entwicklungsstufe
ohne Gebote, ohne Gut und Böse, ohne Wahl. Die Schöpferkraft musste
entscheiden, ob es beim Menschenaffen sein Bewenden haben sollte. Oder ob Gott
sich ein Partnerwesen erziehen wolle. Dann muß es vor allem Spielraum haben,
selbst zu wählen, was es für Gut und böse hält. Gott kann ihm zwar seine Sicht
der Dinge sagen. Aber erst wenn der Mensch aus freiem Willen, das göttliche Maß
für sich gelten lässt- und nicht etwa aus Angst vor Strafe- lebt er
ebenbildlich mit Gott.
Die
Menschen vor uns legten für sich fest: Gott ließ den Erdling mitentscheiden ,
ob er mit Gewissen gekrönt und beladen sein will. So viel Schmerz und Haß und
Gewalt kommt dadurch in die Welt, daß der Erdling Mensch wird- also nicht nur
„das Findigste aller Tiere“ bleibt, sondern „Invalide höherer Kräfte“ ist.
Auch
wollte Gott die Entscheidung, die Bitternis auch über ihn bringt, nicht alleine treffen; natürlich leidet die
Mutter des Lebens, wenn ihre Kinder ihr ins Angesicht widerstehen und sich
gegenseitig Böses antun. Hätte Gott uns
schonen wollen, hätte er uns unwissend, uns Menschenaffen bleiben lassen. Aber
der Blitz des Heiligen Geistes half ersten Affenmenschen zur Welt, die lernten, aufrecht zu gehen und Gebote
des Herrn zu vernehmen.
Sie gab ihm und er aß
Und
sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon
und er aß.
1.Mose 3,6b
Das
sollen wir uns so vorstellen: Lang steht Eva da, allein, wortlos, in ihr
arbeitet es. Was die Schlange sagte, ist ja die andere Stimme in ihr. Ob sie
nicht Gott näher komme, wenn sie das Gebot überspringt? Ob sie nicht vertraut
werden soll mit dem Wissen von allem? Ob sie vielleicht Gott besser versteht,
wenn sie ihn nicht wörtlich nimmt? Soll ich meine Fähigkeiten auszuweiten? Aber
dann liegt Schuld und Unschuld glasklar offen, frei scheint sie wählen zu
können wie man einen Apfel greift oder es sein lässt.
Eva
vor dem verlockenden Baum- wir spüren das Gefälle hin zum selbstverständlichen Tun des Verbotenen: köstlich die
Augenweide, und dazu noch nötig fürs Klugwerden. Folgerichtig nimmt sie. Und
die Verführte wird zur Verführenden. Sie nahm, aß, gab. Und er aß.-
Daß
die Frau den ersten Griff tut, ist kein
Zeichen von Zweitrangigkeit, die der Frau so lange aufgedrückt wurde. Im
Gegenteil scheint sie mehr Partner Gottes zu sein, schöpferischer und
intelligenter, aktiver als der vor sich hinarbeitende Mann. Für ihn ist ja
typisch, nichts verlieren zu wollen, während die Frau auf Gewinnen setzt. Die
Frau scheint immer über das Geheimnis des Lebens zu walten, „durch Männer lernt
man höchstens, wie die Welt ist, durch Frauen jedoch, was sie ist“ (C.
Nooteboom). Die lange Geschichte männlicher Unterdrückung beruft sich auf die
Verführung durch Eva und verlängert die
Dummheit des Adam.
Gewahr werden, was mit einem ist
Da
wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt
waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
1.Mose 3,7
Ihnen
wurden wahrlich die Augen geöffnet, aber sie fanden kein selbstbewusst
erblühtes Ich. Die Unschuld war entzaubert, die Kindheit verloren. Es kommen
die Mühen des Wissens auf sie: Sie lernen sich als Mängelwesen kennen, die
geschlechtliche Stelle legt die Ergänzungsbedürftigkeit
bloß. Durch Verdecken schaffen sie die Angewiesenheit nicht aus der Welt, es bleibt bei ihnen die Scham- eine innere
Entherrlichung, ein Erschrecken, nicht leuchtend wie Gott für einander zu sein
sondern zerrissen, argwöhnisch, selbstsüchtig. Hungrig nach Liebe werden sie,
worin Gott sie für einen Augenblick erlöst.
Mensch, wer bist Du
Und
Adam und Eva hörten Gott, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war.
Und sie versteckten sich vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im
Garten. Und Gott rief: Adam, wo bist
du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin
nackt, darum versteckte ich mich.
Und
er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Du hast doch gegessen von dem Baum, von dem ich dir
gebot, du solltest nicht davon essen. Da sprach Adam: Die Frau, die du mir
zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß.
Da
sprach Gott zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange
betrog mich, sodass ich aß.
Da
sprach Gott zu der Schlange: Weil du das getan hast, sollst du auf deinem
Bauche kriechen dein Leben lang; Feindschaft soll sein zwischen deiner Brut und
den Menschenkindern.
Und
zur Frau sprach er: Unter Mühen sollst du Kinder gebären und Verlangen sollst
haben nach deinem Mann.
Und
zum Mann sprach er: Unter Mühen sollst du den Acker bestellen, im Schweiße
deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde
zurückkehrst, davon du genommen bist. Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie
wurde die Mutter aller, die da leben.
1.Mose 3, 8-20
„Adam,
Mensch, wo bist du, wer bist du“- bleibt der Ruf nach mir selbst. Was ist mit
mir los; ist es ein Glück , daß ich bin, bin? Es ist da das Andere, das mich
zum Ich macht.- Durch Mitmenschen hindurch ruft Gott nach mir: Ich muß aus mir
rauskommen, aus dem Dickicht des Unbewussten, ich muß mich outen, mich
kenntlich machen durch das, wofür ich einstehe.
Mich
verkriechen geht nicht, Scham vor der eigenen Dürftigkeit gilt nicht. Ich muß
mich zeigen, anbieten, meine Begabung ausgeben, ich muß Ich werden in dauernder
Empfindung von Gut und Böse.
Das
Ableiten von Schuld ist menschlich; Adam belastet die Frau, die Du, Gott mir gegeben hast, belastet also letztlich Gott. Das macht auch die Frau: Die
Schlange hast Du doch auf mich
angesetzt! Drei Menschenlasten sahen
die Vorfahren im Schuldigwerden begründet: Die Angst vor giftigem Getier; die
Mühe mit dem Nachwuchs und mit
Geschlechtlichkeit. Und die Mühe ums tägliche Brot.
Beides
gilt: Die Menschen sehen Gott letztlich doch haftbar für die schwierigen
Umstände. Dann ist ja auch noch Hoffnung.
Und Gott nimmt den Menschen in
die Verantwortung: In den schwierigen Umständen wächst der Mensch, kommt zu
sich selbst. Der Mann, der erst seine Frau von sich stößt, nennt sie dann
Mutter alles Lebendigen- darin steckt Liebe und Trotz und Stolz: Der Mann sieht
sich als Gefährten der Mitschöpferin, der Partnerin Gottes.
Unser Wissen um Gut und böse ist unser Adel
Und
Gott sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut
und böse ist. Das ist die Vertreibung aus dem Garten Eden, unter Mühen soll er die Dienstreise Leben
bestehen, die Erde unter Mühen bebauen. Und Gott machte Adam und seiner Frau
Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Cheruben versperren mit flammenden Schwertern den Weg zurück zum
Paradies.
1.Mose 3, 21 -24
Das
Wissen um Gut und Böse macht den Menschen zum „Hirnhund“ (G. Benn). Es geht
nicht mehr, das Leben aus dem Bauch. Und wie es kommt, ist es gut- das ist
vorbei. Von den vielen Möglichkeiten müssen wir die am wenigsten Schädliche
ermitteln und tun. Einigermaßen nur wollen, was man darf und einigermaßen
können, was man muß, das ist die alltägliche Gnade. Und Gelingen ist tägliches
Wunder. Uns sind Felle mitgegeben, wir können uns schützen vor dem Erfrieren,
auch seelisch.
Der
Weg zurück ins Paradies ist uns verschlossen- wir müssen durch die Geschichte
durch. Das Paradies liegt vor uns. Wir werden es durch den Tod hindurch zu
schmecken bekommen. Auf der Rückseite der Zeit, hat Gott noch viel mit uns vor.
Bruder Kain
Und
Adam erkannte seine Frau Eva, und sie wurde schwanger und gebar den Kain.
Danach gebar sie Abel. Und Abel wurde ein Schäfer, Kain aber wurde ein
Ackermann.
1.Mose 4, 1-2
Die
deutsche Sprache hat für die Liebesumarmung eigentlich nur das behutsame “Miteinander- Schlafen.“
Das hebräische „Erkennen“ dagegen
feiert das geistige Ereignis, das mit dem Lieben einhergeht: ausgeliefert
aneinander nehmen wir uns echt wahr.
Der
Mensch ist geliebter Sünder- dafür steht das erste Menschenpaar, das erste
Brüderpaar ist einander feind- auch das kennzeichnet die von Anfang an bedrohte
Schöpfung- sie muß erst noch heil werden. Schäfer und Bauer sind ehemals
Konkurrenten- sie stehen für Rivalität aller Art. Der wirtschaftliche Kampf ums
Überleben macht auch vor Geschwistern nicht Halt.
Zum
Erntedank
brachte Kain dem Herrgott Opfer von den Früchten des
Feldes, Abel brachte Jungtiere von
seiner Herde. Und der Herrgott
sah Abel und sein Opfer gnädig an, aber Kain und sein Opfer sah er nicht
gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick.
1. Mose 4, 3-5
Beide
Brüder wissen, dass sie ihre guten Ernten Gott verdanken. Auch ihre Gesundheit,
ihre Familien, die Zeit, die Freude verdanken sie Gott; ja, sich selbst. Aber
wie ein Blitz aus eben noch heiterem Himmel fährt ein Hass in die Welt, fährt
in des Menschen Herz. Kain sieht seine Sympathie bei Gott und dem
Schicksal verloren. Vielleicht war es ein nichtiger Anlass nur- sein Opferfeuer
qualmte, während Abels Feuer herrlich prasselte. Er sieht sich zurückgesetzt,
sieht Abel bevorzugt. Und schon lodert Argwohn in Kain auf, Grimm überzieht
seine Seele, Gewalt bricht hervor.
Die
Geschichte lässt Gott den Urheber des Grimms sein, er verteilt seine Gunst
ungerecht. Wir getrauen uns diese Schuldzuweisung nicht mehr. Nach Jesu Kommen
sehen wir Gott nicht als Autor von Bösem sondern als Erleider und Erlöser.
Grimm
Da
sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?
Es
ist doch so: Wenn du ohne Arg bist, kannst du frei den Blick erheben. Sinnst du
aber Böses, so lauert die Sünde an der Tür als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen. Du aber werde Herr über ihn.
1. Mose 1,6.7
Kain
ist nicht automatisch seiner Aggression ausgeliefert. Im Gewissen hört er sich
infrage gestellt. Warum denn der Hass? Ist in dir ein Verlangen zu zerstören?
Willst du gewinnen durch Kleinmachen und Vernichten? Monströs kann Sünde Macht
über uns gewinnen, wir sehen uns als Opfer eines Dämons, der auf uns zufliegt,
von uns Besitz ergreift Aber du Mensch, beherrsch deine Lust, zu unterwerfen.
Benutz kein Böses, auch nicht als Mittel für angeblich gute Zwecke - so lockt
Gott und würdigt uns eines ziemlich freien Willens.
Es
gibt böse Mächte, Dämonen, Hexen- aber sie können nicht in dein Haus, es sei
denn , du lädst sie ein. Schlimm dabei ist, jeder lädt sie ein, aber wir haben
Entscheidungsspielräume, haben immer wieder Möglichkeiten, so oder so zu
wählen. Wer A sagt, muß nicht B sagen.
Bruders Hüter
Da
sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich,
als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und
schlug ihn tot.
Da
sprach der Herrgott zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß
nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?
1.Mose 4,8.9
Abgründig,
daß Menschen Ihresgleichen umbringen können. Dann sind alle Sperren überflutet
von der einen Gier, diesen aus dem Weg zu räumen. Um sich seine Lebenskraft, oder seinen Besitz, seine Würde, sein
Wissen anzueignen. In uns wissen wir, daß wir einander zu Hütern bestellt sind.
Mord ist fast Selbstmord. Lebenslänglich wird man das Töten bei sich haben,
Sein Schrei, sein Niedersinken schiebt sich in jeden künftigen Gedanken. Die
Räume des Schreckens wird an nie mehr los.
Fluch
Gott sprach: Was hast du getan? Die Stimme des
Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Verflucht seist du. Wenn du
den Acker bebauen wirst, soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet
und flüchtig sollst du sein auf Erden.
1.Mose 4,10-12
Das
ist der Fluch der bösen Tat: Man kann sich seines Lebens nicht mehr freuen. Das
Zusammenleben wird gemieden, seine
Arbeit wird von den Mitmenschen nicht gewollt. Die einzige Chance ist
die garstige Fremde. Wo man ihn erkennt wird man Steine nach ihm werfen. Und er
muß weiter. Es gilt das Wort aus Weisheit 11,16: „Womit einer sündigt, damit
wird er auch bestraft.“
Todesstrafe abgelehnt
Aber
Gott sprach: Totschlagen soll ihn keiner Und der Herrgott machte ein Zeichen an
Kain, dass ihn niemand erschlüge. Und
Kain ging weit weg, jenseits von Eden, wo er meinte, er sei aus dem
Blick des Herrn.
1.Mose 4,13-16
Die
Sensation ist, daß schon ganz früh die Menschen wussten: Todesstrafe geht
nicht. Das Leben , auch des Mörders, ist des Herrn. Auch Gott ist gezeichnet
mit dem Kainsmal. Fürchterlich, daß sich doch immer wieder Menschen anbieten zu
Henkern, um anmaßend „im Namen des Herrn“ Leben auszulöschen.
Das
ist ein Vesprechen: Auch jenseits von Eden bleiben Gottes Augen über Bruder
Kain. Und dem Abel ist ein unverbrüchliches Gedenken gewidmet in all den Mühen um Geschwisterlichkeit.
Geschichten
wie die von Kain und Abel zu erzählen, das kann man eigentlich nur, wenn man
guten Mutes ist. Denn es braucht Kraft, die Räume des Schreckens zu vermessen
und den Hang zur Gewalt in uns merken. Und nicht aufgeben. Mitten im Winter die
Keime des Frühlings, kleine fröhliche Feuer der Liebe entzünden, dem Pflänzchen
Humanität zum Überleben helfen.
Aus der Tiefe zu den Sternen
Ein
Tiefpunkt der menschlichen, männlichen
Großmannssucht klingt auf in dem grölenden Triumphlied des Kain-Nachkommen
Lamech: Ada , Zilla, meine Frauen! Merkt auf, was Lamech zu sagen hat: Ich
erschlage einen Mann für meine Wunde,
einen Jungen für meine Beule. Na und? Kain sollte siebenfach gerächt werden-
aber der große Lamech soll sieben mal siebzigfach gerächt werden.
1.Mose 4,23.24
Blind
war Willkür und Gier. Wir kommen aus Zeiten, da galt das Recht des Stärkeren.
Der nahm, was er wollte und stillte seine Mordlust, bis er erschöpft war. Hunderttausend Jahre wohl brauchte Gott, um
dem Menschen Gewissen zu geben: Ein Um- sich- selbst- wissen: Mensch, du bist
für dein Tun verantwortlich. Du bist gewürdigt und verpflichtet, Antwort und
Rechenschaft zu geben. Ein Meilenstein in der Erziehung des
Menschengeschlechtes ist die Begrenzung der Rache auf ein strenges: „Wie du
mir, so ich dir.“: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben“ (2. Mose 21,
23f). Nicht mehr, nicht weniger, kein Progrom aber auch keine Gnade. Die
Zeitenwende brachte Jesus: „Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt,biete
ihm auch die linke. Will einer deinen Mantel gib ihm auch dein Hemd.“ (Matthäus
5, 39). Der Mensch wird zur Feindesliebe fähig, wenn er an Jesu Hand den Racheherrn und den Gesetzesrichter hinter sich lassen darf und zum „Gott der
Geduld und des Trostes“(Römerbrief 15,5) findet.
Die größte anzunehmende Traurigkeit
Als
aber der Herrgott sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles
Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immer und immer, da reute es
ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in
seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe,
vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und
bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht
habe. Aber...
1.Mose 6,5-7
Es
ist vielleicht der gewalttätigste Satz der Menschheit. Niederschmetternder
haben wir nicht von uns gesprochen und von Gott: Wir, unsere Spezies, ein
Missgriff eines scheiternden , gebrochenen Gottes. Der Satz, ist wie eine gewaltige Flut, mit der der Herr seinen
Stall ausmistet, seine Welt hinwegspült.
Immer
wieder kamen und kommen Fluten, Feuersbrünste, Hungerkatastrophen,
Vulkanausbrüche über die Menschheit. Und Menschen fragen: Warum? Und sagen, um Gott zu schützen: Wir sind
selbst schuld. Wären wir Herrgott, hätten wir auch mit denen Schluß gemacht.
Doch an den Vernichtungssatz schließt sich ein Aber, das leuchtendste Aber
vielleicht, am Ende des Tunnels, Licht; nicht vom entgegenkommenden Zug
sondern: Noah, Arche, Regenbogen, Bund.
Aber Noah fand Gnade
Noah
war ein frommer Mensch und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.
Zu
ihm sprach er: Das Ende allen Fleisches
ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe,
ich will sie verderben mit der Erde.
Du
aber, mache dir einen Kasten von dreihundert Ellen, dreißig Ellen Höhe, mit
Stockwerken, Ställen, Kammern, Fenster. Ich will eine Sintflut kommen lassen.
Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Aber mit dir will ich meinen Bund
aufrichten, und du sollst in die Arche gehen mit deinen Söhnen, mit deiner Frau
und mit den Frauen deiner Söhne.
In
die Arche sollt ihr bringen von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar,
Männchen und Weibchen, dass sie leben bleiben mit dir. Du sollst genug
Verpflegung und Futter mitnehmen.
Und
Noah tat, was Gott gebot. Und die Tiere gingen sie zu Noah in die Arche
paarweise. Dann kamen die Wasser der
Sintflut. Alle Brunnen der großen Tiefe brachen auf und es taten sich die
Fenster des Himmels auf. Es regnete
vierzig Tage und vierzig Nächte.
1.Mose 6, 8-22; 7,1-12
Die
Rettung liegt bei einem, der mit Gott lebt. Einer bleibt übrig, einer kehrt um,
einer baut die Arche. Die Vielen können irren. Einer sieht Gott kommen, Einer
weiß, was zu tun ist: Retten, Bergen, in Sicherheit bringen, alles verlassen um
des eines Auftrages willen. So einen fand Gott; Und so einen findet Gott immer
wieder in den großen und kleinen Katastrophen. Sagen wir nicht: „Nach uns die
Sintflut“. Bauen wir Archen, Freundschaften, Chancen fürs Überleben.
Solange die Erde steht
Da
gedachte Gott an Noah und an alles Getier, das mit in der Arche war, und ließ
Wind auf Erden kommen und die Wasser fielen.
Noah
wurde ungeduldig- er ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her
und kam zurück. Auch eine Taube fand nichts Trockenes und kam zurück. Später
ließ er erneut eine Taube fliegen, die kam um die Abendzeit zurück, und trug
einen Ölzweig in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen
hätten und Land in Sicht war.
Dann
redete Gott mit Noah und sprach: Geh aus der Arche, du und die Deinen und alles
Getier, auf dass sie sich mehren auf Erden.
So
ging Noah heraus mit allem , was bei ihm war. Und baute dem Herrgott
einen Altar und dankte und feierte ihn.
Gott aber sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der
Menschen willen. Auch wenn das Machen und Tun
des menschlichen Herzens böse ist , will ich hinfort nicht mehr schlagen
alles, was da lebt. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte,
Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Und
Gott segnete Noah und die Seinen und richtete einen Bund auf und mit Noah und
seinen Nachkommen und mit allem lebendigen Getier: Es soll keine Sintflut mehr
kommen, die die Erde verderbe. Ich setze meinen Bogen in die Wolken. Den will
ich ansehen und gedenken und den sollt ihr ansehen und gedenken: Zeichen
des Bundes zwischen Gott und Schöpfung.
1. Mose 8 -9,17
Böse
von Jugend auf, der Mensch- wenn das der Grund für die große Vernichtung war,
dann nie mehr wieder. Es ist doch Gottes Schöpfung, sind seine geliebten
Pflanzen, Tiere, seine Menschenkinder. Gott will mit uns auskommen, auch wenn
er an uns leidet. Das ist eine Art Bekehrung in Gott, ist aber eher ein Quantensprung in der Gotteserkenntnis
des Menschen.- Ja, tief zurück liegt die Zeit schauerlicher
Göttervorstellungen. In vielen Schöpfungssagen der Menschheit steht eine Urflut
am Anfang, alle Völker am Meer haben Sindfluten im Volksschatz, immer war Sünde
schuld, um nicht ganz irre zu werden am Verhängnis. Immer war es göttliches
Erbarmen, das neuen Anfang schuf.
Der Turmbau zu Babel
Von
den Nachkommen Noahs kommen die Völker her. Und alle Welt hatte einerlei Zunge und Sprache. Die nach Osten zogen,
fanden eine Ebene im Lande Schinar und ließen sich dort nieder. Sie sprachen
untereinander: Los, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel
als Stein und Erdharz als Mörtel und taten sich zusammen: lasst uns eine Stadt und
einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen
Namen machen; sonst verlieren wir uns in alle Länder.
Da
fuhr der Herrgott hernieder, Stadt und Turm der Menschen zu besehen. Und erschrak: Das ist erst der Anfang- wenn
die so weitermachen, werden sie grenzenlos. Verwirren wir
Ihre
Sprache, dass keiner des andern Sprache verstehe!
Daher
heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache
und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.
1 Mose 10,32; 11,1-9
Die
lange vor uns lebten, dachten den Ursprung der Welt als Einheit: ein erster
Mensch, ein erstes Menschenpaar, eine Urflut nach der Noah der erste Mensch
war, von ihm zweigen alle Völker ab, am Anfang auch eine Ursprache; die
verwirrende Vielsprachigkeit erklärte man sich als Strafe für Größenwahn der
Ahnen.
Der
Turm zu Babel galt wie andere
Weltwunder des Altertums als Zeichen
für die hohe Leistungsfähigkeit der gottverbundenen Vorfahren. Die Turmruine
von Babel nahmen spätere Generationen als Zeichen , „sie wollten zu hoch
hinaus“. Ihr Scheitern blieb Mahnung,
selbst nicht in Hybris zu fallen. Die „Babylonische Sprachverwirrung“ bleibt
Warnung, die Sprache nicht zum Herrschaftsmittel verkommen zu lassen. Auch
fängt der Friede mit der Wahrheit der Worte an. Wenn Menschen einander nur
kommandieren und verhören, können sie sich nicht verstehen. Die stärkste
Gegengeschichte ist die von Pfingsten (Apostelgeschichte 2)- der Heilige Geist
der Kommunikation brennt in den ersten Christen.
Abraham-Vater des Glaubens
Gott
erwählte sich einen Menschen, namens Abram (später Abraham) aus Haran. Den
sprach er an: Geh aus deinem Vaterland
und von deiner Verwandtschaft und aus deiner Eltern Hause in ein Land, das ich
dir zeigen werde. Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und
dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein; ja, in dir sollen
gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.
Abraham
glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit an
1.Mose
12, 1-3; 15,6
Im
grandiosen Zeitraffer schildern die Schriftgelehrten vom Tempel Salomos (um 950
v. Chr) die Vorzeit. Nach Schöpfung und Zeit der Riesen (1.Mose 6) und Sindflut
schließt Gott mit Noah den Schöpfungsbund: die Natur soll bewahrt bleiben: Und
in Abraham schließt er den Bund des Glaubens. Abraham soll Vater Israels
werden, des Volkes dem die Gottessorge bis zum Kommen Jesu aufgetragen wird.
Der Segen über Abraham ist aller
Menschheit gewidmet: Die bewusste Gotteskenntnis ergießt sich von Abraham an in
die Welt: Gott sich anvertrauen, realisiert, daß wir zu Gott gehören: Was bin
ich in meinem innersten Innern? – „Kind Gottes“. Nicht weil ich so gehorsam bin
sondern weil ich geliebt bin.
Wir sind doch Brüder
Da
zog Abram aus mit seiner Frau Sara und aller ihrer Habe und mit seinem Schwager
Lot und dessen Familie. Abram war
fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog, um im Land Kanaan zu wohnen. Er
baute bei Sichem einen Altar und östlich der Stadt Bethel, danach zog Abram
weiter mit ihm ins Südland. Bald war er
reich an Vieh, Silber und Gold. Lot aber, der mit Abram zog, hatte auch
Schafe und Rinder und Zelte.
Aber das Land konnte beide nicht ertragen, immer war Zank zwischen den
Hirten von Abrams Vieh und den Hirten von Lots Vieh. Es wohnten auch zu der
Zeit die Kanaaniter und Perisiter im Lande.
Da
sprach Abram zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und
zwischen meinen und deinen Hirten. Wir sind doch Brüder! Steht dir nicht alles
Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur
Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken
Da
erwählte sich Lot die ganze wasserreiche Gegend am Jordan und zog nach Osten.
Also trennte sich einer vom andern, Abram wohnte im Lande Kanaan und Lot in den
Städten am unteren Jordan, bis nach Sodom zog er mit seinen Zelten. Die Leute
von Sodom aber waren böse.
1.Mose 12,4 -13,13
Streit
zwischen Brüdern, deren Familien und Mitarbeitern geschieht eben. Das Kunstwerk
ist nur, wie damit leben? Abraham macht das vorbildlich. Er schlägt Trennung
vor, lässt aber Lot die erste Wahl. Das Geheimnis seiner und aller Großzügigkeit ist das Wissen,
gesegnet zu sein.
Sara und
Hagar- eine Geschichte mit
Folgen bis heute
Sara, Abrahams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie
hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sara sprach zu Abraham:
Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu
meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abraham
gehorchte der Stimme Saras.
Er
ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war,
achtete sie ihre Herrin gering. Da sprach Sara zu Abraham: Das Unrecht, das mir
geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun
sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in
ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Und Sara demütigte sie
, da floh sie von ihr in die Wüste.
Aber
der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste und sprach zu ihr: Den Sohn den du gebären
wirst, sollst du Ismael nennen.- was
heißt: Der Herr hat dein Elend erhört, geh zurück Und Hagar nannte fortan den
Herrn: “Du bist ein Gott, der mich
sieht.“ Fortsetzung:
„Als
aber Sara noch selbst ein Kind geboren hatte, sprach sie zu Abraham: Treibe
Hagar von uns mit ihrem Sohn; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit
meinem Sohn Isaak. Das Wort missfiel Abraham sehr um seines Sohnes Ismael
willen.
Aber
Gott sprach zu ihm: Lass es dir nicht missfallen. (17,19) Ich will Sara segnen
und nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden. Er soll zu einem großen
Volk werden.
Aber
auch den Sohn der Magd will ich zu einem Volk machen, weil er dein Sohn ist.
Da
stand Abraham früh am Morgen auf und nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser und
legte es Hagar auf ihre Schulter, dazu den Knaben, und schickte sie fort. Da
zog sie hin und irrte in der Wüste umher bei Beerscheba.
Als
nun das Wasser in dem Schlauch ausgegangen war, warf sie den Knaben unter einen
Strauch und ging hin und setzte sich gegenüber von ferne, einen Bogenschuss
weit; denn sie sprach: Ich kann nicht ansehen des Knaben Sterben. Und sie erhob
ihre Stimme und weinte.
Da
erhörte Gott die Stimme des Knaben. Und der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel
her und sprach zu ihr: Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand;
denn ich will ihn zum großen Volk machen. Und Gott tat ihr die Augen auf, dass
sie einen Wasserbrunnen sah. Und sie tränkte den Knaben.
1.Mose16 u. 21.1-19
Riesig
die Geschichte der zwei Frauen. Sara ist kinderlos. Sie gibt ihre Sklavin Hagar
dem Abraham in die Arme: Er soll mit ihr als Leihmutter Saras Kind zeugen. Die
stolze Ägypterin Hagar triumphiert wohl, Sara staucht sie zurecht. Das Kind
wird geboren. Inzwischen ist Sara auch schwanger, sie gebiert den Isaak. Jetzt
will sie Hagar und deren Söhnchen aus
den Augen haben. Sie veranlasst den Abraham, beide vom Hof zu treiben. Nah am
Verdursten, rettet sie ein Engel, eine Quelle lag offen vor ihren Füßen.
Gott
gibt dem erst Kinderlosen zwei Söhne.
Auch Ismael soll auch ein großes Volk werden. Aber aus Isaak soll das
Volk Gottes werden, ein Segen für alle Geschlechter auf Erden.
Der
islamischen Tradition gilt Ismael als Ahnherr der Araber. Schon das alte
Testament kennt den palästinensischen Stämmeverbund der Ismaeliten als Feinde
Israels. Der Islam beruft sich auf den Segen, den Gott auch für Ismael hat.
Beide –Israel und Araber haben in Abraham den einen gemeinsamen Stammvater des
Glaubens, sie sind also Brudervölker.
Der
Koran führt die Geschichte von Hagar in der Wüste so weiter: Als die Quelle
Semsem vor Hagar aufsprang, wusste sie, daß Gott diesen Ort heiligte und ließ
sich dort im Tal Kaaba nieder. Später baute Abraham und Ismael dort ein
Heiligtum. Ismael empfing vom Erzengel Gabriel den bis heute in Mekka
aufbewahrten Stein, der aus Trauer über den Götzendienst in der Welt zum
„Schwarzen Stein“ geworden ist.
Die
Rivalität der Weltanschauungen heute hat tiefe Wurzeln. Auch die Christenheit
hat aufzuholen im Verständnis des Islams. Lange galt der Islam den christlichen
Kirchen als Häresie oder böswillige Verdrehung christlicher Wahrheiten. Dabei
gewann der Prophet Muhammed( +632) durch Visionen die Gewissheit, er müsse die
Basis des jüdischen und des christlichen, ja des ganzen Menschheitsglaubens wieder
zur Geltung bringen: Die völlige
Hingabe (das arabische Wort dafür:islam) an den allmächtigen und barmherzigen
Gott. Eine weltliche Sphäre jenseits
von Gottes Heiligkeit und Ruf in den Gehorsam gibt es nicht: Der Mensch hat
ungeteilt Gott zu dienen, alles Tun ist Gottesdienst und untersteht der
Geistlichen Aufsicht. Die Sensation
gelang der Türkei unter Atatürk. In einem islamischen Land setzte er die
Trennung von Moschee und Staat durch.
Bis heute kämpfen ungezählte Schattierrungen von Islam um die Wahrheit-
Die der Moderne zugewandte Seite hält
Demokratie und Gleichberechtigung der Frau für durchaus vereinbar mit
dem Islam, der Sufismus verehrt Gott als
die reine Liebe, im Iran gewinnt gerade eine Richtung die Oberhand, der
Toleranz und Freizügigkeit gotteslästerlich ist.
Wir
durch die Nietzsche-Marx- und Feuerbäche Gegangenen, die wir nichts Heiliges
mehr wissen als unsere Ruhe, können beim Thema „Gotteslästerung“ nur müde
lächeln. Das Thema Gottesverachtung ist
durch Auschwitz und die Atombombe und
die Millionen Hungertoten jährlich völlig aufgebraucht. Darum fiel uns die Karikatur vom Propheten mit Bombe im
Turban erst auf, als jetzt viele Moslems diese Zeichnungen als Schändung Ihres
Glaubens lasen. Wir hier müssen verstehen lernen.
Gott bei Abraham in Mamre
Und
Gott erschien ihm, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am
heißesten war. Da standen drei Männer vor ihm. Denen lief er entgegen und
neigte sich zur Erde und sprach: Ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass
ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Und er trug Kuchen, Butter
und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen
vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen.
Da
sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara,
deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des
Zeltes. Sie lachte bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch
der Liebe pflegen, und mein Abraham ist
auch alt! Der Herr sprach: Ihr werdet sehen, übers Jahr soll Sara einen Sohn
haben.
1. Mose 18 1-15
Eigentümlich
diese Erscheinung: In drei Gestalten der eine Herrgott; ein starkes Inkognito.
Abraham fremdelt nicht, er ist sofort gastfrei, sicher hat er die gottvolle
Aura gespürt. Ein Kind wird ihnen
verheißen, Sara lacht, sie hält es wohlweislich für unmöglich.
Die
Dreifach-Erscheinung hier hat später die
Kirche aufgenommen als Vorbild für die trinitarische (drei in eins) Idee
von Gott. Auch , daß die Mutterschaft der Sara wunderbar ist, wiederholt
sich bei Maria.
Abrahams Handel mit Gott
Und
Gott sprach zu Abraham: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, dass
ihre Sünden sehr schwer sind. Ich will hinabfahren und sehen, damit ich’s
wisse.
Abraham
aber sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es
könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die
umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin
wären?
Der
HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte in der Stadt, so will ich um
ihretwillen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Ach siehe,
ich habe mir herausgenommen, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich von erde
genommen bin.
Es
könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein; wolltest du
denn die ganze Stadt verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin
fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben.
Und
er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man könnte vielleicht vierzig darin
finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen.
Abraham
sprach: Zürne nicht, Herr, dass ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht
dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich
ihnen nichts tun.
Und
er sprach: Ach siehe, ich habe mich getraut, mit dem Herrn zu reden. Man könnte
vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um
der zwanzig willen. Und er sprach: Ach, zürne nicht, Herr, dass ich nur noch
einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will
sie nicht verderben um der zehn willen.
1. Mose 18, 20-32
Gott
hält viel von Abraham, zieht ihn ins Vertrauen über Sodoms Schuld. Uralt ist
die Vorstellung, Gott müsse erst mal an den Tatort, um zu wissen. Modern
dagegen ist fast schon, daß Abraham wagt, wie ein Teppichhändler auf dem Bazar
mit Gott zu feilschen. Es ist, als würde Gott vom Menschen lernen: Nicht mehr
möglich ist die Kollektivhaftung; klar, daß Gott nicht die Gerechten mit den
Ungerechten umkommen lassen darf. Aber vielleicht gibt es eine umgekehrte
Kollektivhaftung: Die wenigen erlösen die vielen. Gott lässt mit sich reden- er
braucht das Gespräch mit seinen Auserwählten.
Eine
wüste Geschichte: Untergang von Sodom und Gomorra.
Zwei
Engel kamen nach Sodom am Abend; Lot aber sah sie , stand er auf, ging ihnen
entgegen und neigte sich bis zur Erde und sprach: Siehe, liebe Herren, kehrt
doch ein im Hause eures Knechts und bleibt über Nacht.
Aber
ehe sie sich legten, kamen Leute der Stadt Sodom und umgaben das Haus,
und
riefen Lot und sprachen zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind
diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, dass wir uns über sie hermachen. Lot ging
heraus zu ihnen vor die Tür und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nichts Böses den
Fremden!
Siehe,
ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich
herausgeben unter euch und tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern
tut nichts, denn sie sind unter den Schatten meines Daches gekommen.
Die
Engel-Männer griffen aber hinaus und zogen Lot herein ins Haus und schlossen
die Tür zu. Und sie schlugen die Leute vor der Tür des Hauses mit Blindheit,
sodass sie es aufgaben, die Tür zu finden.
Und
die Männer sprachen zu Lot: Hast du hier noch Verwandte? Die führe weg aus
dieser Stadt. Denn wir werden diese Stätte verderben.
Als
nun die Morgenröte aufging, drängten die Engel Lot zur Eile und sprachen:
Rettet euer Leben und seht nicht hinter euch. Da ließ der HERR Schwefel und
Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra Und Lots Frau sah hinter
sich und ward zur Salzsäule.
1.Mose 19
Es
kann ein Vulkanausbruch gewesen sein, mittels dessen die Städte Sodom und
Gomorra in Schutt und Asche fielen. Man verstand die Katastrophe als Strafe
Gottes für die sprichwörtlich gewordene sodomitische Unzucht und
Gotteslästerung. Wir tun recht daran,
Unglück mit unserem Tun in Verbindung zu bringen. Leben ist ja Konflikte lösen
und Unglück ist auch immer ein Lehrstück für Versagen und Bessermachen. Katastrophen sind ja immer
auch menschgemacht, jedenfalls wurden immer Warnungen überhört aus
Sorglosigkeit und Selbstsucht. Man
braucht nicht ein direkte Eingriffe Gottes ín die Geschichte anzunehmen, die
Menschheitsgeschichte ist auch so Gottes Geschichte mit den Menschen.
Boten
mit Vollmacht werden gesandt, um Lot und die Seinen zu retten. Die Boten werden
von Leuten aus Sodom angegriffen. Lot bietet seine Töchter als „Freiwild“ an,
die Gastfreundschaft war ihm den Verrat an den Töchtern wert. Frauenhandel und Kindesmissbrauch scheinen
üblich gewesen zu sein, um die patriarchalische Mannesehre zu sichern. Mag
sein, daß die Frau des Lot an den ungeweinten Tränen ihrer Mitwisserschaft
erstickte. Ihr Zurückschauen, ihr Gebanntbleiben von Vergangenheit wurde ihr
zum Verhängnis.
Kein Menschenopfer mehr
Gott
stellte Abraham auf eine fürchterliche
Probe. Er sprach: Abraham! Und der antwortete: Hier bin ich. Und er sprach:
Nimm Isaak, deinen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und
opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.
Da
stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei
Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf
und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.
Am
dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und
sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe
wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch
kommen.
Und
Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er
aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden
miteinander.
Da
sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin
ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das
Schaf zum Brandopfer?
Abraham
antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und
gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott
gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band
seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine
Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete.
Da
rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er
antwortete: Hier bin ich.
Er
sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß
ich, dass du Gott fürchtest und [a]hast deines einzigen Sohnes nicht verschont
um meinetwillen.
Da
hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit
seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum
Brandopfer an seines Sohnes statt.
Und
Abraham nannte die Stätte »Der Herr sieht«. Daher man noch heute sagt: Auf dem
Berge, da der Herr sieht.
1.Mose 22
Daß
Gott uns auf die Probe stellt, um unser Gottvertrauen auszuloten, das soll uns
unvorstellbar sein. Und doch sehen sich
Menschen in Versuchung geführt, sehen sich vor Entscheidungen gestellt, die
nicht unschuldig lassen. Die klären uns, zeigen unser wahres Gesicht, zunächst
uns selbst, dann auch den Mitmenschen und natürlich Gott, der um uns weiß.
Sicher hat Gott nicht von Abraham den Sohn abverlangt, um ihn zu testen.
Vielleicht haben Menschen sich mal so ausgeliefert gesehen wilden, herrischen
Göttern: Es waren ja Menschenopfer gang und gäbe, an Götter oder fürs Vaterland
oder den Familienclan. Jedenfalls ist dies die Geschichte von der Ablösung des
Menschenopfer durch das Tieropfer, wenn auch verpackt in einen schauerlichen
Befehl.
Israel
und viele andere Menschen in Verzweiflung nahmen „Vater Abraham“ zum Vorbild: Wenn Gott auch das Pfand seines
Versprechens uns aus der Hand windet, hat er doch Wege, seine Verheißung zu
erfüllen.
Eine Frau für Isaak
Abraham
war alt geworden, seine Sara war gestorben, er hat sie im Erbbegräbnis der
Höhle Machpela, östlich von Hebron, begraben. Überreich hatte ihn Gott
gesegnet.
Er
sprach zu seinem Großknecht Elieser: Du ziehst zu meiner Verwandtschaft und
nimmst meinem Sohn Isaak dort eine Frau; schwöre es.
Abraham
sprach zu ihm: Der HERR, der Gott des Himmels, der mich von meines Vaters Hause
genommen hat und von meiner Heimat, der mir zugesagt und mir auch geschworen
hat: Dies Land will ich deinen Nachkommen geben -, der wird seinen Engel vor
dir her senden, dass du meinem Sohn dort eine Frau nimmst. Wenn aber das
Mädchen dir nicht folgen will, so bist du dieses Eides ledig.
So
nahm der Knecht zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und zog hin und hatte
mit sich allerlei Güter seines Herrn und machte sich auf und zog nach
Mesopotamien, zu der Stadt Nahor.
1.Mose 24, 1-10
Abraham
lässt bei seiner Verwandschaft in seiner alten Heimat nach einer Frau für Isaak
suchen. Er scheint sich des Findens
sicher zu sein: Gott wird einen Engel vor dir hersenden. Traumhaft diese
sonnige Gewissheit, daß die Richtige schon da ist. Herrlich auch der Respekt
vor der Selbstbestimmtheit der Frauen: Wenn die Richtige aber nicht in die
Fremde mit will, dann ist dort nichts zu machen.
Wie sich die Richtige fand
Elieser
ließ die Kamele sich lagern draußen vor der Stadt bei dem Wasserbrunnen des
Abends um die Zeit, da die Frauen pflegten herauszugehen und Wasser zu
schöpfen.
Und
er sprach: HERR, du Gott Abrahams, lass es mir heute gelingen. Das erste
Mädchen das zum Wasserschöpfen kommt, und bereitwillig mir zu trinken gibt und
meinen Tieren, die sol mir gelten als
von Dir bestimmt.
Und
ehe er ausgeredet hatte, kam ein
Mädchen heraus, schön von Angesicht, und trug einen Krug auf ihrer
Schulter. Die stieg hinab zum Brunnen und füllte den Krug und stieg herauf. Und
Elieser bat sie um Wasser.
Und
sie sprach: Trinke, mein Herr! Und eilends ließ sie den Krug hernieder auf ihre
Hand und gab ihm zu trinken. Dann sprach sie: Ich will deinen Kamelen auch
schöpfen, bis sie alle genug getrunken haben.
Elieser
aber betrachtete sie und schwieg still, bis er erkannt hätte, ob der Herrgott
zu seiner Reise Gnade gegeben hätte. Dann
nahm er einen goldenen Stirnreif, sechs Gramm schwer, und zwei goldene
Armreifen für ihre Hände, hundertundzwanzig Gramm schwer,
und
sprach: Wessen Tochter bist du? Das sage mir doch!
Sie
sprach zu ihm: Ich bin Rebekka, die Tochter Betuëls, des Sohnes der Milka, den
sie dem Nahor, dem Bruders Abrahams geboren hat. Und Raum zur Herberge haben wir viel genug. Da neigte sich
Elieser und betete den Herrn an.
Das
Mädchen aber lief und sagte dies alles in ihrer Mutter Hause. Und Rebekka hatte
einen Bruder, der hieß Laban; und Laban lief zu dem Mann draußen bei dem
Brunnen. Und sprach: Komm herein, du Gesegneter des Herrn!
Und
man setzte ihm Essen vor. Er sprach aber: Ich will nicht essen, bis ich zuvor
meine Sache vorgebracht habe. Sie antworteten: Sage an! Und Elieser sagte von
Abraham, seines Herrn, Auftrag, daß er für den Sohn aus der Verwandschaft um
eine Frau werben solle und es habe sich gefügt, daß diese junge Frau vom Herrn
erwählt scheint, denn sie kam als erste zum Brunnen und stillte meinen Durst.
Da
antworteten Laban und Betuël und sprachen: Das kommt vom HERRN, darum können
wir nichts dazu sagen, weder Böses noch Gutes.
Da
ist Rebekka vor dir, nimm sie und zieh hin, dass sie die Frau sei des Sohnes
deines Herrn, wie Gott gesagt hat.
Am
Morgen aber sprach er: Lasst mich ziehen zu meinem Herrn,
haltet
mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu
meiner Reise gegeben. Da sprachen sie: Wir wollen das Mädchen rufen und fragen,
was sie dazu sagt.
Und
sie riefen Rebekka und sprachen zu ihr: Willst du mit diesem Manne ziehen? Sie
antwortete: Ja, ich will es.
Da
ließen sie Rebekka, ihre Schwester, ziehen mit ihrer Amme, samt Abrahams Knecht
und seinen Leuten. Und sie segneten Rebekka und sprachen zu ihr: Du, unsere
Schwester, wachse zu vieltausendmal tausend, und dein Geschlecht nehme die Tore
seiner Feinde ein.
So
machte sich Rebekka auf mit ihren Mägden, und sie setzten sich auf die Kamele
und zogen mit Abrahams Knecht davon.
1.Mose 24,11 – 61
Diese
freundliche Erzählung hat noch die
Anmut der orientalischen Märchenerzähler. Die wollen unterhalten und belehren. Erst später wurde die ursprünglich
selbstständige Geschichte in die Sammlung
der heiligen Schriften eingespannt. Spannend bleibt, wie Elieser
rausfindet, daß Gott Gnade zu seiner Reise gegeben hat. Erstens geht er davon
aus, daß er im Dienste des Herrn unterwegs ist. Und zweitens schlägt er Gott
ein Erkennungs-Schema vor. Er wagt, Gott festzulegen, um sich Kenntnis zu
beschaffen. Aber es bleibt die Freiheit Gottes gewahrt. Auch die Frau muß
zustimmen. Ihr sofortiges Mitgehen zeigt, daß auch die Frau, sich von Gott
auserwählt weiß und damit Geschichte nicht als
Leere sieht oder als klumpigen Haufen von Komplikationen. Geschichte
leuchtet hier auf als von Gottes
Willen und menschlichem Zutun
Geschichtetes.
Zwillinge und so verschieden
Isaak
nahm die Rebekka zur Frau und sie
gewannen sich lieb. Und Gott segnete sie. Und
Rebekka ward schwanger, es waren Zwillinge, die stießen sich schon im
Mutterleib.
Der
erste, der herauskam, war rötlich, ganz rau wie ein Fell, und sie nannten ihn
Esau.
Danach
kam heraus sein Bruder, der hielt mit seiner Hand die Ferse des Esau, und sie
nannten ihn Jakob (d.h. Fersenhalter). Esau wurde ein tüchtiger Jäger, ein Mann
der Natur. Jakob aber wurde ein Mensch
des Nachdenkens und der Häuslichkeit.
28
Und Isaak hatte Esau lieb, er aß gern von seinem Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob
lieb.
1.Mose 24,67; 25,1- 28
Von Abraham und Isaak zu Jakob führt der Segen
Gottes: Jakob wird zum Stammvater der zwölf
Söhne, aus denen die zwölf Stämme Israels entstammen. Wie verquer, wie
am seidenen Faden, wie wunderbar die
Geschichte Israels von Anfang an lief, das erzählte sich Israel in seinen
vielen bedrohten Zeiten: Es begann schon mit der langen Kinderlosigkeit des
Abraham. Verheißen war, daß aus ihm ein Volk wird, aber ein Volk fängt mit
zumindest einem Menschen an. Als der dann endlich kam, schien Gott ihn selbst
zurückzuverlangen. Dann wurde Isaak erwachsen, Der Segen sollte weitergehen,
aber schien schon bei den Zwillingen zu stocken. Schon im Mutterleib befehdeten
sie sich. Und die Eltern befehdeten sich wegen ihrer jeweiligen Lieblingen. Der
Segen der Väter steht dem Ältesten zu, hätte Gott den nicht gewollt, hätte er
ihn ja als Zweiten zur Welt kommen lassen können. Es scheint schon im
Mutterleib um die Rangfolge ein Wettrennen gegeben zu haben.
Für ein Linsengericht
Und
Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde
und
sprach zu Jakob: Lass mich essen das rote Gericht; denn ich bin müde.31 Aber
Jakob sprach: Verkaufe mir deine Erstgeburt, jetzt.
Esau
antwortete: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir da die Erstgeburt?
Jakob
sprach: So schwöre mir zuvor. Und er schwor ihm und verkaufte so Jakob seine
Erstgeburt. Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank
und stand auf und ging davon.
1.Mose 25, 29-34
Bis
heute ist Esaus verächtlicher Umgang mit einem hohen Gut sprichwörtlich. Da
stürmt dieser Raubautz ins Haus. Der Duft seiner Lieblingsspeise regt zur Gier
an, die sofort befriedigt sein will. Jakob macht sich diese Verrücktheit zu
Nutze, nimmt ihm den Eid ab, daß er als Ältester auf sein Erstgeburtsrecht
verzichtet. Vielleicht war ihm die Verheißung Gottes vom großen Volk eine
Nummer zu groß und erfühlte sich für die großen Pläne Gottes zu klein, wollte
wohl nicht ins Rampenlicht, wollte gern sein eigener Herr bleiben. Gott schien
ihn verstanden zu haben und ließ ihn auf andere Weise Karriere machen.
.
Jakob gewinnt mit List den Erstgeburtssegen
Und
dann, als Isaak alt geworden war und seine Augen zu schwach zum Sehen wurden,
rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn!. Geh aufs Feld
und jage mir ein Wildbret und mach mir ein Essen, wie ich’s gern habe, und
bring mir’s herein, dass ich esse, auf dass dich meine Seele segne, ehe ich
sterbe.
Rebekka
aber hörte diese Worte, ging zu Jakob, ihrem Sohn, und sprach: Tu, was ich dir
sage.
Geh
hin zu der Herde und hole mir zwei gute Böcklein, dass ich deinem Vater ein
Essen davon mache, wie er’s gerne hat. Das sollst du ihm hineintragen, dass er
esse, auf dass er dich segne vor seinem Tod.
Jakob
aber sprach zu seiner Mutter Rebekka: Siehe, mein Bruder Esau ist rau, doch ich
bin glatt; mein Vater könnte mich betasten, und ich würde vor ihm dastehen, als
ob ich ihn betrügen wollte, und brächte über mich einen Fluch und nicht einen
Segen.
Da
sprach seine Mutter zu ihm: Der Fluch sei auf mir, mein Sohn; verlass dich
auf mich. Da ging er hin und holte und
brachte es seiner Mutter. Die machte
ein Essen, wie es sein Vater gerne hatte.
Und
sie nahm Esaus Feierkleider und zog sie Jakob an. Und Felle von dem Zicklein tat sie ihm um seine Hände und wo er glatt
war am Halse. Dann gab sie das Mahl in
seine Hand. Er ging hinein zu seinem
Vater und sprach: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich. Wer bist du, mein
Sohn? Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn; Komm
nun, setze dich und iss von meinem Wildbret, auf dass mich deine Seele segne.
Isaak
aber sprach zu seinem Sohn: Wie hast du so bald gefunden, mein Sohn? Er
antwortete: Der Herr, dein Gott, bescherte mir’s. Da sprach Isaak zu Jakob:
Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du mein Sohn Esau bist oder
nicht. So trat Jakob zu seinem Vater Isaak. Und als er ihn betastet hatte,
sprach er: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und
sprach: Bist du mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin’s.
Da
sprach er: So bringe mir her, mein Sohn, zu essen von deinem Wildbret, dass
dich meine Seele segne. Da brachte er’s ihm und er aß; und er trug ihm auch
Wein hinein und er trank.
Und
Isaak, sein Vater, sprach zu ihm: Komm her und küsse mich, mein Sohn! Er trat
hinzu und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider und segnete ihn und
sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der
Herr gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der
Erde und Korn und Wein die Fülle. Völker sollen dir dienen, und Stämme sollen
dir zu Füßen fallen. Sei Herr über deine Brüder. Verflucht sei, wer dir flucht;
gesegnet sei, wer dich segnet!
Als
nun Isaak den Segen über Jakob vollendet hatte und Jakob kaum hinausgegangen
war von seinem Vater Isaak, da kam Esau, von seiner Jagd und machte auch ein
Essen und trug’s hinein zu seinem Vater und sprach zu ihm: Richte dich auf,
mein Vater, und iss von dem Wildbret deines Sohnes, dass mich deine Seele
segne.
Da
antwortete ihm Isaak, sein Vater: Wer bist du? Er sprach: Ich bin Esau, dein
erstgeborener Sohn. Da entsetzte sich Isaak über die Maßen sehr und sprach:
Wer? Wo ist denn der Jäger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem
gegessen, ehe du kamst, und hab ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.
Als
Esau diese Worte seines Vaters hörte, schrie er laut und wurde über die Maßen
sehr betrübt und sprach zu seinem Vater: Segne mich auch, mein Vater! Isaak
antwortete und sprach zu ihm: Ich habe ihn zum Herrn über dich gesetzt, und
alle seine Brüder hab ich ihm zu Knechten gemacht, mit Korn und Wein hab ich
ihn versehen; was soll ich nun dir noch tun, mein Sohn?
Esau
sprach zu seinem Vater: Hast du denn nur einen Segen, mein Vater? Segne mich
auch, mein Vater! Und er erhob seine Stimme und weinte. Da antwortete Isaak,
sein Vater, und sprach zu ihm: Von deinem Schwerte wirst du dich nähren, und
deinem Bruder sollst du dienen. Aber einst wirst du sein Joch von deinem Halse
reißen.
Und
Esau war voll Hass und sprach bei sich:
ich will meinen Bruder Jakob umbringen.
Das
wurden Rebekka hinterbracht. Und sie ließ Jakob warnen: Dein Bruder Esau droht
dir, dass er dich umbringen will. Mach dich auf und flieh zu meinem Bruder
Laban nach Haran.
1.Mose 27
Wie
Menschen falsch spielen können- dafür ist Rebekka ein Beispiel. Sie weiß, daß
sie Unrecht einfädelt und will den Fluch, wenn er denn käme, auf sich ziehen.
Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade- sagt man. Er nutzt unsere Taten
und Untaten. Besessene Mutterliebe fädelt das Schurkenstück ein, das nötig ist,
um den Vatersegen auf den Gottgewollten zu lenken. Wird Rebekka von Gott
verführt zum Unrecht? Wir müssen davon ausgehen, daß Rebekka tat, was sie
wollte. Und Gott damit machte, was er wollte.
Wir
sehen nicht. Uns bleibt nur die Hoffnung, daß vom Ende her das Geschehen seine
Rechtfertigung findet, das Ende die Auflösung aller Verwicklungen bringt.
Schon Esau wird im Laufe der Zeit seinen Frieden mit dem Dieb machen, auch weil
er lernt, daß Jakob nur tat, was er tun musste. Letztlich ist es doch Gott, der
zusammenfügt das Finden des innersten Wesens und das Eintreffen der äußeren
Zufälle.
Jakob schaut die Himmelsleiter
Jakob
machte sich auf nach Haran und kam an eine Stätte, die zum Übernachten einlud,
denn die Sonne war untergegangen. Und ihm träumte, eine Leiter stand auf Erden,
die rührte mit der Spitze an den Himmel, und Engel stiegen daran auf und
nieder.
Und
oben stand Gott und sprach: Jakob, ich bin der Gott Abrahams und Isaaks und
will auch dein Gott sein. Das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen
Nachkommen geben, die
sollen
zahlreich werden wie der Staub auf
Erden, und durch dich und deine Nachkommen soll die ganze Menschheit gesegnet
werden. Ich bin mit dir und will dich behüten und will dich nicht verlassen,
bis alles eingetroffen ist, was ich dir zugesagt habe.
Als
nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, schauderte ihn. In Ehrfurcht eingehüllt
sprach er: Hier ist ein Ort Gottes, hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob
nahm den Stein, auf dem sein Haupt geruht hatte, und richtete ihn auf und baute einen Altar. Er nannte die Stätte Bethel- Haus Gottes.
1. Mose 28, 10-21
Im
Traum die Leiter sehen, an denen die Engel auf und nieder steigen: Jakob sieht
sich in einer nicht enden wollenden
Verbindung zu Gott. . Engel bilden eine Art Räuberleiter (Peter Handke). Ihm
geschieht Verknüpfung Er beschafft sie nicht durch gute Taten oder
Geheimwissen. Gott setzt sich mit ihm in Verbindung, erwählt ihn, überschüttet
ihn mit Glücksverheißung. Und keiner geht darum leer aus, alle Welt
soll davon profitieren. Auch uns kann der Weg zum Himmel offen stehen.
Bedenk deine Bilder, in denen Gott sich dir nahte. Wo du leer vor Glück warst,
da warst du gottvoll.
Jakob findet Rahel
Jakob
ging weiter nach Osten. Nach langen Tagen kam er an einen Brunnen, Herden waren
versammelt und Hirten. Jakob sprach zu ihnen: Liebe Brüder, wo seid ihr her?
Sie antworteten: Wir sind von Haran.
Er
sprach zu ihnen: Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors? Sie antworteten: Ja, wir
kennen ihn. Er sprach: Geht es ihm auch gut? Sie antworteten: Es geht ihm gut;
und siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen.
Als
Jakob aber Rahel sah, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, trat er
hinzu und tränkte ihr die Schafe. Und er küsste Rahel und weinte laut.
Dann
sagte er, dass er ihres Vaters Verwandter wäre und Rebekkas Sohn. Da lief sie
und sagte es ihrem Vater. Als aber Laban hörte von Jakob, seiner Schwester
Sohn, lief er ihm entgegen und herzte und küsste ihn und führte ihn in sein
Haus. Da erzählte er Laban alles, was sich begeben hatte.
1. Mose 29,1-12
Der
Kranz der Jakobserzählungen ist hinreißend schön. Sie sind wahr. Sie sind
Menschheitswissen. Beglückend- wie aus der Flucht eine Brautschau wird. Der
Gottesliebling findet die richtige Frau, aber es sind zwei. Jakob tut instinktiv das für den guten Weg
Nötige- an der Meute der staunenden Hirten vorbei verschafft er der Richtigen
Vortritt zum Wasser, dann tränkt er das Vieh, was gemeinhin als Frauenarbeit
galt. Dann küsst er sie und jetzt erst stellt er sich als Verwandten vor. Er
geht mit großem Selbstbewusstsein zu Werke, er weiß sich mit Gott im Bunde und
nutzt diese Beziehung bedenkenlos.
Jakob dient um Lea und Rahel
Jakob
war schon einen Monat im Haus und hatte sich nützlich gemacht. Dann sprach Laban zu Jakob: Bleib hier, du machst gute
Arbeit. Sage, was willst du an Lohn
haben?
Laban hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere
Rahel. Aber Leas Augen waren ohne Glanz, Rahel dagegen war schön von Gestalt
und von Angesicht. –
Jakob
hatte Rahel schon liebgewonnen und sagte zu Laban: Ich will dir sieben Jahre um Rahel dienen. Laban antwortete:
Abgemacht. So diente Jakob um Rahel sieben Jahre, und es kam ihm vor, als
wären’s einzelne Tage, so lieb hatte er sie.
Und
nach sieben Jahren sprach er zu Laban:
Gib mir nun meine Braut; denn die Zeit ist da. Da lud Laban alle Leute des
Ortes ein und machte ein Hochzeitsmahl. Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea
und brachte sie zu Jakob; und sie
feierten die herrliche Hochzeitsnacht. Am Morgen aber, siehe, da war es
Lea.
Da
sprach Jakob zu Laban: Warum hast du mir das angetan? Habe ich dir nicht um
Rahel gedient? Laban antwortete: Es ist nicht Sitte in unserm Lande, dass man
die Jüngere weggebe vor der Älteren. Halte mit dieser die Hochzeitswoche, so
will ich dir die andere auch geben für den Dienst, den du bei mir noch weitere
sieben Jahre leisten sollst. Und so geschah es. Und er hatte Rahel lieber als
Lea.
1.Mose 29, 13-30
Unvorstellbar
für heutige Zeiten, wie Vater Laban
beide Töchtern an den Mann brachte. Aber die Mehrehe war (und ist) auch eine
soziale Institution, sie geschah sicher im Einverständnis der Frauen. Und Jakob
musste wohl zwei Frauen lieben um eben diese Kinder zur erden, die Gott genau
durch Jakob und seine Frauen zur Welt gebracht haben wollte.
Verzaubernd
die orientalischen Hochzeitsbräuche, die die Braut verhüllt sein lassen, bis es
zu spät ist für Rücktritt und Rückgabe. Hier steht auch eine der wohl schönsten
Liebeserklärungen überhaupt: Die sieben Tage Warten auf Rahel kamen ihm vor wie
nur ein paar Tage, so lieb hatte er sie.
Jakobs Kinder
Und
Lea wurde schwanger und schwanger. Sie gebar Ruben und Simeon,
Levi
und Juda, Issachar und Sebulon. Und die Tochter Dina. Die von ihrer Magd Silpa
geborenen Gad und Asser zählten auch als Leas Eigene. Rahel war lange
kinderlos. Die von ihrer Magd Bilha geborenen Dan und Naftali zählten als
Rahels Eigene, waren ihr aber nur ein schwacher Trost.
Dann
gedachte Gott der Rahel und erhörte sie und machte sie fruchtbar. Und sie wurde
schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von mir
genommen; und sie nannte ihn Josef und sprach: Wolle doch Gott mir noch einen Sohn dazugeben! Und sie
gebar noch Benjamin (35,16)
1.Mose 29,31-30,24
Dramatisch
hing früher Wohl und Wehe der
Frauenwürde von der Mutterschaft ab. Kinder galten als höchstes Gut des
Mannes. Darum wurde auch Jakobs Liebe
zu Rahel auf eine harte Probe gestellt. Er musste auch Lea lieben lernen, denn
„Kinder sind eine Gabe Gottes“ (Psalm 127,3)- die Mutter vieler Kinder galt als
vom Herrn gesegnet. Später gebar auch Rahel noch; Jakob und Benjamin wurden die Lieblingssöhne- und damit nimmt
der Streit zwischen den Brüdern seinen Lauf.
Uns will nicht in den Kopf, und braucht es auch nicht, daß Gott so
willkürlich mit der Zeugungs-und Gebärfähigkeit hantieren sollte. Unsere
Vorfahren im Glauben hatten eine andere Tendenz: Nicht sind wir Spielball
göttlicher Neigungen sondern: Gottes Wege sind wunderbar: Die Geliebte, Schöne
hat keinen Nachwuchs, die nicht so Schöne strahlt durch Kinder. So sind die
Gaben verschieden, aber es ist ein Geber. Und der hat in allem „die Hand im
Spiel“ – Ob der Zug wirklich abgefahren ist, weiß man erst am Ende.
Die
zwölf Söhne Jakobs gelten auch als die Gründungsahnen der zwölf Stämme
Israels.
Jakob kommt durch eine List zu Reichtum
Als
nun Rahel den Josef geboren hatte, sprach Jakob zu Laban: Lass mich zurück in mein Land gehen. Laban aber sprach zu
ihm: Bitte, bleib. Ich spüre, dass mich Gott segnet um deinetwillen. Bestimme
den Lohn, den ich dir geben soll.
Jakob
sagte: Du weißt, wie ich dir gedient habe und was aus deinem Vieh geworden ist
unter mir. Nun wird es Zeit, daß ich mich für mein Eigenes sorge.
Laban
sagte: Ich gebe dir viel.
Jakob
antwortete: Du sollst mir gar nichts geben; Lass mich machen, wie ich’s meine,
so will ich deine Schafe weiter hüten. Alle Schafe und Ziegen sind Deine, nur
das Gefleckte oder Schwarze soll mein
sein. Und Laban: Es sei, wie du gesagt
hast.
Und
Jakob nahm frische Stäbe von Pappeln, Mandelbäumen und Platanen und schälte
weiße Streifen daran aus, sodass an den Stäben das Weiße bloß wurde, und legte
die Stäbe, die er geschält hatte, in die Tränkrinnen, wo die Herden hinkommen
mussten zu trinken, dass sie da empfangen sollten, wenn sie zu trinken kämen.
So empfingen die Herden über den Stäben und brachten viel mehr Gesprenkelte,
Gefleckte und Bunte zur Welt. Daher wurde Jakob über die Maßen reich, sodass er viele Schafe, Mägde und Knechte,
Kamele und Esel hatte.
Da machte sich Jakob auf und lud seine
Kinder und Frauen auf die Kamele
und
führte weg all sein Vieh und alle seine Habe, die er in Mesopotamien erworben
hatte, dass er käme zu Isaak, seinem Vater, ins Land Kanaan.
Jakob
aber täuschte Laban damit, dass er ihm nicht ansagte, dass er ziehen wollte. So
glich sein Weggang eher einer Flucht.
Auch hatte Rahel den Hausgott ihres Elternhauses heimlich mitgehen lassen.
Laban
jagte mit einer Mannschaft Jakob nach-
und stellte sie am Gebirge Gilead.
Aber
Gott war zu Laban im Traum gekommen und sprach zu ihm: Hüte dich, mit Jakob
anders zu reden als freundlich. Laban
sprach zu Jakob: Warum bist du heimlich
geflohen und hast mich hintergangen und hast mir’s nicht angesagt, dass ich
dich geleitet hätte mit Freuden, mit Liedern, mit Pauken und Harfen? Und hast
mich nicht einmal lassen meine Enkel und Töchter küssen? Nun, du hast töricht
getan.
Und
wenn du schon weggezogen bist und sehntest dich so sehr nach deines Vaters
Hause, warum hast du mir dann aber meine Gottheit gestohlen?
Jakob
antwortete und sprach zu Laban: Ich fürchtete mich und dachte, du würdest deine
Töchter von mir reißen. Bei wem du aber deinen Gott findest, der sterbe Jakob
wusste aber nicht, dass Rahel ihn gestohlen hatte.
Da
ging Laban in die Zelte Jakobs und Leas und Rahels und fand nichts.
Rahel
aber hatte den Hausgott genommen und unter den Kamelsattel gelegt und sich
darauf gesetzt. Da sprach sie zu ihrem Vater: Ich kann nicht aufstehen vor dir, denn es geht mir nach der Frauen
Weise. Daher fand er den Hausgott nicht, wie sehr er auch suchte.
Nach
langem Hin und Her kamen sie
überein, einen Bund zu schließen mit
Gott als Zeugen: Und Laban sprach: Gott
wache als Späher über mir und dir, daß wir nicht in böser Absicht uns
aufsuchen. Und dass du meine Töchter nicht bedrückst oder andere Frauen
dazunimmst zu meinen Töchtern. Und sie aßen und gingen auseinander.
1.Mose 30,25-31,34
Warum
bedient sich Gott eines solchen
Gauners? Und schützt ihn auch noch vor dem gerechten Zorn? Wird damit Gott nicht
auch Handlanger von Hinterlist? Ja, doch. Es ist wohl so: Gott ist nicht nur
der Gute. Er ist der Ganze. Unter dem resoluten Singular „Gott“ bricht sich im
Menschenbewußtsein Bahn eine umfassende Energie. Die ist für alles zuständig,
aus ihr kommt auch das von Menschen Vergewaltigte und Missbrauchte. Der
durchtrieben Jakob mästet sich an fremdem Gut, damit er dann Vater vieler
werden kann und selbst viele ernährt.
Gott ist ja ins Werden der Welt eingefleischt und ins Werden dieser
Familensaga hineingebunden, er ist auch auf leidvolle Weise an die Hybris von
Menschen gefesselt, eben weil er liebt, auch die Gauner.
Wie Jakob dem Esau die Wut abkauft
Am
Morgen aber stand Laban früh auf, küsste seine Enkel und Töchter und segnete
sie und zog hin in seine Heimat. Auch
Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes. Er betete: Gott meines Vaters Abraham und
Gott meines Vaters Isaak, Du hast gesagt: Ich will dir wohltun und deine
Nachkommen machen wie den Sand am Meer, den man der Menge wegen nicht zählen
kann. Nun aber ist mein Bruder Esau mir entgegen, mich und die meinen
umzubringen; rette mich Herr.
Und
er blieb die Nacht da und bereitete von dem, was er erworben hatte, Geschenke
vor für seinen Bruder Esau:zweihundert
Ziegen und dreißig säugende Kamele mit ihren Füllen, vierzig Kühe und zehn
junge Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Esel. Und beauftragte seine Knechte:
Geht
vor mir her und lasst Raum zwischen den
Herden.
Und
sagte dem ersten Knecht: Wenn dir mein
Bruder Esau begegnet und dich fragt: Wessen Eigentum ist das, was du vor dir
hertreibst? sollst du sagen: Es gehört deinem Knechte Jakob, der sendet es als
Geschenk seinem Herrn Esau und zieht hinter uns her. Ebenso gebot er auch dem
zweiten und dem dritten und allen, die den Herden nachgingen, und sprach: Wie
ich euch gesagt habe, so sagt zu Esau, wenn ihr ihm begegnet, und sagt ja auch:
Siehe, dein Knecht Jakob kommt hinter uns.
Denn
er dachte: Ich will ihn versöhnen mit dem Geschenk, das vor mir hergeht. Danach
will ich ihn sehen; vielleicht wird er mich annehmen. So ging das riesige
Geschenk vor ihm her; er aber blieb diese Nacht im Lager.
1.Mose 32,1-22
Nach
wohl zwanzig Jahren wagt Jakob die Rückkehr. Und er rechnet damit, daß Esaus
Wut über die Segenprellerei noch frisch sei wie am ersten Tag. Jakob fleht zu
Gott, der möge ihm beistehen gegen seinen Bruder. Und gleichzeitig ist er
höchst geschickt, seinen Bruder gnädig zu stimmen. Er schickt raffiniert
gestaffelt Berge von Geschenken- in der Hoffnung, daß Esau erschöpft vom Staunen
für die Rache schlicht zu müde sei.
Diese doppelte Vorsorge: Gott bitten und sich selbst mühen, schlägt sich auch
in einem Bildwort aus unserer Zeit nieder: Bete zu Gott aber fahre fort, ans
andere Ufer zu rudern.
Gesegnete hinken
Jakob
stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und
seine elf Söhne und die Töchter und zog an die Furt des Jabbok,
und
führte sie über das Wasser, sodass hinüberkam, was er hatte,
Er
aber ging noch mal allein zurück.
Da
rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als er sah, dass er ihn
nicht niederringen konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das
Hüftgelenk Jakobs blieb verrenkt.
Und
er sprach noch dringlicher : Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber
Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
Er
sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr
Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft
und hast gewonnen. Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannte die Stätte
Pnuël: Ort, da ihm die Sonne aufging.
1. Mose 32, 23-33
Jakob
brachte seine Familie und seine Habe ans andere Ufer, ging aber noch mal
zurück, wollte wohl an der Schwelle zur Zukunft noch mal im Gebet stille sein
und nächtigte allein.
Ein
Flussgott soll mit ihm gerungen haben, Jakob weiß selbst nicht, wer genau; nur
spürt er, daß es Segenskräfte sind, die Hand an ihn legen. Es ist eine heilende
Energie, die er nicht fahren lassen darf- er muß kämpfen um sein Glück. Er
bekommt Schläge, er wir zukünftig hinken- aber er will von Gott nicht lassen.
Er verkrallt sich richtig in das
Gegenüber, presst ihm den Segen ab.
Dann- als ihm die Sonne aufging- ist er getauft auf seinen neuen Namen:
Gotteskämpfer. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“-kann auch stehen
für einen lebenslangen Kampf um das Gute oder um Gewissheit oder um Gottes-und
Selbsterkenntnis.
Jakobs Versöhnung mit Esau
Dann
war es soweit- Jakob sah in der Ferne seinen Bruder Esau kommen mit vielen
Männern. Da stellte er seine Frauen und Kinder auf und sich davor und sie
gingen Esau entgegen, immer wieder sich bis zur Erde beugend. Esau aber lief
ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn und sie
weinten.
Und
Esau sprach: Du hast mir Herden entgegen geschickt, was soll das? Er
antwortete: Ich möchte so gern Gnade finden vor meinem Herrn - ich sah dein
Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich
angesehen.
So
nimm doch diese Segensgabe –er nötigte
ihn, dass er sie nahm. So zog Esau an jenem Tage wiederum seines Weges nach
Seïr. Jakob aber siedelt sich bei Sichem an.
Er
kaufte das Land um hundert Goldstücke und errichtete dort einen Altar und betete an.
1. Mose 33
Hinreißend,
wie Jakob seine Familie als Schlachtreihe aufbaut. Er will dem Esau die noch
vorhandene Wut abkaufen, will sein Gesegnetsein ihm vorführen. Er will Esau vor
Augen führen, daß er es mit einem Schützling Gottes zu tun hat. Gleichzeitig
hofiert er Esau gleichermaßen als einen
Günstling des Herrn, macht ihm geradezu ein atemberaubendes Kompliment: Nicht
nur nähert er und seine Familie sich mit Kniefall, sondern er nimmt sein
Antlitz als Spiegel Gottes. Er nimmt Esau in die Haftung für Gottes
Freundlichkeit. So kann Esau gar nicht
anders als seinem Bruder vergeben.
Um
Esau freundlich zu stimmen, hätte es der
vorauseilende Unterwürfigkeit Jakobs nicht bedurft. Esau weiß seinen
eigenen Weg. Und kann darum leichten Herzens vergeben.
Jakob hatte Josef lieber
Jakob
aber wohnte im Lande, in dem sein Vater ein Fremdling gewesen war, im Lande
Kanaan. Er wohnte dort mit seinen Söhnen und deren Familien und sie hüteten die
großen Herden. Josef war siebzehn Jahre
alt und war auch ein Hirte bei den Schafen, doch er brachte vor ihren Vater,
wenn es etwas Schlechtes zu reden gab. Jakob-Israel aber hatte Josef lieber als
alle seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war, und machte ihm ein edles
Kleid.
Die
Brüder aber konnten ihm kein freundliches Wort sagen. Und als Josef einmal
einen Traum hatte und ihn seinen Brüdern erzählte; da wurden sie ihm noch mehr
Feind.
1. Mose 37,1-5
Der
große Bogen der Geschichten von Josef und seinen Brüdern ist ein Meisterstück
antiker Erzählung. Die 13 Kapiteln des 1. Mosebuches nahm Thomas Mann zur Basis
für seinen dreibändigen genialen Roman: Joseph und seine Brüder. Josef wird der
Retter des kleinen Gott verehrenden Stammes.- Aber wieder sind es menschliche
Schwächen, die den Weg zur Größe gefährden und begleiten. Unheilvoll bevorzugt
der alte Jakob den (zunächst )einzigen Sohn seiner über alles geliebten Rahel.
Josef geht gekleidet in „einem bunten Rock“- vielleicht aus ihrem
Hochzeitskleid geschneidert- dies dichterische Phantasie des Th. Mann.
Jedenfalls setzt der Vater ihn als Informant über die Ungehörigkeiten der
Brüder ein. Josef bekommt früh
beigebracht, sich für was besseres zu halten, dem auch mehr an tiefen Erfahrungen und Ehrerbietung zustehe.
Traumtänzer
Josef
sprach zu seinen Brüdern: Hört doch, was mir geträumt hat.
Siehe,
wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand,
aber eure Garben stellten sich ringsumher und neigten sich vor meiner Garbe.
Da
sprachen seine Brüder zu ihm: Willst du unser König werden und über uns
herrschen? Und er erzählte ihnen noch einen zweiten Traum; siehe, die Sonne und
der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.
Seine
Brüder hassten ihn der Träume wegen. Sein
Vater aber nahm ihn sich vor: Was ist das für ein Traum, den du geträumt
hast? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und vor dir
niederfallen?
1. Mose 37,6-10
Dem
Josef drängte sich in Träumen seine hervorragende Stellung auf. Gott werde viel
vorhaben mit ihm- so musste er die Träume verstehen. Ja, Josef bekommt schon
das Ergebnis der kommenden Erkenntnisabenteuer zu Gesicht- geradezu
überrealistisch sinnlich wird sein kleines Ego aufgebaut: Einst wird man ihm zu
Füßen liegen. Der Leser bangt mit, ob Josef die Hervorhebung ohne Hochmut
bestehen wird. Aber daß er seine Träume rausposaunt, statt sie in sich reifen zu
lassen, bedeutet nichts Gutes.
Die Brüder hassen ihn
Wieder
einmal sprach Jakob zu Josef: Geh hin nach Sichem zu deinen Brüdern und sieh,
ob’s gut steht um sie und das Vieh, und
sage mir dann, wie sich’s verhält.
Als
sie ihn von ferne kommen sahen, sprachen sie untereinander: Seht, da kommt der
Träumer! Wir werden ihn uns vom Halse schaffen; wir sagen, ein böses Tier habe
ihn gefressen; so wird sich zeigen, was seine Träume wert sind.
Ruben
aber sprach zu ihnen: Vergießt nicht Blut, sondern werft ihn in die nächste
Zisterne! Er wollte ihn aus ihrer Hand erretten und ihn seinem Vater
wiederbringen. Als nun Josef zu seinen Brüdern kam, griffen sie ihn, zogen ihm
seinen Rock aus und warfen ihn in einen
Brunnen, der gerade kein Wasser hatte.
Und sie setzten sich nieder, um zu essen.
1. Mose 37,12-24
Josef
wird von den Brüdern zum Abstieg in den
Brunnen gezwungen- und dann setzen die sich wie nach getaner Arbeit zum Essen
nieder. Ihr Grölen wird noch lange dem Josef in den Ohren liegen, es dürstet
ihn, er ist hungrig, er friert, er weint- aus den Träumen wird’s nichts werden,
er wird seine Träume verfluchen. Oder aber die halten ihn aufrecht, stärken ihn
wie ein Pfand. Er hatte ja schon viel von der Verheißung gehört , die von
Abraham über Isaak zu Jakob gekommen war und jetzt doch bitte Gestalt gewinnen
sollen in ihm.
Josef
ist gewiß, daß er in Gottes Plänen eine wichtige Rolle zu spielen habe. Und so
kann es nicht schon mit ihm aus sein, sein Leben fängt doch gerade an zu
sprießen. Vielleicht legt ihn Gott in ein Grab, wie eine Raupe in eine Puppe,
ehe sie zum Schmetterling wird. Nachts sieht Josef den gestirnten Himmel über
sich und redet sich in Gott hinein und in den Schlaf, bis er Stimmen hört.
Verkauf nach Ägypten
Irgendwann
sahen die Brüder eine Karawane von Ismaelitern kommen mit ihren Kamelen; die
trugen kostbares Harz, Balsam und Myrrhe und zogen hinab nach Ägypten.
Da
sprach Juda zu seinen Brüdern: Was hilft’s uns, dass wir unsern Bruder töten?
Lasst
uns ihn den Händlern verkaufen, dann vergreifen sich unsere Hände nicht an ihm
- er ist doch unser Bruder, unser Fleisch und Blut. Und sie gehorchten ihm und
verkauften Josef
für
zwanzig Silberstücke nach Ägypten.
Dann
nahmen sie Josefs Rock und schlachteten einen Ziegenbock und tauchten den Rock
ins Blut und ließen seine Kleider ihrem
Vater bringen und sagen: Dies haben wir gefunden; sieh, ob’s deines Sohnes
Sachen sind oder nicht. Jakob erkannte
die Sachen und schrie Es ist meines Sohnes Rock; ein böses Tier hat ihn
gefressen, ein reißendes Tier hat Josef zerrissen! Und Jakob zerriss seine
Kleider und trug Leid um seinen Sohn lange Zeit.
Aber
die Midianiter verkauften ihn in Ägypten an Potifar, des Pharao Kämmerer und
Obersten der Leibwache.
1.Mose 37,25- 36
Wie
sich Schicksal fügt. Aber wir sind Ruderer, wir fahren mit dem Rücken zur
Zukunft. Erst im Nachhinein weist sich, wie notwendig diese, gerade diese Wege
waren. Josef wusste in der Brunnentiefe nicht, was wird. Er konnte sich nur
nicht denken, daß das alles gewesen sein soll. Auch Vater Jakob konnte es nicht
glauben, daß Josef tot, aus und vorbei sei. Im tiefsten Winkel seines Herzens
gab es eine Aussicht. Aber unter tiefer Trauer über Jahre war diese Hoffnung
nur ein Flämmchen und keine Ahnung.
Die
Brüder handeln verbrecherisch in ihrem Bruder. Wer, wenn nicht Geschwister,
sind einander zur Hilfe gedacht? Doch „Scham macht Männer zu Gaunern“ R.Musil).
Die Brüder sehen sich gedemütigt durch den Hochmut des Einen. Das erklärt
nichts, aber macht es verstehbar.
Eine traurige Geschichte
Und
Juda gab seinem ersten Sohn namens Er eine Frau, die hieß Tamar. Der Mann
starb, ohne Kinder zu hinterlassen. Tamar tat, was damals üblich war: Sie bat
ihren Schwager, seinem toten Bruder Nachkommen zu zeugen. Er schlief auch mit
ihr, zog sich aber zurück, sodaß sie nicht schwanger werden konnte. Das
missfiel Gott und er ließ ihn auch sterben.
1.Mose 38, 6-10
In
jener alten Zeit war Kinderzeugen ein Dienst am Volk. Darum gehörte es sich
nicht, daß die Witwe kinderlos blieb. Sie hatte geradezu ein Recht auf Nachwuchs
aus der Sippe des verstorbenen Mannes. Diese und andere Sitten und Ordnungen
galten als gottgegeben. Damit ist nicht
gesagt, daß Gott diese Anordnug getroffen und den Vollzug verlangt hätte. Damit ist nur gesagt, daß
die Menschen damals ihre Gesetze als vom Himmel diktiert hielten. In unserer Zeit die Onanie als von Gott
verboten zu erachten, ist absurd.
Männer
Viele
Tage waren verlaufen im Leben der Witwe Tamar. Da starb Judas Frau. Und nachdem
Juda ausgetrauert hatte, ging er hinauf, seine Schafe zu scheren nach Timna.
Da
wurde der Tamar gesagt: Siehe, dein Schwiegervater geht hinauf nach Timna.
Da
legte sie die Witwenkleider ab, verhüllte sich mit einem Schleier und setzte
sich vor das Tor an dem Wege nach Timna.
Als
Juda sie nun sah, meinte er, es wäre eine Hure- sie hatte auch ihr Angesicht
verdeckt.
Und
er ließ sich mit ihr ein, nicht wissend, dass es seine Schwiegertochter war.
Sie antwortete: Was willst du mir geben, dafür, daß du zu mir kommen darfst?
Er
sprach: Ich werde dir einen Ziegenbock senden. Sie antwortete: So gib mir dein
Siegel zum Pfand, bis ich ihn habe. Da
gab er’s ihr und kam zu ihr; und sie ward von ihm schwanger.
Später
sandte Juda den Ziegenbock durch seinen Freund von Adullam, damit er das Pfand
zurückhole von der Frau. Doch Adullam kam zurück zu Juda und sprach: Ich habe
sie nicht gefunden; dazu sagen die Leute des Ortes, es sei keine Hure da
gewesen. Juda sprach: Sie mag’s behalten, damit wir nur nicht in Verruf
geraten! Siehe, ich habe den Bock gesandt, und du hast sie nicht gefunden.
Nach
drei Monaten wurde Juda angesagt: Deine Schwiegertochter Tamar hat Hurerei
getrieben; und siehe, sie ist davon schwanger geworden. Juda sprach: Führt sie
heraus, dass sie verbrannt werde. Und als man sie hinausführte, schickte sie zu
ihrem Schwiegervater und sprach: Von dem Mann bin ich schwanger, dem dies
gehört. Juda erkannte sein Siegel und sprach: Sie ist gerechter als ich. Und
bekannte sich zu seiner Vaterschaft.
1. Mose 38, 11-26
Eine
der Geschichten, um deretwillen das Alte Testament im üblen Ruf steht- völlig
zu Unrecht. Das Alte Testament ist
herrlich ehrlich- also auch ein Abbild unserer menschlichen Schwächen. Und betont , daß Gott sich einlässt auf
genau diese verruchten und geschickten Menschen. Die Witwe weiß sich ihrem
verstorbenen Gatten zum Erhalt der Familienehre durch Nachwuchs verpflichtet.
Und erwirkt sich die Schwangerschaft durch List. Der Mann, der die Hure
besuchte, spricht sie unter dem Siegel der Anonymität des Todes schuldig. Dann
weist aber sie das Siegel vor, das der Freier als Pfand zurückließ. Beschämt
bekennt Juda seine Verfehlung. Und setzt Tamar in ihre Rechte ein.
Es
ist eine der Geschichten, die den Männern beibringen, daß sie die Frau zur Hure
machen. Die Frau zu bestrafen, als wäre der Mann das Opfer geht nicht mehr. Es
ist ein hohes Gut des Gottesglaubens,
daß diese Ehrung der Tamar geschrieben blieb, obwohl es den Stammvater
des großen jüdischen (Nord)Reiches in schlechtem Licht zeigt.
Ein Mensch, dem alles glückte
Josef
wurde hinab nach Ägypten geführt. Der Haushalter des Pharao mit Namen
Potifar, kaufte ihn von den
Ismaelitern. Und Gott war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles
glückte.
Und
sein Herr sah, dass Gott mit ihm war; und er setzte ihn über sein Haus; und
alles, was er hatte, tat er unter seine Hände. Und kümmerte sich, da er ihn
hatte, um nichts außer um das, was er aß und trank. Aber Josef war schön an
Gestalt und hübsch von Angesicht.
So
geschah es, daß, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Josef warf und sprach: Liebe
mich.
Er
weigerte sich aber und sprach zu ihr: Siehe, mein Herr hat mir nichts
vorenthalten außer dir, weil du seine Frau bist. Wie sollte ich denn nun ein
solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen? Sie aber bedrängte Josef
tagtäglich mit heißen Worten. Aber er blieb stark und war ihr nicht zu
Willen.
Eines
Tages war kein Mensch sonst im Haus. Und sie schnappte sich ihn und sprach:
Komm jetzt! Aber er ließ sein Oberkleid in ihrer Hand und floh zum Hause
hinaus.
Da
war sie so sehr gekränkt, daß sie auf Rache sann.
Sie
rief die Leute zusammen und sprach zu ihnen: Der hebräische Mann wollte mich
vergewaltigen. Ich aber rief mit lauter Stimme, so floh er –sein Gewand hielt
ich fest. Da ist es. Und sie legte sein Kleid neben sich, bis sein Herr heimkam,
Als
sein Herr nach Hause kam und die Anklage
seiner Frau hörte, wurde er sehr zornig.
Sein
Herr nahm ihn und warf ihn ins Gefängnis, in dem des Königs Gefangene waren.
1. Mose 39,1-20
Daher
ja das Wort vom keuschen Josef. Er wollte einfach das Vertrauen seines Herrn
nicht ausnutzen. Eigentlich reicht in heiklen Situationen das einfache Wort
„nein“ und jeder vernünftige Mensch stellt bei handfester Klarheit das Werben
ein. Josef als Glückskind wird sich noch oft bewähren müssen. Wem viel
anvertraut ist, dem wird viel abverlangt (Lukas 12,48). Auch die Gnade hat
ihren Preis.
Josef
hat auch im Gefängnis Glück
Aber
Gott war mit Josef und neigte die Herzen ihm zu. Auch das Vertrauen des Gefängnis-Vorstehers gewann er schnell ,
bald waren ihm alle Gefangenen unterstellt und ohne sein Wort passierte gar
nichts. Es geschah aber, dass sich der Mundschenk des Königs von Ägypten und
der Oberste Bäcker versündigten an ihrem Herrn. Und der Pharao ließ sie ins
Gefängnis werfen, wo Josef auch war. Und es träumte ihnen beiden Träume voller
Bedeutung. Und sie erzählten Josef ihre Träume. Bald darauf kamen sie frei- was
Josef aus den Eingebungen entnommen und ihnen in Aussicht gestellt hatte.
1.Mose 39,21-22; 40, 1-5
Verfasser
dieses wunderbaren Erzählreigens sehen den Verlauf der Geschichte normal
ablaufen. Keine Gottheit greift mit Blitz und Donner von außen ein, wie man
sich in grauer Vorzeit etwa des Geschickes Mächte gewalttätig vorstellte. Hier
in der vergleichsweise modernen Novelle ist Josef von guten Mächten wunderbar
geborgen. Hinter den Kulissen ahnt man einen „guten Vater“, der langfristig die
guten Energien stärkt und die bösen Kräfte schwächt.
Gott
neigte dem Josef die Herzen zu. Ist das nicht das Geheimnis aller Sympathie,
alles Charmes- das sie nicht erklärlich sind, sondern Zuneigung wird von
höheren Ortes verfügt, sie zählen zu den Rohstoffen des Herzens und sind
eigentlich Gemeineigentum. Warum auch niemand sich etwas einbilden sollte auf
die Zuneigung, die er findet.
Josef deutet den Mitmenschen Träume- wir sollten damit sehr behutsam sein. Am
besten kann man ja seine Träume selber deuten, wenn man nur hinfühlt und achtet
auf die im Traum vorweggenommene Entschlossenheit.
Josef fällt nach oben
Und
nach zwei Jahren hatte der Pharao einen Traum, der ihn furchtbar berührte. Er
ließ alle Wahrsager in Ägypten rufen und alle Weisen und erzählte ihnen seine
Träume. Aber da war keiner, der sie dem Pharao deuten konnte.
Da
redete der oberste Mundschenk zum Pharao und sprach: Ich muss heute an meine
Sünden denken: Als der Pharao mich mit dem obersten Bäcker ins Gefängnis legte,
da träumte uns beiden in einer Nacht einem jeden sein Traum. Es war bei uns ein
hebräischer Jüngling, des Amtmanns Knecht, dem erzählten wir’s. Und er deutete
uns unsere Träume. Und wie er uns deutete, so ist’s gekommen.
Da
sandte der Pharao hin und ließ Josef rufen, und sie holten ihn eilends aus dem
Gefängnis. Er ließ sich frisieren und zog andere Kleider an und kam hinein zum
Pharao.
Da
sprach der Pharao zu ihm: Ich habe einen Traum gehabt und es ist niemand, der
ihn deuten kann. Ich habe aber von dir sagen hören, wenn du einen Traum hörst,
so kannst du ihn deuten.
Josef
antwortete dem Pharao und sprach: Das steht nicht bei mir; doch lege sie dar.
1.Mose 41,1-16
Die
Erzählung von Josef, der die Träume des
Pharao deutet, nimmt einen langen Anlauf. Weit ist der Umweg übers Gefängnis,
doch „es gibt keine Zufälle“. Josef musste dorthin, weil Jahre vorher dort ein
Probelauf in Traumdeutung ihm abverlangt wurde. Daraufhin konnte später der
Mundschenk sich an den Kundigen erinnern.
Gott
gestaltet Geschichte mit großer Übersicht. Von langer Hand wird die Rettung in
die Wege geleitet. Dabei muß nicht jeder Schritt einzeln von Gott konstruiert
sein, die Allmacht ist auch wirksam,
indem sich die Dinge selber machen. Einer hat seinen Traum gut gedeutet
bekommen, vergisst dieses Wunder undankbar, aber zur rechten Zeit erinnert er
sich und kann die Fügung weiter anschieben.
Die fetten und die mageren Kühe
Der
Pharao sprach zu Josef: Mir träumte, ich stand am Ufer des Nils und sah aus dem
Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase.
Nach ihnen stiegen sieben dürre, sehr hässliche und magere Kühe heraus und
fraßen die sieben fetten Kühe.
Und
ich sah noch einen andern Traum: Ich sah sieben Ähren auf einem Halm wachsen,
voll und dick. Danach gingen auf sieben dürre Ähren, dünn und versengt. Und die
sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben dicken Ähren.
Und
die Wahrsager können’s mir nicht deuten.
Josef
antwortete dem Pharao: Die sieben schönen Kühe und die siebenguten Ähren sind
sieben gute Jahre fetter Ernten. Die sieben mageren Kühe und die sieben
versengten Ähren stehen für sieben Jahre des Hungers. In beiden Träumen
verkündet Gott dem Pharao, was er vorhat: Nach sieben Jahre Fülle wird sieben Jahre Hunger über Ägypten
kommen.
Nun
suche der Pharao einen verständigen und
weisen Menschen, den er über Ägyptenland setze. Der sorge dafür, dass er
Amtleute verordne im Lande und nehme den fünften Teil in Ägyptenland in den
sieben reichen Jahren und lasse sie sammeln den ganzen Ertrag der guten Jahre,
die kommen werden, dass sie Getreide aufschütten in des Pharao Kornhäusern zum
Vorrat in den Städten und es verwahren. Damit für Nahrung gesorgt sei für das
Land.
Und
der Pharao sprach zu Josef: Weil dir Gott dies alles kundgetan hat, ist keiner
so verständig und weise wie du. In keinem der Geist Gottes wie in dir.
Du
sollst über mein Haus sein; Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt.
Und er tat seinen Ring ab von seiner Hand und gab ihn Josef an seine Hand und
kleidete ihn mit kostbarer Leinwand und legte ihm eine goldene Kette um seinen
Hals
und
ließ ihn auf seinem zweiten Wagen fahren und ließ vor ihm her ausrufen: Der ist
des Landes Vater! Und setzte ihn über ganz Ägyptenland. Und Josef war dreißig
Jahre alt.
1.Mose 41,17-46
Prophezeiende
Wahrträume geschehen. Verstehende Menschen nehmen sie als Wink des Schicksals,
Vorkehrungen zu treffen. Träumend schärfen sich mir die Sinne für Nötiges. Zu
Gesicht gebracht wird mir möglicherweise Kommendes.
Wir
sind zuständig im Rahmen unserer Kräfte. Da steht es in eines Regierenden
Pflicht, vorausschauend vorzusorgen. Aber eine so klar umrissene Prognose ist
Gnade, ebenso Wissende zu finden für verantwortliches Handeln. Die richtigen
Dinge zu tun, lehrte Josef. die Dinge richtig zu tun, wurde Josef aufgegeben.
Alles
zieht unablässig und miteinander verkettet weiter, die einen Dinge reißen die
anderen mit, und alle wissen sie nichts voneinander. Doch letztlich ist es,
damit Sein Wille geschehe.
Josefs der Ernährer
Und
das Land trug in sieben reichen Jahren die Fülle, brachte Getreide wie Sand am
Meer. Und Josef ließ sammeln die ganzen Ernten der sieben Jahre des Überflusses
und verwahrte sie in Kornhäusern.
Und
Josef und seiner Frau Asenat wurden zwei Söhne geboren: Manasse- das heißt:
Gott hat mich vergessen lassen all mein Unglück, und Ephraim- das heißt: Gott
hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends.
Als
nun die sieben reichen Jahre um waren im Lande Ägypten, da fingen die
Hungerjahre an, auch in den Ländern ringsum.
Als nun ganz Ägyptenland Hunger litt, schrie das Volk zum Pharao um
Brot. Da tat Josef die Kornhäuser auf und verkaufte den Ägyptern; und der
Hunger wurde je länger je größer im Lande. Und alle Welt litt Hunger und sie
kamen nach Ägypten, um bei Josef zu kaufen.
1. Mose 41, 47-57
Josefs
Blick in die Geschichte beschaffte dem Pharao unermesslichen Reichtum, die
Bevölkerung aber verarmte. Ganz Ägypten geriet in die Leibeigenschaft. Dank
Josefs Strategie des Hortens in den Zeiten des Überschusses, konnte er bei
Anziehen der Nachfrage nach Belieben den Preis anheben, auch die Ware
verknappen. Und immer mehr mussten die Menschen geben, um immer weniger, aber
doch wenigstens das Nötigste bekommen zu können.
Hier
wird zum ersten mal Kapitalismus im
großen Stil betrieben. Einer hat die bessere Information und das Startkapital
und den festeren Willen, die Zukunft mit zugestalten. Einer häuft Reichtum
–also Gestaltungsmöglichkeit- an, andere verarmen. Sicher eine fragwürdige Art
des Umgangs mit Menschen, den Gott da fördert. Immerhin entstehen so
Völkerzusammenschlüsse, Austausch, Handel, Wandel. In Ägypten geschah eine
Blüte der Menschheit an Geist, Religion und Kunst. Und das Volk und vor allem auch Israels Ursprungsfamilie überlebte.
Erste Reise der Brüder
Auch
in Kanaan und in Sichem bei Jakobs Familie
wurden die Mittel knapp. Es hatte sich aber rumgesprochen, daß in
Ägypten Getreide noch zu haben sei. So sprach er zu seinen Söhnen: Was sitzt ihr
hier und macht lange Gesichter; zieht hinab und kauft uns Getreide, dass wir
leben und nicht sterben.
Da
zogen Brüder Josefs los um in Ägypten Getreide zu kaufen. Aber den Benjamin,
Josefs kleinen Bruder, ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern ziehen, aus Sorge,
es könnte ihm ein Unglück beschehen.
So
kamen die zehn Söhne Jakobs mit andern aus ihrer Heimat nach Ägypten. Josef
leitete auch den Verkauf und gewahrte seine Brüder schon von ferne. Sie fielen
dann vor ihm nieder zur Erde auf ihr Antlitz- Er erkannte sie, aber sie
erkannten ihn nicht.
Er
stellte sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen: Woher kommt ihr? Sie
sprachen: Aus dem Lande Kanaan, Getreide zu kaufen. Er verdächtigte sie: Spione
seid ihr und seid gekommen zu sehen, wo das Land offen ist.
Sie
antworteten ihm: Nein, Herr! Deine Knechte sind gekommen, Getreide zu kaufen.
Wir
sind alle eines Mannes Söhne; redlich und keine Spione. Wir, deine Knechte,
sind zwölf Brüder, eines Mannes Söhne im Lande Kanaan, und der jüngste ist noch
bei unserm Vater, und einer ist nicht mehr vorhanden.
Josef
sprach zu ihnen: Und doch seid ihr Spione. Aber ich will euch prüfen: So wahr der Pharao lebt: Ihr sollt nicht von
hier wegkommen, es komme denn her euer jüngster Bruder!
Sendet
einen von euch hin, der euren Bruder hole, ihr aber sollt gefangen sein. Und
sie
gingen
darauf ein.
Sie
sprachen aber untereinander: Das haben wir an unserem Bruder verschuldet! Denn
wir sahen die Angst seiner Seele, als er uns anflehte, und wir wollten ihn
nicht erhören; darum kommt nun diese Trübsal über uns. Nun wird sein Blut von
uns gefordert.
Sie
wussten aber nicht, dass es Josef verstand; denn er redete mit ihnen durch
einen Dolmetscher. Und er wandte sich von ihnen und weinte.
Als
er sich nun wieder zu ihnen wandte und mit ihnen redete, nahm er aus ihrer
Mitte Simeon und ließ ihn binden vor ihren Augen. Und gab Befehl, ihre Säcke
mit Getreide zu füllen und ihnen ihr Geld wiederzugeben, einem jeden in seinen
Sack, dazu auch Zehrung auf den Weg; und so tat man ihnen.
Sie
aber erschraken, als sie unterwegs das Geld fanden. Und sprachen: Warum hat
Gott uns das angetan?
1.Mose 42, 1-28
Dies
Kapitel will lehren, daß Böses seine Strafe findet. Man sieht sich immer
zweimal. Und dann sind die Verhältnisse umgekehrt, dann hat das Leben, hat Gott
die herrischen Brüdern zu demütig Bittenden umgekehrt. Und der Flehende wird
Herrn über Leben und Tod. Gespannt soll der Leser auch sein, ob der Freund
Gottes mit seiner Machtfülle großmütig umgehen wird. Josef wird hoffentlich
Gott am Werk sehen, auch im unrechten Tun der Brüder-und darum nicht anders
können, als vergeben. Und ja- Schritt für Schritt wird die Versöhnung
vorbereitet, die Brüder werden geängstet wie sie ängsteten und werden sich
geläutert zeigen.
Zögerlich schickt sich Jakob in die Realität
Als
sie nun heimkamen zu ihrem Vater Jakob ins Land Kanaan, sagten sie ihm alles,
was ihnen begegnet war, und sprachen: Der Mann, der im Lande Herr ist, ist
hart. Er will Benjamin auch sehen- und behielt Simeon als Pfand.
Da
sprach Jakob: Ihr beraubt mich meiner Kinder! Josef ist nicht mehr da, Simeon
ist nicht mehr da, Benjamin wollt ihr auch wegnehmen- das geht alles über meine
Kräfte.
Irgendwann
aber drückte die Hungersnot zu sehr und der Vater schickte sie los: Kauft ein
wenig Getreide. Nur mit Benamin, sprach da Juda; Zu sehr hat uns der fremde
Herr eingeschärft: Ihr sollt mein
Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder ist mit euch.
Da
fing Jakob noch einmal an zu jammern: Warum habt ihr so übel an mir getan, dass
ihr dem Mann sagtet, dass ihr noch einen Bruder habt? Sie antworteten: Der Mann
forschte so genau nach uns und unserer Verwandtschaft und sprach: Lebt euer
Vater noch? Habt ihr auch noch einen Bruder? Da antworteten wir ihm, wie er uns
fragte. Wie konnten wir wissen, dass er sagen würde: Bringt euren Bruder mit
herab?
Da
sprach Juda zu Vater Jakob: Lass den Knaben mit mir ziehen, dass wir nicht
sterben, wir und du und unsere Kinder. Ich will Bürge für ihn sein; von meinen
Händen sollst du ihn fordern. Aber jetzt lass uns endlich gehen. Hätten wir
nicht gezögert, wären wir wohl schon zweimal wiedergekommen.
Da
sprach Jakob: Wenn es denn so ist, so tut’s und nehmt von des Landes besten
Früchten in eure Säcke und bringt dem Manne Geschenke hinab, ein wenig Balsam
und Honig, Harz und Myrrhe, Nüsse und Mandeln. Dazu nehmt euren Bruder. Aber
der allmächtige Gott gebe euch Barmherzigkeit vor dem Manne, dass er mit euch
ziehen lasse Simeon und Benjamin. Ich aber muss sein wie einer, der seiner
Kinder ganz und gar beraubt ist. Da nahmen sie die Geschenke und doppeltes Geld
mit sich, dazu Benjamin, machten sich auf, zogen nach Ägypten und traten vor
Josef.
1.Mose 42,25-38; 43,1-16
Ein
Kampf tobt zwischen Vater und den Söhnen. Nur der schiere Hunger ließ Jakobs
Hartnäckigkeit erlahmen. Irgendwann blieb ihm nichts übrig, als sie ziehen zu
lassen und sie Gott und der Barmherzigkeit des Brotherrn anzubefehlen. Der
Vater weiß noch nicht, daß seine Söhne ihn des Josefs beraubt haben. Aber er
setzt sich und die Brüder und ihre Familien
lange dem Hunger aus und lässt lieber den einen Täterbruder im Gefängnis
in der Fremde schmoren- nur, um
Benjamin bei sich behalten zu können,
der ja von der selben Mutter ist wie Josef, von der geliebten, früh
gestorbenen Rebekka. Jakobs blinde Leidenschaft zu seiner ersten Liebe und den
zwei Kindern aus dieser Ehe verursachen zunächst den Neid der älteren Ehefrau
Lea, dann den ihrer Söhne. Jetzt wird viel gebüßt. Auch Jakob versteht sein
Loslassenmüssen als Strafe: „Ich muß sein, wie einer, der seiner Kinder ganz und
gar beraubt ist.“ Strafe annehmen ist wohl ein heiliges Werk.
Josef nähert sich den Brüdern
Als
Josef sie kommen sah mit Benjamin, sprach er zu seinem Haushalter: Führe diese
Männer ins Haus und schlachte und richte zu, denn sie sollen mit mir essen.
Sie
fürchteten sich aber um des Geldes willen, das in den Säcken das vorige Mal obenauf lag. Der Hauhalter aber sprach:
Seid guten Mutes, fürchtet euch nicht! Euer Gott und eures Vaters Gott hat euch
einen Schatz gegeben in eure Säcke. Und er führte Simeon zu ihnen heraus.
Dann
gab er ihnen Wasser, dass sie ihre Füße wuschen, und gab ihren Eseln Futter.
Sie
aber richteten das Geschenk zu- sie
hatten gehört, dass sie dort essen sollten.
Als
nun Josef ins Haus trat, fielen sie vor ihm nieder zur Erde. Er aber grüßte sie
freundlich und sprach: Geht es eurem alten Vater gut, von dem ihr mir sagtet?
Lebt er noch? Sie antworteten: Es geht deinem Knechte, unserm Vater, gut und er
lebt noch.
Und
er hob seine Augen auf und sah seinen Bruder Benjamin und sprach: Ist das euer jüngster Bruder, von
dem ihr mir sagtet? Und Josef eilte hinaus; denn sein Herz entbrannte ihm gegen
seinen Bruder, und er suchte zu verbergen, daß er weinte. Als er dann sein
Angesicht gewaschen hatte, ging er heraus und hielt an sich und sprach:
Serviert die Speisen!
Und
man setzte sie ihm gegenüber, den Erstgeborenen nach seiner Erstgeburt und den
Jüngsten nach seiner Jugend. Darüber verwunderten sie sich untereinander.
Und
man trug ihnen Essen auf von seinem Tisch, aber Benjamin bekam fünfmal mehr als
die andern. Und sie tranken und wurden fröhlich mit ihm.
1.Mose 43,16-34
Der
Haushalter Josefs verkündet ihnen ein Zeichen dafür, daß letztlich die
Geschichte gut ausgehen wird: Gott selbst hat ihnen den Kaufpreis erstattet.
Dann kann ja keine Strafe warten: die Scheu weicht. Josef ist so gerührt vom
Wiederfinden seines jüngsten Bruders- er muß sich erst mal zurückziehen. Und
dann werden Die Brüder genau nach Alter an der Tafel platziert, das legt doch
ein Mitwissen des Josef oder Göttliche Fügung nahe. Sie werden fröhlich
miteinander, Josef gibt ein Stück seiner Unnahbarkeit auf. Dann aber zeigt
sich: Das Wechselbad aus Fremdheit und neuer Vertrautheit hält an.
Entsetzen und Offenbarung
Und
Josef befahl seinem Haushalter und sprach: Fülle den Männern ihre Säcke mit
Getreide, soviel sie fortbringen, und lege jedem sein Geld wieder oben in
seinen Sack.
Und
meinen silbernen Becher lege oben in des Jüngsten Sack mit dem Gelde für das
Getreide. Der tat, wie ihm Josef gesagt hatte.
Am
Morgen ließen sie die Männer ziehen mit ihren Eseln. Als sie aber zur Stadt
hinaus waren und noch nicht weit gekommen, sprach Josef zu seinem Haushalter:
Auf, jage den Männern nach und wenn du sie ereilst, so sprich zu ihnen: Warum
habt ihr Gutes mit Bösem vergolten? Warum habt ihr den silbernen Becher
gestohlen? Ist das nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahrsagt?
Ihr habt übel getan.
Und
als er sie erreicht hatte, gebot er ihnen, Halt zu machen und verfuhr mit ihnen
wie abgesprochen.
Als
sich der Becher in Benjamins Sack fand,
waren sie entsetzt und zogen zurück in die Stadt.Und sie fielen vor Josef
nieder auf die Erde. Josef aber sprach zu ihnen: Wie habt ihr das tun können?
Juda sprach: Was sollen wir meinem Herrn sagen oder wie sollen wir reden und
womit können wir uns rechtfertigen? Gott hat die Missetat deiner Knechte
gefunden. Siehe, wir und der, bei dem der Becher gefunden ist, sind meines
Herrn Sklaven.
Er
aber sprach: Das sei ferne von mir, solches zu tun! Der, bei dem der Becher
gefunden ist, soll mein Sklave sein; ihr aber zieht hinauf mit Frieden zu eurem
Vater.
Da
trat Juda zu ihm und sprach: Mein Herr, lass deinen Knecht ein Wort reden vor
den Ohren meines Herrn, und dein Zorn entbrenne nicht über deinen Knecht, denn
du bist wie der Pharao.
Mein
Herr fragte seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder? Da
antworteten wir: Wir haben einen Vater, der ist alt, und einen jungen Knaben,
in seinem Alter geboren, und sein Bruder ist tot und er ist allein übrig
geblieben von seiner Mutter, und sein Vater hat ihn lieb.
Da
sprachst du zu deinen Knechten: Bringt ihn herab zu mir, ich will ihm Gnade
erweisen.
Wir
aber antworteten meinem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen;
wenn er ihn verließe, würde der sterben.
Da
sprachst du zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch
herkommt, sollt ihr mein Angesicht nicht mehr sehen.
Da
zogen wir hinauf zu deinem Knecht, meinem Vater, und sagten ihm meines Herrn
Rede.
Da
sprach unser Vater: Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Getreide.
Wir
aber sprachen: Wir können nicht hinabziehen; nur wenn unser jüngster Bruder mit
uns ist, wollen wir hinabziehen; ich werde für ihn bürgen.
Darum
lass deinen Knecht hier bleiben an des Knaben statt als Sklaven meines Herrn und
den Knaben mit seinen Brüdern lass hinaufziehen. Ich könnte den Jammer nicht
sehen, der über meinen Vater kommen würde, käme ich ohne Benjamin heim.
1. Mose 44, 1-33
Josef
lässt die Brüder nachleben, was sie ihm einst angetan haben. Doch sie haben
gelernt. Einst opferten sie den Einen
zur Genugtuung für ihr Zurückgestelltsein beim Vater. Nun stehen sie gemeinsam
für den Jüngsten, den Schwächsten ein. Noch einmal werden sie in Versuchung
geführt, fein davon zu kommen. Doch sie schlagen das Angebot, den (vermeintlich
)schuldigen Benjamin seiner gerechten Strafe zu überlassen, aus. Juda bietet
sich als Opfer an. Damals hatte es ihnen nichts ausgemacht, dem Vater die
furchtbare Nachricht vom zerrissenen Sohn Josef zu überbringen. Jetzt will Juda
lieber lebenslänglich Sklave sein, als das Leid des zu Tode erschrockenen
Vaters über den Verbleib des Jüngsten in Ägyptens Gewahrsam mitzuerleben.
Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen
Da
konnte Josef nicht länger an sich halten und rief: Lasst mich mit den Männern
allein. Und kein fremder war Zeuge, als sich Josef seinen Brüdern zu erkennen
gab.
Er
weinte laut, sodass es die Ägypter und das Haus des Pharao hörten,
und
sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten
verkauft habt.
Lebt
mein Vater noch? Und seine Brüder konnten ihm nicht antworten, so erschraken
sie vor seinem Angesicht.
Er
aber sprach zu seinen Brüdern: Nun bekümmert euch nicht mehr und denkt nicht,
dass ich darum zürne, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens
willen hat mich Gott vor euch hergesandt. Es sind nun zwei Jahre, dass
Hungersnot im Lande ist, und sind noch fünf Jahre, dass weder Pflügen noch
Ernten sein wird. Gott hat mich durch euch hier her geschickt, dass er euch
übrig lasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung.
Nun
eilt und zieht hinauf zu meinem Vater und sagt ihm: Das lässt dir Josef, dein
Sohn, sagen: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gesetzt; komm herab zu
mir, säume nicht!
Du
sollst im Lande Gosen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Kinder und
deine Kindeskinder, komm mit allem, was du hast. Ich will dich dort versorgen.
Eilt,
verkündet meinem Vater alle Herrlichkeit Ägyptens und kommt herab mit meinem
Vater hierher.Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und küsste alle
seine Brüder und weinte an ihrer Brust. Danach redeten seine Brüder mit ihm.
Und
als das Gerücht kam in des Pharao Haus, dass Josefs Brüder gekommen wären,
gefiel es dem Pharao gut und allen seinen Großen.
Und
Josef gab ihnen Wagen nach dem Befehl des Pharao und Zehrung auf den Weg
und
gab ihnen allen, einem jeden ein Feierkleid, aber Benjamin gab er dreihundert
Silberstücke und fünf Feierkleider. Und seinem Vater sandte er zehn Esel, mit
dem Besten aus Ägypten beladen. Damit entließ er seine Brüder und sie zogen
hin. Und er sprach zu ihnen: Zankt nicht auf dem Wege!
1.Mose
45,1-24
Jetzt
war Josefs Strafaktion auch genug. Sie hatten ihr Lehrgeld bezahlt. Und Josef
konnte seiner Liebe freie Bahn lassen. Da standen sie, die Brüder, “wie
Klötze“(Th. Mann). Josef musste erst mal den Schauder von ihnen nehmen. Was er
für sich längst erkannt hatte, offenbarte er seinen Brüdern: Euern Neid, eure
Wut auf mich Bevorzugten hat Gott genutzt: Um euer Leben zu retten, hat Gott
mich vor euch her gesandt.- Großmütig entschuldet Josef die Brüder, er behaftet
Gott, daß letztlich er diesen Deal eingefädelt habe. Und dann ist große
Versöhnung und überirdische Freude. Väterchen soll nachgeholt werden. Zuletzt
wird Josef wieder der Mahner: Haltet Frieden auf dem Weg.
Jakobs
Reise nach Ägypten.
So
kehrten die Brüder heim zu ihrem Vater Jakob und verkündeten ihm: Josef lebt
noch und ist Herr über ganz Ägyptenland! Aber sein Herz blieb kalt, er glaubte
ihnen nicht.
Da
sagten sie ihm alle Worte Josefs, und als er die Wagen sah, die ihm Josef
gesandt hatte, um ihn zu holen, wurde der Geist Jakobs lebendig. Und er sprach:
Ich will hin zu Josef und ihn sehen, ehe ich sterbe.
Und
er brachte Opfer dar dem Gott seines Vaters Isaak. Da geschah ihm des Nachts
eine Offenbarung: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht,
nach Ägypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zum großen Volk machen.
Ich will mit dir hinab nach Ägypten ziehen und will dich auch wieder
heraufführen, und Josef soll dir mit seinen Händen die Augen schließen.
Da
machte sich Jakob auf von Beerscheba mit allem Eigentum und alle Seelen des
Hauses Jakobs, die mit nach Ägypten kamen, waren sechsundsechzig..
1.Mose
45,25-28; 46,1-4.26
Die
Nachricht, Josef sei am Leben, kann den versteinerten Jakob nicht gewinnen.
Erst die Geschenke aus Ägypten überzeugen und erwecken die Lebensgeister
wieder. Die Zumutung, als alter Mensch das von Gott gesegnete Stück Erde zu
verlassen, mußte von Gott selbst gewollt sein- Nur die direkte Willenskundgabe
von oben her war so verpflichtend, daß sich der alte Herr langsam zur Reise
anschickte. Er will Josef sehen wenn er gewiß sein darf, jedenfalls in
Heimaterde begraben zu werden. Der tiefere Grund der Reise aber ist die
Heilsgeschichte: An Jakob, Sohn von Isaak und Rebekka und Enkel von Abraham und
Sara soll sich doch erfüllen, was „der Gott der Väter und Mütter“ verheißen
hat: Daß sie zu einem großen Volk werden. Diese Großfamilie Jakobs mit Lea (und
im Gedächtnis die verstorbene Rahel) bilden die Urzelle des Volkes Israel. –
Die Patriarchen sind aber mythische Figuren. Die Historie der Stammväter
Abraham, Isaak und Jakob liegt im Dunkel der Geschichte. Die Glaubens –und
Lebenserfahrungen von Jahrhunderten sind literarisch verdichtet in diesen idealen
Gründerfiguren. Kern des Glaubens von Jakob und Josef ist: Gott geht mit ihnen,
auch ins fremdgläubige Ägypten- es ist der Anfang des Jesus-Vertrauens daß Gott
auch mit in den Tod geht.
Jakob segnet seine Söhne
Und Josef ließ seinen Wagen anspannen und zog
seinem Vater entgegen. Und als er ihn sah, weinte er lange an seinem Halse. Da
sprach Jakob zu Josef: Ich will nun gerne sterben. Ich habe dein Angesicht
gesehen.
Josef
ging zu Pharao und sagte ihm an: Mein
Vater und meine Brüder, ihr Kleinvieh und Großvieh und alles, was sie haben,
sind gekommen aus dem Lande Kanaan. Der Pharao sprach zu Josef: Es ist dein
Vater und es sind deine Brüder, die zu dir gekommen sind.
Das
Land Ägypten steht dir offen, lass sie am besten Ort des Landes wohnen, lass
sie im Lande Gosen wohnen, und wenn du weißt, dass Leute unter ihnen sind, die
tüchtig sind, so setze sie über mein Vieh.
Josef
brachte auch seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn vor den Pharao. Und
Jakob segnete den Pharao. Der Pharao aber fragte Jakob: Wie alt bist du?
Jakob
sprach zum Pharao: Die Zeit meiner Wanderschaft ist hundertunddreißig Jahre;
wenig und böse ist die Zeit meines Lebens und reicht nicht heran an die Zeit
meiner Väter in ihrer Wanderschaft. Und Jakob segnete den Pharao und ging
hinaus von ihm. Aber Josef ließ seinen Vater und seine Brüder in Ägyptenland
wohnen und gab ihnen Besitz am besten Ort des Landes, im Lande Ramses, wie der
Pharao geboten hatte. Und er versorgte seinen Vater und seine Brüder und das
ganze Haus seines Vaters mit Brot, einen jeden nach der Zahl seiner Kinder. Und
sie wuchsen und mehrten sich sehr. Und Jakob lebte noch siebzehn Jahre in
Ägyptenland, dass sein ganzes Alter wurde hundertundsiebenundvierzig Jahre.
Und
Josef brachte seine in Ägypten geborenen Kinder zu ihrem Großvater. Und Jakob
segnete Ephraim und Manasse. Und er
segnete Josef und sprach: Der Gott, vor dem meine Väter Abraham und Isaak
gewandelt sind, der Gott, der mein Hirte gewesen ist mein Leben lang bis auf diesen
Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Übel, segne dich und die Knaben.
Siehe, ich sterbe; aber Gott wird mit euch sein und wird euch zurückbringen in
das Land eurer Väter. Und Jakob segnete
auch all seine anderen Söhne mit einem besonderen Segen und verkündigte ihnen
ihre Zukunft.
1.Mose
46,28-30; 47,1-49,28
Majestätisch
fast schreitet Jakob beim Pharao ein. Der mag mehr Macht haben, aber Jakob
verfügt über eine hellsichtige Gottesbeziehung. Zweimal segnet der
Viehbesitzer ungebeten den, der sich
als Gottkönig weiß. Der aber scheint über eine abgeklärte Größe zu verfügen, daß er den Segen des ihm
fremden Gott sich geschehen ließ. Als es zum Sterben ging segnete Jakob Söhne und Enken –man hofft und weiß ja, daß
der weibliche Teil der Familie auch nicht unbehütet blieb. Jakob verbürgt sich
für die große Zukunft der zwölf Stämme Israels. Er bezeugt mit seiner Erfahrung
Gott als Hirten , als Engel, als Erlöser. Das hohe Alter ist genannt als
Qualitätssiegel für ein gottgemäßes Leben.
Jakobs und Josefs Tod
Als
Jakob verschied und zu seinen Vätern versammelt wurde, da bestattete man ihn
mit großem Geleit im Grab der Vorfahren, der Höhle Machpela, östlich von Mamre
im Lande Kanaan. Als sie ihn nun begraben hatten, zog Josef mit seinen Brüdern
wieder nach Ägypten
Die
Brüder Josefs aber fürchteten sich, jetzt könnte Josef zur Vergeltung
schreiten. Darum sagten sie ihm, es sei des Vaters letzter Wunsch gewesen, daß
er Vergebung walten lasse. Sie baten ihn: Vergib doch deinen Brüdern die
Missetat, dass sie so übel an dir getan haben. Und Josef weinte, als sie
solches zu ihm sagten.
Josef
aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt?
Ihr
gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu
tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.
Und
Josef sprach zu seinen Brüdern: Bald werde ich sterben; aber Gott wird sich
euer annehmen. Und wird euch aus diesem Lande führen in das Land, das er
Abraham, Isaak und Jakob zu geben geschworen hat. Und Josef starb, hundertundzehn
Jahre alt.
1. Mose 50
„Zu den Vätern (und Müttern)
versammelt werden“ ist frühes Zeugnis für eine Jenseitserwartung, wie auch
immer. Jedenfalls hatten die Gottgläubigen schon früh eine größere Hoffnung,
als das Familiengrab; auch wenn es ihnen wichtig war, in jener Höhle Makpela
begraben zu werden. Die hatte Abraham als einzigen Grundbesitz im künftigen
Gelobten Land erworben, ein Grab als Pfand für ein großes Reich.
Josef vergibt den Brüdern
endgültig. Festgehalten bleibt, daß Schuld benannt werden muß, sie sich nicht
einfach auflöst. Und Versöhnung will
gelebt werden. Dazu leitet Josef sich und die Brüder an durch Verweis auf Gott.
Der läßt mittels des Bösen Gutes werden. Was
nicht heißt: Der Zweck heiligt die Mittel. Höchstens heiligt Gott das Mittel,
den Verkauf in die Fremde, zum edlen Zweck der Bewahrung vor Hunger. Wir würden
uns an Gottes statt stellen, wenn wir Böses säen zum Zwecke einer Ernte des Guten. Dafür sind wir zu klein,
und haben zu wenig Überblick.
Josef stirbt schon in weniger
hohem Alter als Jakob und die davor. Damit deuten die Theologen dieses Buches
an, daß sie die goldene Zeit der Gottesvertrautheit der Patriarchen schon
ablaufen sehen.
2.Buch Mose
Israels Bedrückung in
Ägypten Josef und
seine Brüder waren schon lange gestorben.- Doch die Nachkommen Jakobs zeugten Kinder und mehrten sich und wurden
überaus stark, sodass von ihnen das Land voll wurde. Da kam ein neuer König auf
in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das
Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wir müssen sie kurzhalten, dass sie
nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich zu
unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen. Und man bedrückte sie mit
Zwangsarbeit. Sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses.
2.Mose 1
Wie
im Zeitraffer werden Jahrhunderte der Volkwerdung Israels in Ägypten
zusammengezogen in wenigen Zeilen: Und ein neuer König, ein Neuer Pharao wusste
nichts von Josef. Schnell vergilben Verdienste. Vergünstigungen hängen an
Personen: Wechseln die Herrschaften, wechseln auch die Bevorzugungen.
Auch die Eingewanderten der nächsten Generation sind anders dran: Sie
müssen sich in der Gegenwart ihre Stellung erkämpfen. Die Kinder Israels
bleiben in Ägypten Fremde, sie machen wegen ihres vielen Nachwuchses den trägen
Eingesessenen Angst. Man zwingt sie zu niedriger Arbeit, dann zum Frondienst
wohl an den Pyramiden. Das zweite
Buch Mose ist hochwichtig. Legt das erste Buch Mose (Genesis- Die Werdung) den
Grundstein unseres Denkens- der Mensch von
Gott geschaffen und zum Mitgestalten berufen- dann weist das Zweite (Exodus- Der Auszug) die
Richtung: Wir, Israel und die Menschheit mit Gott auf dem Weg aus der
Gefangenschaft, aus der Sklaverei unter Sünde und Tod und Vergeblichkeit hin
ins „Gelobte Land“.
Entdeckt wird für die
Menschheit, daß wir nicht zum Zeitvertreib hier sind, sondern schwanger gehen
mit Leid und Segen; unsere Seelen sind ausgespannt auf Fülle, Ausdehnung des Glücks ist der Sinn der Schöpfung. Der
Auszug aus der Gefangenschaft in die Freiheit der Kinder Gottes ist ein Projekt jeder Generation und jedes
Einzelnen. Wir sind zu einem Lebensgefühl erhoben, das aus der Idylle in das
Drama und aus der Behaglichkeit in das Gestalten von Freiheit gerufen ist. Die politische und persönliche
Freiheit schimmert als großer Wurf Gottes an die Menschen auf. Es wird denkbar,
daß wir nicht als Material der Geschichte, nicht als gesichtslose Verbrauchende
gedacht sind, sondern Gedankenfreiheit, Schönheit und Liebe leben dürfen- weil
kein anderer Gott ist als der, der aus der Knechtschaft herausführt. Immer
noch. Der Auszug Israels ist Modellfall für die Menschheit unterwegs mit dem
vorausgehenden Gott. Mit dem Schritt zu halten immer neuer Auftrag ist.
Liebevoll erzählt Israel fünf
bis acht Jahrhunderte nach dem dunklen
Aufbruch ihrer Pilgerväter – und Mütter die Rettung aus Ägypten. Wie bedrohlich
auch die jeweilige Gegenwart scheint, sie ist ein Stück Weg, den Gott mitgeht.
Moses wunderbare Errettung
Und der König von Ägypten befahl den hebräischen Hebammen- eine hieß
Schifra hieß, die andere Pua - : Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei
der Geburt seht, dass es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist’s aber eine Tochter,
so lasst sie leben.
Ein Mann vom Hause Levi aber
nahm ein Mädchen aus dem Hause Levi zur Frau. Und sie ward schwanger und
gebar einen Sohn. Und sie verbarg ihn
drei Monate.
Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, machte sie ein Kästlein
von Rohr und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind hinein und
setzte das Kästlein in das Schilf am Ufer des Nils. Und seine Schwester hielt Wache, um zu erfahren,
wie es ihm ergehen würde. Einmal
ging die Tochter des Pharao hinab und wollte baden im Nil, und ihre Freundinnen
gingen am Ufer auf und ab. Und sie sahen das Kästlein im Schilf und holten
es. Und als sie es
auftaten, sahen sie das Kind- es weinte. Da jammerte es sie und sie sprach: Es
ist eins von den hebräischen Kindlein. Und doch soll es leben.
Da trat die Schwester aus dem
Schilf zu der Tochter des Pharao und sprach: Soll ich eine hebräische Frau
rufen, die gerade stillt, dass sie dir das Kindlein stille? Die Tochter
des Pharao sprach zu ihr: Tu das. Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des
Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: Nimm das Kindlein mit und
stille es mir und zieh es groß; ich will es dir lohnen. Die Frau stillte und
zog das Kind groß.
Und als das Kind groß war, brachte sie es der Tochter des Pharao, und es
ward ihr Sohn und sie nannte ihn Mose; was heißt: Ich habe ihn aus dem Wasser
gezogen. 2.Mose
1,15; 2, 1-10
Dem großen Mose gebührt eine wunderbare Geburt. Die Rettung im
Schilfkorb ist starkes Zeichen der Bewahrung und der Erwählung. Und auch ein
Lobgesang auf die Mütter dieser Erde, die oft genug ihre Kinder unter
widrigsten Umständen gebären und durchbringen. Mose ist natürlich von Herkunft
aus jüdischer Familie. Gleichzeitig ist er am ägyptischen Hof erzogen. Die
Findelkindgeschichte flechtet beide Wahrheiten zusammen.
Moses
Flucht nach Midian
Als
Mose herangewachsen war, ging er öfter hinaus zu seinen hebräischen Brüdern und
litt mit unter ihrem Frondienst. Einmal
schlug ein ägyptischer Aufseher einen Hebräer.
Das brachte Mose so auf, daß er- kurz nach allen Seiten prüfend, ob es
Zeugen gäbe- den Ägypter
erschlug,
ihn im Sande verscharrte und davon ging.
Am
nächsten Tage ging er wieder hin und sah zwei hebräische Männer miteinander
streiten und sprach zu dem, der im Unrecht war: Warum schlägst du deinen
Nächsten?
Er
aber sprach: Wer hat dich zum Aufseher oder Richter über uns gesetzt? Willst du
mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast? Da fürchtete sich Mose
und floh ins Land Midian. Da setzte er
sich nieder bei einem Brunnen.
2. Mose2, 11-15
Dass
dieser einzigartige Religionsheld so unbeherrscht war und dies auch noch
spätere Generationen nicht schönten,
spricht für die große Menschlichkeit der Bibel und ihres Glaubens. Wieder macht
Gott eben kein Heiligenbild zu seinem großen Sprecher, sondern ruft einen aus
dunkler Herkunft: ungeduldig, jähzornig, zerrissen in sich selbst- als Hebräer
auf Seiten der Geschundenen, als Adoptivenkel des Pharaos gewöhnt, kurzen
Prozess zu machen. Mose hatte sicher gemeint, die Sympathien der Hebräer
gewinnen zu können. Aber Mordblut an den Händen ist nicht abzuwaschen; man geht
auf Distanz zu dem, der zurecht bringen will mittels Unrecht. Der Zweck heiligt
die Mittel nicht.
Kain
wird der große Städtebauer; dem Helden
Mose nach wagen Jahrtausende den Ausbruch aus Knechtschaft; Gründer von
Jerusalem und Israel, Vater des Tempelbauers Salomo ist David, hatte morden
lassen, um Batseba zu erlangen- Gott
reduziert Menschen nicht auf ihre böse Tat. Er schafft Vergebung und neuen
Anfang.
Fremdling sein steht am Anfang
Ein
Priester aber in Midian hatte sieben Töchter; die kamen, Wasser zu schöpfen,
und füllten die Rinnen, um die Schafe ihres Vaters zu tränken. Da kamen Hirten
und stießen sie weg. Mose aber stand auf und half ihnen und tränkte ihre
Schafe. Und als sie zu ihrem Vater Reguël kamen, sprach er: Warum seid ihr
heute so bald gekommen? Sie sprachen: Ein ägyptischer Mann stand uns bei gegen
die Hirten und schöpfte für uns und tränkte die Schafe.
Er
sprach zu seinen Töchtern: Wo ist er? Warum habt ihr den Mann nicht eingeladen?
Lauft, bittet ihn zu uns. Und Mose willigte ein, im Haus des Pristers von
Midian zu bleiben. Und er gab Mose seine Tochter Zippora zur Frau. Die gebar
einen Sohn und er nannte ihn Gerschom; denn, sprach er, ich bin ein Fremdling
geworden im fremden Lande.
2. Mose 2,16-22
Der
große Mose muß wie Jakob und Josef erst in die Fremde, muß dort seine Frau finden
und um sie dienen. Zweierlei ist aus
diesen Anfängen prägend: Mose drängt auf Gerechtigkeit, er hilft den Frauen;
und seine Frömmigkeit gedeiht in der Fremde, er hat keine Berührungsangst vor
der Interpretation des Göttlichen in
ägyptischer und midianitischer Spielart. Das Fremdlingsein ist mühsame aber
kostbare Chance, das Eigene zu finden.
Moses Berufung
Mose
hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian.
Einmal trieb er die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Gottesberg
Horeb.
Da
erschien ihm der Engel des HERRN in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch.
Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da
sprach er bei sich: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum
der Busch nicht verbrennt. Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen,
rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin
ich.
2. Mose 3,1-4
Eine
der tiefgründigsten Gotteserscheinungen bahnt sich an. In der Wüste Sinai an
einem „Unort“, weglos, wasserlos- nur Felsen und bizarre Luftspiegelungen-
sieht Mose eine Glut, die sprüht und leuchtet. Vielleicht ein Dornbusch in
Blütenpracht- und er will nicht normal werden: Mose geht, die wunderbare
Erscheinung zu sichten. Da geht ihn eine Stimme an, ein Ruf stülpt sich über
ihn, er hört sich bei seinem Namen gerufen. Er weiß sich aufgerufen, ist
gemeint, ist erkannt. Er sieht sich gestellt vom Geheimnis der Welt.
Wenn einem etwas die Schuhe auszieht
Gott
sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort,
darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott
deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose
verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
2.Mose
3,5.6
Nicht,
daß Moses den Herrn gesehen hätte. Der brennende, sich nicht verzehrende
Dornbusch ist ein Bild für die Anwesenheit Gottes. Dabei ist Er nicht ansehbar,
wohl aber seine Aura, seine Energie, sein Indienstnehmen ist erfahrbar. Es mag
in etwa so sein, wie mit der Sonne: wir können nicht in die Sonne sehen, können
nur ihre Wirkung spüren; ja, wir leben mittels ihrer. Orte der Gottesbegegnung
sind energetisch aufgeladen, sind heilige Bezirke- Das Ausziehend er Schuhe ist
ein Zeichen von Entwaffnung und Verehrung.
Verheißung des Landes voll Milch und Honig
Und
der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr
Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.
Ich
will sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführen aus diesem Lande in
ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.
So will ich dich zum Pharao senden, damit du
mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. 2. Mose 3, 7-10
Hier
legt Gott dem Mose seinen Rettungsplan dar und spannt ihn ein. Es scheint, als
wache Gott erst langsam auf und als
brauchte er Zeit, um die Tiefe der Leiden gewahr zu werden. Als müsse das
Gewissen der Welt erst sehen und hören! Wir müssen immer wissen, daß unser
Meinen über Gott nur ein Ahnen ist auf
den Schultern derer, die vor uns Erfahrung mit ihm machen. Die uns den Bericht
vom Auszug Israels geben, sind ja die Anfänger unseres Glaubens. Und wir, die
wir so viel Rückblick auf passierte, gedeutete Geschichte haben, tasten auch
noch, wie das Geleit Gottes geschieht bei uns.
Das erste Zeichen
Mose
sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten
aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen
sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast,
werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 2. Mose 3,11+12
Das
blieb über die Jahrhunderte der nur mündlichen Weitergabe deutlich erhalten:
Moses drängte sich nicht, Gottes erster Mann werden. Er scheute sich, hielt
sich für unfähig, sicher auch für unwürdig. Aber Gott überspringt dessen
Einspruch: Mit mir kannst du alles, bist du alles. Gott nimmt Moses mit ans Ziel, malt ihm den Erfolg glühend vor Augen: Du wirst nach gelungener
Mission hier opfern. Die Zukunft bürgt für die Gegenwart. Weil Jetzt die erste
Stufe Richtung Heile Welt ist, ist
Jetzt die Ouvertüre für Heilwerdendes. Wie ich im Gegenwärtigen Heilendes mit
anbahne, das ist meine Sache. Wenn die mich voll beschäftigt, rücken viel
Fragen hinter mich zurück.
Moses drängt auf den Namen
Doch,
spricht Moses weiter zum Herrn, wenn ich zu den Israeliten komme und sage zu ihnen: Der Gott eurer Väter, der Gott
Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt!, dann
werden sie mir sagen: Wie ist sein Name? Und was soll ich ihnen dann sagen?
2. Mose 3,13
Mose
gibt sich nicht zufrieden mit dem Erinnerungsgott, dem Herrn der Vorfahren.
Heute soll er sich erweisen, als eben ihr Gott und nicht sich zitieren als „Der
von Damals“. Es nützt uns auch nichts, Gott als Starter am Anfang der Welt zu
wissen. Sein Schaffen heute und unser Mittun jetzt muss gedeckt sein durch
einen Namen, der jetzt Gottesenergie abstrahlt. Darum dank an Moses, daß er
drängt.
Der „Gott bei uns“
Gott
sprach zu Mose: „Ich werde für euch da sein, der ich für euch da sein werde“.
Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde für euch da sein«,
der hat mich zu euch gesandt.
2. Mose 3,14
Die
Selbstoffenbarung ergeht in der Sprache Israels und heißt: „Jahve.“ Das
übersetzt die griechische (alttestamentliche) Septuaginta (etwa um 300 v. Chr):
„Ich bin der Seiende.“ Lebendiger und liebevoller aber ist das dynamische „Ich
bin für euch da“. – „Ich bin der für euch Existierende, wie auch immer ich mich
euch zeigen werde“.
Sicher
ist Gott auch Das Seiende, aber er ist noch mehr, ist auch Das Werdende. Vor
allem aber ist er für uns da. Wie verschlungen unsere Wege auch sind, er geht
sie mit. Zuneigung ist sein Wesen.
Schade, daß sich als Eigenname bei uns das „Jahve“- „Der Gott mit uns“ nicht
durchgesetzt hat. Aber “Vaterunser“ meint das Selbe.
Zweifel bleiben
Und
Gott sprach weiter zu Moses: Versammle die Ältesten von Israel und sprich zu
ihnen: Der „Ich bin für euch da“, der Gott eurer Väter, ist mir erschienen, und
hat gesagt: Ich habe mich euer angenommen und gesehen, was euch in Ägypten
widerfahren ist. Ich will euch aus dem Elend Ägyptens führen in das Land, darin
Milch und Honig fließt.
Danach
sollst du mit den Ältesten Israels hineingehen zum König von Ägypten und die
Freigabe der Kinder Israels fordern.
Aber Pharao wird euch nicht ziehen lassen. Und Moses: Und die Kinder Israels
werden nicht auf mich hören, sie werden sagen: Der HERR ist dir nicht
erschienen.
2. Mose 3,15- 4,1
Moses
erweist sich als ebenbürtiger Gesprächspartner Gottes. Der Herr legt sich
mächtig ins Zeug, um Moses zu
begeistern: Er soll doch gern Botschafter dessen zu werden, der den
Geknechteten ein Eigenland, da Milch und Honig fließt, verheißt. Doch Gott
weiht seinen Helden in die künftigen Mühen ein und Moses den Herrn auch.
Wird
Moses ein Spiegelbild Gottes- vor Jesus schon eine Art Abbild? Was muß sich Gott mühen, Israel frei zu
bekommen; was muß sich Mose mühen, das störrische Israel auf dem Weg zu halten.
Man wird den Eindruck nicht los, daß sie sich beide nicht um ihren Job reißen- Gott stöhnt oft bei Moses und
Moses beim Herrn- Es wird spannend, zu sehen, wie sie sich gegenseitig gerade halten.
Berufene drängeln sich nicht
Aber
erst mal widersteht Moses noch: Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt
gewesen, auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht redest; denn ich hab
eine schwere Sprache und eine schwere Zunge.
Gott
sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den
Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich’s nicht getan,
der Herr der Welt? So geh nun hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich
lehren, was du sagen sollst. Mose aber sprach: Sende, wen du senden willst,
aber nicht mich. Da wurde der Herr zornig.
2. Mose 3,10 –14
Das
Widerständige des Moses ist eine Kraftquelle. Wir dürfen mit Gott streiten,
unsere Bedenken haben vor ihm Platz. Wenn uns aber Gott in die Pflicht nimmt,
dann sind nicht unsere Begabungen der Grund sondern Gottes Wahl. Weil Gott den
Moses will, taugt der für sein Amt. Das aber kann Moses nicht begreifen, der
noch sich sieht mit den abschätzigen Augen der Andern. Das ist es, was in den
Gedanken der Gläubigen den Herrn empört: Moses vertraut seiner und der Leute Meinung
mehr als Gottes Berufung. Und wird halsstarrig.
Fürsprecher einander
Gott
sprach: Dein beredter Bruder Aaron wird mitgehen. Du sollst zu ihm reden und
die Worte in seinen Mund legen. Und ich will mit deinem und seinem Munde sein
und euch lehren, was ihr tun sollt. Und er soll für dich zum Volk reden; er
soll dein Mund sein und du sollst für ihn „Gott“ sein. Und diesen Stab nimm in
deine Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst.
2. Mose 3,15-17
Ich
glaube nicht, daß Gott zürnt. Es schmerzt ihn unsere geistlose
Schwerfälligkeit, er weiß doch , daß wir „Staub „ sind, nur durch seinen Willen
über dem Chaos gehalten. So stellt Gott dem Mose dessen Bruder zur Seite; eine
berühmte Partnerschaft wird begründet: Mose ist Gottes Knecht; Aaron ist des
Mose Erfüllungsgehilfe. Das Gefälle zwischen Menschen kommt auch daher, daß
Menschen mehr oder weniger Nähe zu Gott haben. Wir sollen mit unsern
verschiedenen Gaben gemeinsame Sache machen. Spannungen sind programmiert. Kein
von Gott Beauftragter geht ungerüstet. Moses
erhält einen Stab- Hirtenstab, Marschallstab, Hohheitszeichen,
wunderträchtig, machtvoll- er geht nicht mit leeren Händen.
Moses Rückkehr nach Ägypten
Und der HERR sprach zu Mose: Geh und zieh wieder
nach Ägypten, tritt vor Pharao und sprich zu ihm: So spricht der HERR: Israel
ist mein erstgeborener Sohn; ich gebiete dir: Lass du meinen Sohn ziehen, dass
er mir diene. Wirst du dich weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn
töten. Mose aber hörte Gott auch sagen: Ich will des Pharaos Herz verstocken, dass er das Volk nicht
ziehen lassen wird.
Und
sie gingen hin und versammelten alle Ältesten der Israeliten. Und Aaron sagte
alle Worte, die der HERR mit Mose geredet hatte, und Mose tat Zeichen vor dem
Volk. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, dass der HERR sich der
Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen habe, neigten sie sich und
beteten an.
2. Mose 4
Hochdramatisch
ist Moses Auftrag: Er weiß, daß Pharao Israel nicht ziehen lassen wird. Und
zwar, weil Gott ihn verstockt. Kann das angehen, daß Gott Menschenherzen versteint?
Ja, müssen wir hoffen, daß
letztlich die Mörder nicht freien willens ihre Untaten tun sondern auch Hitler
„nur“ Gottes „Geschirr“ ist. Die
Menschheit hat immer gewusst, daß die Leiden der Zeit „verhängt“ sind, Nicht
die Schuld Einzelner bilden das Gewicht der Welt sondern wir häufen und tragen
alle den überpersönlichen Schuldberg; das kommt „ans Licht der Sonnen“ in
Klimakatastrophe und Massenelend.
Wir
sind Verstockte, das merken wir selbst am „weiter so“, obwohl wir es bejammern.
. Ob Gott uns so hinfällig macht oder
nur zulässt, daß wir böse werden? Die Geschichte vom verstockten Pharao lehrt ,
daß letztlich Rettung kommt, auch wenn über Tod und Ruinen hin.
Noch härtere Bedrückung Israels
Dann
gingen Mose und Aaron hin und sprachen zum Pharao: So spricht der HERR, der
Gott Israels: Lass mein Volk ziehen, dass es mir ein Fest halte in der Wüste.
Der
Pharao antwortete: Wer ist der HERR, dass ich ihm gehorchen müsse und Israel
ziehen lasse? Ich weiß nichts von dem HERRN, will auch Israel nicht ziehen
lassen.
Geht
hin an eure Dienste!
Und der Pharao befahl am selben Tage den
Aufsehern: Ihr sollt dem Volk nicht mehr Häcksel geben, dass sie Ziegel machen,
wie bisher; lasst sie selbst das Stroh dafür zusammenlesen. Man drücke die
Leute mit Arbeit, dass sie zu schaffen haben und sich nicht um falsche Reden
kümmern.
Mose
aber kam wieder zu dem HERRN und sprach: Herr, warum tust du so übel an diesem
Volk? Denn seitdem ich hingegangen bin zum Pharao, um mit ihm zu reden in
deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt, und du hast dein Volk nicht
errettet.
2. Mose 5
Mit
voller Überzeugung geht Moses zum Pharao und sagt ihm an: Lass mein Volk
ziehen. Es ist einer der stärkste Befreiungsrufe der Menschheit geworden: „Let
my people go!“ Viele
Befreiungsbewegungen berufen sich auf diese Szene Mose vor Pharao. Noch
meint der ahnungslose Herrscher, den
Befreiungsruf wegwischen zu können.
Pharao ist Modell für die die Blindheit der Mächtigen: Wie einst Lenin
schnippisch fragte: “Wieviel Divisionen hat der Papst?“- so hielt Pharao das
Freiheitsbegehren nur für Einflüsterung, für „falsches Reden“; Mehr Bedrückung
würde das Volk schon wieder zum dummen Schweigen bringen.
Aber
Pharao wird den Herrn Israels kennen lernen. Das muß auch Moses glauben- er muß
in das zukünftige Wirken Gottes hoffen. Aber statt dessen beschwert er sich, er
will die Rettung sofort.
Schlangen als Zeugen
Da
sprach der HERR zu Mose und Aaron: Die Ägypter sollen innewerden, dass ich der
Herr bin- ich werde meine Hand über Ägypten ausstrecken und die Israeliten aus
ihrer Mitte wegführen. Geht hin, mit
dem Pharao zu reden. Der Pharao wird dann verlangen: Weist euch aus
durch ein Wunder! Dann sag zu Aaron: Nimm deinen Stab und wirf ihn hin vor dem
Pharao, dass er zur Schlange werde!
Da
gingen Mose und Aaron hinein zum Pharao und taten, wie ihnen Gott geboten
hatte. Und Aaron warf seinen Stab hin vor dem Pharao und vor seinen Großen und
er ward zur Schlange. Da ließ der Pharao die Weisen und Zauberer rufen und die
ägyptischen Zauberer taten ebenso mit ihren Künsten: Ein jeder warf seinen Stab
hin, da wurden Schlangen daraus; aber Aarons Stab verschlang ihre Stäbe. Doch
das Herz des Pharao blieb verstockt.
2. Mose 7,5- 13
Es
blieb im Gemeinschafts- Gedächtnis Israels haften, daß der Pharao mit viel
Kraftaufwand überwunden werden musste. Gott musste sich mit aller Macht ins
Zeug legen, um sein Völkchen in die Freiheit zu führen. Und weil er solche Mühe
mit Pharao hatte, ist die Rettung dann ja auch eine Zweite Schöpfung: Gott
erschafft Israels durch Erhebung aus
dem Sklavenstand hinauf zur
Gotteskindschaft. Darum ist auch im Nachhinein die Mühe um die Rettung so
detailliert erzählt; erst ziehen die ägyptischen Zauberer mit Aarons
Stabwunder gleich- dann siegt Gottes
Bote doch noch durch eine gesteigerte Demonstration. Ausgesuchte Qualen mussten auf Pharao gehäuft werden, ja Gott
musste seine ganze Fiesheit aufbieten, um letztlich zu triumphieren. Erst Jesus Christus hat Gott gelehrt-
anders gesagt: hat uns offenbart- daß der Zweck die Mittel nicht heiligt, Gott
nicht durch Strafen bekehrt.
Die ägyptischen Plagen
Mose
schlug mit seinem Gottesstab aufs Wasser, da verwandelte der Nil sich in
stinkendes Blut, sieben Tage lang. Dann wimmelte der Nil von Fröschen, die bis
in die Backtröge und die Betten krochen.Und dann kamen Mücken, setzten sich an
die Menschen und an das Vieh; aller Staub der Erde ward zu Mücken in ganz
Ägyptenland.
Als vierte Plage kamen die Stechfliegen, dann
die Viehpest. Dann kamen als sechste Plage die Blattern, dann Hagel, dann
führte der Ostwind die Heuschrecken herbei. Sie fraßen alles, was im Lande
wuchs und ließen nichts Grünes übrig an den Bäumen und auf dem Felde in ganz
Ägyptenland. Dann fiel eine so dicke Finsternis auf das ganze Land drei Tage lang, dass niemand den andern sah noch
weggehen konnte von dem Ort, wo er gerade war. Aber bei allen Israeliten war es
licht in ihren Wohnungen. Da rief der Pharao nach Mose und sprach: Zieht hin
und dient dem Herrn.
Dann
aber verstockte der Herr das Herz des Pharao, dass er sie doch nicht ziehen
lassen wollte. Und Gott sprach zu Mose: Eine Plage noch will ich
über den Pharao und Ägypten kommen lassen. Dann wird er euch von hier wegziehen
lassen, und nicht nur das, sondern er wird euch von hier sogar vertreiben. Und
Mose sagte Pharao an: Um Mitternacht will Gott durch Ägyptenland gehen, und
alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der
auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle
hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. Und es wird ein großes Geschrei sein
in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen
ganz Israel soll nicht ein Hund mucken, auf dass ihr erkennt, dass der HERR einen
Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel.
2. Mose 8-11
Die
ägyptischen Plagen sind sprichwörtlich geworden für Naturkatastrophen zuhauf.
Es ist diese Häufung sicherlich erzählerisches Mittel und nicht historische
Abfolge. Auch das Auf und Ab zwischen der himmlischen und der weltlichen Macht
ist dramatische Gestaltung. Pharao ist jedermann. Mitten im Schrecken gibt
Pharao klein bei; sobald das Leid etwas gelockert ist, zieht er sein Wort zurück, bis eine weitere
Plage ihn zur Einsicht bringt. Doch sobald der Druck nachlässt, fühlt sich Pharao wieder machtvoll.
Braucht es da viel Verstockung? Ist es nicht unsere banale Sünde, von der
Macht, vom Gewohnten nicht lassen zu wollen. Wieviel Plagen brauchte es, um Deutschland
1945 zur Kapitulation zu zwingen? Wann gestehen wir Scheitern? Erst wenn das
Unbehagen ganz und gar gesättigt ist, sind wir wohl zur Umkehr bereit.
Einsetzung des Bundesfestes
Der
Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Sagt der ganzen Gemeinde
Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm und
schlachte es gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide
Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in
denen sie’s essen. So sollt ihr’s aber
essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen
haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen mit
ungesäuertem Brot.
Ihr
sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für
mich, den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung. Und Mose
berief alle Ältesten Israels und sprach zu ihnen:
Und
wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er gesagt hat, so
haltet diesen Brauch. Und wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was habt ihr
da für einen Brauch?, sollt ihr sagen: Es ist das Passaopfer des Herrn, der an
den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere
Häuser errettete. Da neigte sich das Volk und betete an.
Und
zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland vom ersten Sohn
des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im
Gefängnis und alle Erstgeburt des Viehs.
Da
stand der Pharao auf in derselben Nacht und alle seine Großen und alle Ägypter,
und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht
ein Toter war.
Und
er ließ Mose und Aaron rufen in der Nacht und sprach: Macht euch auf und zieht
weg aus meinem Volk, ihr und die Israeliten. Nehmt auch mit euch Schafe und Rinder
und Schmuck, nehmt was ihr braucht. Und geht hin und bittet auch um Segen für
mich.
Und
die Ägypter drängten das Volk und trieben es eilends aus dem Lande; denn sie
sprachen: Sonst sind wir alle des Todes. Also zogen die Israeliten aus von
Ramses nach Sukkot, sechshunderttausend Mann zu Fuß und die Frauen und Kinder.
2. Mose 12
Das
wichtigste Fest Israels –das Passa- ist gestiftet in der Rettung Israels aus
Ägypten. Das Blut des geschlachteten Lammes an den Balken ließ den
Todesengel die jüdischen Häuser
verschonen. Das ungesäuerte Brot erinnert an die in Eile Aufgebrochenen, die
keine Zeit mehr hatten für ordentlich gereiftes Brot. Das jährliche Passafest
versammelt die jüdische Familie und nächste Freunde zu gebratenem Lamm und
grünen Kräutern und weißem Brot. Kompott wird dazu gereicht aus Feigen und
Trauben, die Symbol sind für die Backsteine, die die Hebräer in der ägyptischen
Gefangenschaft herstellen mussten. Das Mahl beginnt mit einem Becher Wein, über
den der Hausvater zwei Segenssprüche spricht, anschließend wird der Becher
weitergereicht. Ein Wasserbecken geht vorher von hand zu hand für die
vorgeschriebene Reinigung, Der Senior erklärt dem jüngsten Tischgenossen die
verschiedenen Riten, dann bricht er das Brot, das Mahl beginnt- es wird gerahmt
von Lobgesängen aus den Psalmen.
Jesus
hat mit seinen Jüngern das Passamahl gehalten. Die Christen haben dann das
letzte Mahl Jesu zu ihrem Abendmahl- (kath: Eucharistie) umgeformt: Paulus setzt Jesus mit dem Lamm
gleich. Brot und Wein geben sich die Menschen weiter in Vorfreude auf das gemeinsame Fest im Reich Gottes.
.
Die Wolken- und Feuersäule
Als
nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg
durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte
das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könn- ten wieder nach
Ägypten umkehren.
Darum
ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum
Schilfmeer. Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland.
So
zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und
der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer [a]Wolkensäule, um sie den rechten
Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit
sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk
bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
2.Mose
13, 17,18,20-22
Warum
bewahren die Erzähler den Umstand, daß Gott das Volk auf Umwegen ans rote Meer
führte.- Sollte Gott mehr Interesse an der Befreiung Israels gehabt haben, als
diese selber. Es ist ganz menschlich, daß die Freiheit unter Kämpfen mehr Mühe
macht als das gewohnte Elend. Es ist anrührend, wie Gott sein Völkchen an der
Strippe hat, sie keinen Augenblick mit ihren Ängsten alleine lässt. Wir dürfen uns auch der Gegenwart Gottes
sicher sein in den Alltäglichkeiten und den dramatischen Zeiten. Wie sich uns
Wolken- und feuersäule gestalten, dafür bekommen wir keine Schnittmuster im
Voraus. Aber im Nachhinein haben wir die Treue Gottes erfahren, doch sicher.
Israels Weg zum Schilfmeer
Als
es dem König von Ägypten angesagt wurde, dass das Volk geflohen war, wurde sein
Herz verwandelt und das Herz seiner Großen und sie sprachen: Warum haben wir
Israel ziehen lassen, sodass sie uns nicht mehr dienen? Und er spannte seinen
Wagen an und nahm sein Kriegsvolk mit und sechshundert auserlesene Kampfwagen.
Die
Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen. Doch Pharao war ihnen auf den Fersen und kam
ihnen nahe. Da schrien sie zu dem Herrn und sprachen zu Mose: Waren nicht
Gräber genug in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste
sterben? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, es
ist besser, den Ägyptern zu dienen, als
in der Wüste zu sterben.
Da
sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein
Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht,
werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der Herr wird für euch streiten, und ihr
werdet stille sein.
Und
der HERR sprach zu Mose: Sage den Israeliten, dass sie weiterziehen. Und der
Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, kam zwischen das Heer der
Ägypter und das Heer Israels. Dort war die Wolke finster und hier erleuchtete
sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.
2.Mose
14, 5-20
Wieder
dies Murren und Schwanken- jetzt, fürchten sie, stehen ihnen Gräber in der Wüste bevor- da wären sie lieber in
Unfreiheit altgeworden. Aber Mose steht ihnen ein für den Rettenden Gott. Der wird
für sie streiten. Wir brauchen auch solche Bürgen, Prediger, Seelsorgende- die
uns den Engel des Herrn geben: der beleuchtet die Szene, daß uns das Böse nicht
fressen kann und wir uns im Erleuchteten wahrnehmen.
Die wunderbare Rettung
Als
nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der Herr zurückweichen durch
einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die
Wasser teilten sich. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle
Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer.
Als
nun die Zeit der Morgenwache kam, schaute der Herr auf das Heer der Ägypter aus
der Feuersäule und der Wolke und brachte einen Schrecken über ihr Heer und
hemmte die Räder ihrer Wagen und machte, dass sie nur schwer vorwärts kamen. Da
sprachen die Ägypter: Lasst uns fliehen vor Israel; der Herr streitet für sie
wider Ägypten.
Aber
der Herr sprach zu Mose: Recke deine Hand aus über das Meer, dass das Wasser
wiederkomme und herfalle über die Ägypter, über ihre Wagen und Männer. Da
reckte Mose seine Hand aus über das Meer, und das Meer kam gegen Morgen wieder
in sein Bett, und die Ägypter flohen ihm entgegen. So stürzte der Herr sie
mitten ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten
gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur
Rechten und zur Linken.
So
errettete der Herr an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die
Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen.
2.Mose
14, 21-30
Die
Nachkommen Jakobs und Leas, Rahels waren in fünf bis zehn Generationen zu einem
Völklein herangewachsen. Sie wurden mehr und mehr versklavt und beim
Pyramidenbau geschunden. Dann riefen sie zu Gott und der führte sie aus dem
„Knechthaus“ Ägypten. Unter Moses Führung
gelang ihnen die Flucht durchs Rote Meer.
Ob
das Meer wie Mauern rechts und links Spalier stand, ist nicht sicher.
Vielleicht war der historische Kern ein Seenebel, der den Ägyptern die Sicht versperrte auf die Furt durchs Wattenmeer.
Und als sich der Nebel verzog, war Israel schon am anderen Ufer, während die
Streitwagen Ägyptens in der heranbrausenden Flut untergingen.
Jedenfalls
bedeutete Israel die Tatsache dieses Auszugs den Aufbruch ins Gelobte Land der
Verheißung. Tatsache und Bedeutung- das
eine ist das Geschehen, das andere: was es mir bedeutet. Der Glaube stützt sich
auf Fakten, die dem Menschen Rettendes bedeuten; ohne Glauben aber nur nackte
physikalische Sachverhalte sind.
Der
Anfang von Rettung wird immer leuchtender dargestellt, je düsterer die
Gegenwart drückt. Und weil der Anfang so voller Zauber war, muß das Gelobte
Land endlich erreicht werden. So ist unser denken veranlagt.
Der
Durchzug durchs Rote Meer ist ähnlich bedeutungsschwanger wie Jesu Auferweckung
von den Toten: Wenn das Rote Meer Grüne Welle hat – so ein Kirchentagsschlager
der siebziger Jahre, und der Tod uns vor Gott hinträgt, ist der Weg gesegnet,
wie mühevoll er auch gerade ist.
Triumphlied des Moses und der Mirjam
Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat
getan;
Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.
Der Herr ist meine Stärke und mein Heil. Der Herr ist der
rechte Kriegsmann,
Des
Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer,
seine
auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer.
Die
Tiefe hat sie bedeckt, sie sanken auf den Grund wie die Steine.
Herr,
deine rechte Hand tut große Wunder; Durch dein Schnauben türmten die Wasser
sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im
Meer.
Herr,
wer ist dir gleich unter den Göttern?
Wer
ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig
ist?
Und
Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand und alle
Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und sie sangen: Lasst uns dem
Herrn bejubeln, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins
Meer gestürzt.
2.Mose
15,1-20
Gott
ist mehr als der Gute, Gott ist der Ganze. „Mächtig, heilig, schrecklich,
löblich und wundertätig“ - meint so was
Umfassendes. Aber Gott als „Kriegsmann“?
Wenn wir gerettet werden aus Krankheit, feiern wir Gott als Arzt, wenn
wir gesättigt werden, ist er unser aller Mutter. Wenn er uns vor unsern Feinden
in Sicherheit bringt, ist er unser Schirm und Schild. Israel fand seinen Gott
unter Wogen und Wind. Fortan feiern sie ihn als den Kriegshelden vom Roten
Meer. Und die Ägyptischen Soldaten liegen geschlagen zuhauf. Eine jüdische
legende geht so: Als das Volk so ausgelassen den Sieg feierte, sprach Gott: Und
ich weine über meine erschlagenen ägyptischen Kinder. Das ist eine Warnung: Wir
dürfen Gott nicht auf unsere Fahnen schreiben, er ist kein Vereinsgott. Unsere
Feinde sind auch seine Menschen.
Die Wüste fängt an
Mose
ließ Israel ziehen vom Schilfmeer hinaus zu der Wüste Schur. Und sie wanderten
drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser.
Dann
kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn
es war sehr bitter. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir
trinken?
Er
schrie zu dem Herrn und der Herr zeigte ihm ein Holz; das warf er ins Wasser,
da wurde es süß.
Und
Israel vernahm: Wirst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und
tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine
Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern
auferlegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt.
2.Mose
15, 22-26
Schon
nach drei Tagen geht ihnen das Wasser aus. Die eben wunderbar Geretteten murren
zu Gott wie verwöhnte Kinder. Sie werden noch lernen, daß es nicht bequem ist,
Gottes Lieblingskinder zu sein. All die Rettungen müssen nicht auf die
zauberähnlichen Weisen passiert sein, wie die Jahrhunderte später entstandenen
Texte es sagen. Diese Texte sind geschrieben, nicht um zu sagen, wie es gewesen
war, sondern um der gegenwärtigen
Gemeinde Vertrauen zu geben in seinen von Gott geführten Alltag: Was
damals so groß anfing, das versickert jetzt nicht im banalen Scheitern. In der
Herausführung aus Ägypten, die zahlreichen Bewahrungen des Wüstenweges
eingeschlossen, hat Israel für alle Zeit die Garantie, daß Gott zu ihm steht.
Besonders für Zeiten der Anfechtung ist diese entfaltete Rettungserzählung
geschrieben- Ursprünglich fand Israel endlich Wasser- das begeisterte Erzählen
schmückte dann die Rettung aus.
Die
ausführliche Darstellung der Rettung aus Ägypten geschieht wohl als Israel ein
Königstum und einen Tempel hatte
mit Priesterschaft und Theologen und
gebildeten Schreibern. Da , als der Staat gegründet war suchte man nach seinen
Ursrpüngen, fand etwa im Miriamlied und den Geboten die ältesten Texte, aber zu
einem großen Gesamtwerk fand man erst die Kraft, als ein zweiter Auszug
bevorstand- nämlich die Rückkehr Israels aus dem Exil von Babylon und dann die
Neuaufrichtung des Tempels. Also vielleicht tausend Jahre liegen zwischen
Auszug aus Ägypten und der Buchwerdung dieser Geschichte. Und das mit der
Tendenz: Der Gott , der soviel Rettung schon an Israel vollbracht hat, der hat
ein neues vor, neue Rettung, neue Größe.
Auch
uns Heutigen können die
Rettungsgeschichten Israel noch Mut machen: Gott ist mit dir unterwegs zu Heil
und Frieden. Und er sagt dir: Mittels
aller Medikamente, Mediziner und Helfenden – ich bin der Herr, dein
Arzt.
Speisung mit Wachteln und Manna
Und
einige Zeit später murrte die ganze Gemeinde wieder gegen Mose und Aaron in der
Wüste. Und sie sprachen: Wären wir doch in Ägypten geblieben und da dann auch
gestorben Wir saßen an den
Fleischtöpfen und hatten Brot die Fülle. Was habt ihr uns herausgeführt in diese Wüste, dass ihr uns hier an Hunger sterben lasst.
Da
sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen,
und
werde euch am Abend Fleisch zu essen geben. Und am Abend kamen Wachteln herauf
und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag’s in der Wüste rund und klein wie
Reif auf der Erde und Israel fragt: Man ha? So nannten sie dann das Wüstenbrot
„Manna“, es schmeckte nach Semmeln mit Honig und Koriandersamen.
Und
Mose sprach zu ihnen: sammelt nur, was ihr heute esst. Niemand hebe etwas auf
bis zum nächsten Morgen. Aber etliche ließen doch davon übrig bis zum nächsten
Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend.
Und
die Israeliten aßen Manna vierzig Jahre lang, bis sie in bewohntes Land kamen;
bis an die Grenze des Landes Kanaan aßen sie Manna.
2.Mose
16
In
diesem Schlusswort ist Wunder und Verzweiflung gebündelt. Die Wüstenzeit war
Plackerei- da hat Israel sich zwischendurch oft zurückgesehnt nach dem zwar
unfreien aber doch versorgten Alltag in Ägypten. Und Gebot war, immer neu am
neuen Tag ausgeliefert zu sein der Gnade Gottes.
Erst
im Zusammenleben mit Gott und den Zehn Geboten lernte Israel (und damit die
Menschheit) Freiheit und Menschenwürde zu schätzen. Aber der Weg in die
Freiheit war Maloche, ist immer Mühe: Wie das Leben in freier Wildbahn
verglichen mit dem Zoo, wenn dieses Beispiel unserer nahen Verwandten gestattet
ist.
Wie Mose stark blieb
Es
kam das Volk Amalek und kämpfte gegen Israel in Refidim.
Da
sprach Mose zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und kämpfe gegen Amalek.
Morgen will ich oben auf dem Hügel stehen, und euch segnen.
Und
Josua tat, wie Mose ihm sagte, und kämpfte gegen Amalek. Mose aber und Aaron
und Hur gingen auf die Höhe des Hügels.
Und
wenn Mose seine segnenden Arme
emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Arme sinken ließ, weil sie
ihm schwer wurden, siegte Amalek.
Da nahmen die beiden einen Stein und legten ihn
so, dass Mose sitzen konnte. Aaron aber und Hur stützten ihm die Arme, auf
jeder Seite einer. So blieben seine Arme
erhoben, bis die Sonne unterging. Und Mose baute einen Altar und nannte
ihn: Der Herr ist mein Siegeszeichen.
2.Mose
17,8-15
Für
uns ist es schwierig, Gott als Kriegsherrn zu denken. Wir haben als
Deutsche selbst viel zu viele Kriege geführt , die wir auch gefördert von Kirche mit
Gottes Namen gehängt haben. „Mit Gott für Kaiser und Vaterland“ hieß die
Parole; und eine andere:„Gott strafe England“. Und wir sind umgeben von
Fundamentalisten, die im Namen Allahs den Krieg gegen westliche Freizügigkeit
ausrufen und andererseits die, die „Das Reich des Bösen „ meinen niederschlagen
zu müssen.
Israel
hat aus kleinsten Anfängen sich sein Gelobtes Land erobern müssen, tut es bis
heute noch. Israel sieht sich von seinem Gott angetrieben und befördert. Israel
geht davon aus, daß ihm das Land vom Urbesitzer der Erde versprochen ist.
Völker, die diesem Vorhaben Gottes im Weg stehen, wurden (und werden?) von
Israel beiseite gedrängt. Israel sieht sich kämpfend an der Seite des für
Israel kämpfenden Gottes. An Jesus geschult, sagen Christen: Krieg darf nicht
sein. Ob wir aber uns selbst daran halten, ob wir nicht etwa durch unsere
Zahlungskraft die Tische anderer leer essen? Gerade steigt in Mexiko der Preis
für Mais dermaßen, daß die Armen fürchten, auf ihre Tortillas verzichten zu
müssen- warum? weil die wohlhabenden Länder den Mais aufkaufen als Futtermittel
für ihr Vieh.
Doch
es ist ein starkes Bild, wie Mose mit segnenden Armen seine Krieger stärkt, und
wie ihm Helfer die Schultern darbieten, daß er gestützt, die Arme weiter zum
Himmel heben kann. Der Segen ist eine bittende Gebärde, welche die Kräfte
Gottes auf die Mitmenschen herableitet, herabfleht. Ob tatsächlich gute Kräfte
auf uns kommen, das bleibt Gott vorbehalten; uns bleibt nur starkes Bitten und
Vorarbeiten in Richtung des Erhofften.
Gott nimmt den Sinai zu seinem Sitz
Sie
lagerten in der Wüste am Berg Sinai. Der aber rauchte, der Herr fuhr herab auf
den Berg im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen
und der ganze Berg bebte sehr. Und der Posaune Ton ward immer stärker.
Als
nun der HERR herniedergekommen war auf den Berg Sinai, berief er Mose hinauf
auf den Gipfel des Berges und Mose stieg hinauf.
2.Mose
19, 18-20
Die
Geschichte Israels hat hier ihre Mitte. Es hat all der Kämpfe bedurft, all die
Mühen und Verzichte waren nötig, auch Gottes Langmut war letztlich nur gewährt
für dies eine Ziel: Die Zehn Gebote. Gott schenkt Israel und durch Israel der
Menschheit die Grundlagen der
Humanität. Israel sieht sich als Hüter des Willens Gottes. Der gipfelt in diesen Geboten und dem menschlichen Vermögen
zum Gehorsam. Noch viele andere Gebotskataloge bewahrt die Bibel, sie bewahrt
Reinigungsgebote und Essensgebote und Baugebote und Sabbatgebote die Fülle, daß
nur ja nicht die Heiligkeit Gottes beschmutzt werde. Aber die Zehn Gebote, der
Dekalog ist ethischer Sockel für die
ganze abendländische Gesetzgebung.
Majestätisch
ist die Szene. Nicht einfach vom Himmel gefallen sind die ehernen Worte.
Sondern das Volk lagert um den Gottesberg. Mose steigt dem Herrn entgegen,
Wolken entziehen dem Volk den Blick in die Höhe.
Die Zehn Gebote
Ich
bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft,
geführt habe. Du sollst keine anderen
Götter haben neben mir.
2. Mose 20, 2.3
Wer
darf das sagen: „Ich bin dein Gott“? Damit steht und fällt doch unser
Selbstbewusstsein, daß kein Mensch sich als unser Herr aufwerden kann. Und wenn
ein Mensch uns zwingt, ihm zu Willen zu sein, dann tut er Unrecht. Und ich tu
Unrecht, ihm aus der Hand zu fressen. Ich darf keinen Menschen aufblähen und
verzerren zu Gottähnlichem. Gott definiert sich als der, „Der dich aus der
Knechtschaft Ägyptens erlöst hat. Das galt zuerst für Israel, aber meint jeden
Menschen, gerettet aus der Nichtigkeit, aus dem Totgeweihtsein. Ich bin der
Herr dein Gott, der ich dich aus dem Nichtsein erlöst hat. Gott ist der, der dich ins Sein gerufen hat.
Nur der ist es wert, seinen Willen zu tun. Gemessen an Ihm,dem Erschaffer aller
dinge, ist alles andere Nichtgott. Dies erste Gebot sichert die gleiche Würde
aller Menschen, sie können mehr Geld haben oder mehr Einfluss, aber jeder soll
sich wichtig nehmen. Keiner soll sich kommandieren lassen, nicht sich abfüllen
lassen mit Parolen, keiner verächtlich denken von sich nicht, von andern nicht,
keiner soll eines andern Herr sein. Wir haben nur einen Herrn , alle andern
sind wir Brüder und Schwestern. Aus diesem Grundsatz gilt es, auf eine
geschwisterliche Menschheit hinzu leben.
Das zweite Gebot
Du
sollst dir kein Bildnis von Gott machen, bete sie nicht an und diene ihnen
nicht! Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
2. Mose 20, 4.7
Kein
Abbild von Gott, kein Imitat, kein Ideal, keine Vision! Wir sollen uns Gott
nicht vorstellen, da ja alle Vorstellungen aus dem Irdischen genommen sind und
nur ein gesteigertes Irdisches darstellen. Gott ist kleiner als ein Sandkorn
und doch ist im Sandkorn die ganze Energie Gottes präsent. Gott geht auf kein
Bild, weil er größer ist als die Welt in ihrem Jetztzustand.
Die
Ikone Gottes ist Jesus Christus, mit ihm haben wir Gott vor Augen, wie er zu
uns ist; Und vielleicht hält sich Gott Jesus Christus vor Augen, wenn er mal
wieder an den realen Menschen irre zu werden droht.
Keiner
darf sich zum Helden Gottes ausrufen oder zur Diva, keiner darf Unterwerfung
verlangen oder genießen. Im Überschwang kann der Reporter schon mal den
Schützen des Siegestores einen Fußballgott nennen- aber wie schnell diese
Größen vom Sockel gestoßen werden, das zeigt den himmelweiten Unterschied
zwischen Schöpfer und Geschöpf.
Bedrohlich -barmherzig
Ich,
der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter und
Mütter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich
hassen,
aber
Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
2.Mose 20, 5.6
Gott
ist Treiber des Werdens, er betreibt die Geschichte als Weg zum Reich Gottes,
wo Fried und Freude lacht. Geschichte
ist immer noch das Gegeneinder von Skrupellosen und Wehrlosen aber mit scharfem
Drang zur Versöhnung. Denn Gott will uns heil machen will. Diesem Ziel dient
auch die Bestrafung der Missetaten der Väter und Mütter noch an den nächsten
Generationen. Offenkundig ist die Verachtung
Deutschlands in der Welt nach Hitler für, zwei, drei Generationen. Und die Umweltkatastrophe fordert mit Wucherzinsen zurück, was
unser In- Saus- und Brausleben verdarb. Diese Heimsuchungen sind nicht
willkürlich prasselnde Strafen sondern
Folgen unseres Tuns. Gott setzt uns den Folgen unseres Tuns aus. Dies
jedoch mit unvergleichlich starker
Tendenz zum Retten und Zurechtbringen. Ungeheure Energien von Liebe strahlen in
die menschliche Gesellschaft ein; wir werden doch alle mehr geliebt, als wir
lieben.
Sonntag
Du sollst den Feiertag heiligen
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber
am siebenten Tage ist der Tag des Herrn. Da sollst du keine Arbeit tun, auch
nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht
dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. In sechs Tagen hat der Herr Himmel
und Erde gemacht und ruhte am siebenten Tage und segnete ihn.
2. Mose 20,8-11
Die
Woche zu sieben Tagen ist eines der ältesten Zeitschemata. Es ist
unveräußerliches Kennzeichen des Menschlichen, daß er einen Rhythmus für
Arbeiten und Ausruhen und gemeinsames Feiern braucht. Auch ist es ein Akt des
Vertrauens in die Lebensgrundlagen, daß sechs Tage Arbeit genügen für das
Auskommen an sieben Tagen.
Und
der Mensch braucht Zeit für die Seele, für Meditation, Gebet, Feier, Freude,
zweckfreie Gemeinschaft. Es ist ein hohes Gut, daß in unser aller Kalender der
Sonntag (der Sabbat) rot angestrichen und herausgehoben ist. Auch wenn wir
nicht zum Gottesdienst gehen, werden wir wollen, daß Gottesdienst gehalten wird
und das „Vaterunser“ auch in unserm Namen gesprochen wird.
Unsere
Gesellschaft hat viele persönliche Wünsche ausgebildet und lässt der
persönlichen Freiheit breiten Raum. Darum sind Dienstleistungen auch am Sonntag
nötig- etwa 15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung arbeitet auch sonntags-
ihnen sei Dank.
Das 4. Gebot
Du sollst Vater und Mutter ehren
2.Mose 20, 12
Eltern
achten , schätzen, ehren als die ersten Mitarbeiter Gottes- dies Gebot ist die
Brücke vom Gott achten und den
Nächsten. Denn die Eltern haben uns empfangen, haben uns auf die Welt gebracht
und großgezogen- weil wir ihnen anvertraut und zugemutet sind.
Eigenartig,
daß schon vor dreitausend Jahren dies Gebot mit ehernen Lettern den Erwachsenen
ins Herz gewuchtet wurde- anscheinend, war es immer nötig, der im Saft
stehenden Generation die Alten fürsorglich ans Herz zu legen.
Aber
auch die Alten werden noch besser lernen müssen, die Jungen zu ehren.
Vielleicht stehen die rüstigen Rentner auf und lassen in der Vorortsbahn den
Platz der müden Alleinerziehenden oder dem Erschöpften mit dem fahlem Gesicht.
„Wer ein
Jahr jünger ist, hat keine Ahnung.“ (M. Walser)- Ehren wir die Alten für ihre
Erfahrung und die Jungen für den weiten Raum, den sie noch zu bestellen haben.
Leben
schützen
Du sollst nicht töten. 2. Mose 20,13
So
rigoros, so ganz ohne Einschränkungen steht das Tötungsverbot auf den
Gesetzestafeln der Menschheit. In Indien heißt das Gebot: Du sollst nichts
Lebendigem den Atem nehmen- und meint auch die Tiere.
Schon
aus Eigeninteresse muß ich die Verpflichtung hochhalten, niemandem ans Leben zu
gehen. Aber wenn einer sich schon wie tot fühlt, zombiehaft, ,seelenlos,
verachtet, dann wiegt ihm des Andern leben auch nicht schwer. Wir müssen
einander zum Leben helfen, schon, weil jedes Leben Gott gehört.
Liebe! Und schütze Ehen
Du sollst nicht ehebrechen.
2. Mose 20 ,15
In der ersten Fassung der Gebote ging es nicht um die
Liebe sondern um Besitz; die Frau galt als Besitz des Mannes. Inzwischen haben
wir von Jesus gelernt und wissen, daß wir einander nicht gehören. Bestenfalls
gehören wir zueinander, wissen uns einander anvertraut, wollen uns schützen für
Herzeleid. Die Ehe, hat mal einer gesagt, ist das letzte große Abenteuer: Daß
zwei sich immer wieder einig werden wollen, die Freuden und Mühen des Lebens
–inklusiv Kinder, wenn sie gewährt sind- gemeinsam tragen, und gemeinsam alt werden -wenn es gewährt ist. Denn die
Liebe ist Gottes Atem, und der weht, wo er will. Wir können bestenfalls jetzt
(im Trauversprechen) sagen: „Ich will dich lieben und ehren bis daß der Tod uns
scheidet.“ Ohne dieses intensive Wünschen, darf man doch gar keine Ehe
eingehen. Aber ob wir uns solange lieben können, das ist offen.
Wieviel Befreundung neben der Ehe möglich ist, muß
jeder Mensch, jedes Paar selbst erfahren. Wichtig ist es, keinen, auch nicht
sich selbst, aus seiner Ehe herauszubrechen, sondern gerade auch des anderen
Ehe zu schützen.
Das siebte bis zehnte Gebot
Du sollst nicht stehlen, lügen, gieren, rauben
2.Mose 20,15- 17
Dem
Andern das Seine nicht nehmen sondern „ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern
und behüten“ (M. Luther), ist uns aufgegeben. Sein Hab und Gut nicht anrühren
und seine Ehre nicht- aber es ist ein dauerndes Ringen um Mein und Dein. Schon
die Liebe der Eltern, die Anerkennung der Freunde, die Zuneigung steht immer
auf dem Spiel und ob ich erarbeiten kann, was ich meine, nötig zu haben, muß in
Konkurrenz zu andern gewonnen werden. Anerkennung und Zeit und berufliche
Chancen sind knappe Güter, da kann man schon in Versuchung sein, mit rauem Ton
und harten Bandagen das Seine besorgen.
Am meisten wegnehmen lässt sich mit Sprache- über den Mund fahren, die Früchte
der Arbeit für sich reklamieren,
Beziehungen spielen lassen, anschwärzen, den Vorteil sich zurechtlügen.
Wie lassen wir dem Andern Seins, und sind mit dem Eigenen zufrieden?- Es ist
eine Lebensarbeit.
Die
Gebote zeigen Gottes Handschrift
Und
als der HERR mit Mose zu Ende geredet hatte auf dem Berge Sinai, gab er ihm die
beiden Tafeln des Gesetzes; die waren aus Stein und beschrieben von dem Finger
Gottes.
2.Mose
31,18
Uralt
ist die Vorstellung, Gott habe eigenhändig die Gebote in Stein gegraben. Es ist
dies ein starkes Bild für die heilige Urheberschaft. Die Gebote tragen die
eigene Handschrift Gottes und haben höchste Autorität bei sich. Sie sprechen
für sich.
Versucht
auch die Moderne, die ethischen Gebote ohne Gotesbezug hochzuschätzen, so
bilden die theologischen Gebote 1-3 doch den Sockel für alle Übrigen. Aus dem
Zugottgehören folgt, daß ich keinen Menschen aus seinem Gotteszusammenhang
reißen darf. Ist Besitz, Ehe und Ehre eine Gabe, dann ist Diebstahl auch ein
Angriff auf Gottes Verfügung.
Anbetung des goldenen Stieres
Als
aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zurückkam,
sprachen sie zu Aaron: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir
wissen nicht, was Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.
Und
Aaron gebot: Reißt ab die goldenen Ohrringe eurer Frauen, Söhne, Töchter und
bringt sie zu mir. Und er nahm das Gold von ihren Händen und bildete eine Form und goss ein Goldnes Kalb. Und sie
sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat! Und
sie brachten dazu Dankopfer dar. Dann setzte sich das Volk, um zu essen und zu
trinken, und sie standen auf zu wilden Spielen.
2.Mose;
32,1-6
Auch
wieder eine Menschen-Urgeschichte: Der große Führer scheint verloren gegangen
und mit ihm der Garant für die Nähe des Unsichtbaren Gottes. Das Nichtgreifbare
, das Unbegreifliche Gottes, ist auszuhalten, wenn wir uns an das Geliebte
halten. Gott ist unsichtbar, aber seine Wohltaten sind erkennbar. Gut, wenn ein
Mittler da ist, der die Gottesgnade im
Konkreten benennen kann. Mose war einer der größten Mittler der Menschheit. Int
ihm geschah die Heiligkeit anfaßbar, unter seiner Führung wurde aus dem Herumirren
ein Weg und aus dem Schreien zu Gott die Ahnung von Rettung.
Aber
sobald das Bild Gottes, seine Ikone bei den Menschen fehlte, wurden sie
ungeduldig und unsicher und wollten ein Faustpfand für Gott, wollten einen Gott
zum Anfassen. Und so „verwandelten sie die Herrlichkeit Gottes in das Bild
eines Ochsen, der Gras frisst (Psalm 106,20).
Besitz
und Zeugungsfähigkeit sind des Menschen stärkste Mächte. Besitz gibt Herrschaft
und Sexualität gibt Leben. Der Stier steht für
Zeugungskraft und ist Sinnbild
dafür, ins Leben zwingen zu
können. Gold steht für macht und
Herrlichkeit. Der „Tanz ums Goldne Kalb“ ist sprichwörtlich geworden für
Anbetung von nackter Gier.
Moses Fürbitte
Als
Mose vom Berg herabstieg und das Spektakel sah, wandte er sich an Gott. Der
sprach: Das Volk vergisst schnell, was ich ihm Gutes tat, ich zürne über sie.
Mose
aber flehte: Ach Gott, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du
mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Warum sollen
die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie
umbrächte? Lass dich des Unheils gereuen. Und Gott ließ ab von seinem Zorn.
2.Mose
32,7-14
Es
ist die rettende Erfahrung Israels: Der Grund aller Dinge ist oft enttäuscht
über seine Menschenbrut. Aber er kann sie nicht von sich stoßen, er hat zuviel
Herzblut an sie –besonders an Israel- verwandt. Mose spricht diesen inneren
Konflikt in Gott an. Und wir zehren ja auch von Gottes Großmut- Er darf die
Erde nicht verloren geben, sonst steht er ja als Verlierer da. Wir dürfen aber
daraus kein Geschäft machen. Die Liebe leidet, das ist ihre Tragik. Wehe. wir
sind nur lachende Zuschauer des Niedergangs der Erde.
Gestopfte Mäuler
Als
Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein
Zorn und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer
zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab’s
den Israeliten zu trinken.
2.Mose
32,19
Auch
ein Urbild der Menschheit: Daß man den eigenen Mist fressen muss, den man
angerichtet hat: Das Gold, mit der Asche zu Pulver vermahlen, wird denen, die
Gott vergessen haben eingetrichtert. Sie müssen an dem Ersticken, was sie zu
ihrer Glorie aufrichteten. Es ist eine andere Art des zerbrochenen Babylonischen
Turmes. Turm und Stier sollten Bauwerke
sein, die der Menschen Größe demonstrierten. Aber Größe aus Gottvergessenheit
kann nur zu fall kommen. So müssen sie ihren eigenen Unrat löffeln.
Gott wissen
aber nicht sehen
Gott redete mit Mose wie ein Mensch mit seinem
Freunde redet. Gott sprach zu ihm: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und
ich kenne dich mit Namen. Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen!
Und Gott sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen
lassen und will vor dir kundtun mein Wesen: Gnade und Erbarmen ist mein Wesen.
Aber mein Angesicht kannst du nicht
sehen; denn kein Irdischer kann mein Antlitz aushalten. Aber meine Nähe sollst
du erfahren. Es ist ein Raum bei mir,
da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht,
will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich
vorübergegangen bin.
Dann
will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen .
2.Mose
33, 11,17-23
Wir
können nur seine Wohltaten sehen, nicht Ihn von außen. Grandios, wie Mose das
„gesteckt bekommt“-für uns mit. Obwohl Mose
einer der Nächsten zu Gott ist, lässt Gott sich ihm nicht blicken. Den
Abglanz seines Antlitzes legt er auf die Gesichter der Säuglinge und der Liebenden,
aber er will verborgen bleiben in allen Gesichtern und Blumen und allem
Sonnenleuchten. Es gibt Ereignisse, da haben wir Gottes Nähe unmittelbar
gespürt, da ist uns die Beglückung der
Gegenwart Gottes geschehen- es ist, als wären wir in einem Spalt gesessen, den
Gott beim Erscheinen uns verdunkelt hat. Es ist seine Hand, mit der er sich uns
verstellt. Wir können Gott hinterhersehen - wie er uns das Kind in den Arm
gelegt hat oder uns neu geboren hat nach einem Unfall. Das ist doch viel.
Manchmal schon zu viel.
Nächstenliebe
Und
der HERR redete mit Mose und sprach:Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten
und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer
Gott.
Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR. Wenn ein
Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.
Er
soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben
wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin
der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat.
3.Mose
19.1.2.18b,33.34
Viele
Gebote und Gesetzessammlungen aus verschiedenen Epochen werden unter die Autorität des Mose
gestellt. Besonders wichtig ist das Gebot der Nächstenliebe und das der Fremdenfreundlichkeit. Den Nächsten lieben wie man sich selbst
liebt- das rückt den Andern sehr, sehr nahe. Jedenfalls ist es eine eherne
Messlatte: Was wünschst du dir an seiner Stelle? Es bleibt Auftrag, auch die dir
Lästigen zu achten und dem Rivalen fair zu begegnen. Mitgesetzt mit diesem
Gebot ist: Du sollst dich selbst lieben. Du sollst dich achten als Gottes
geliebte Schöpfung- also meine es gut mit dir und stell dir nicht oft selbst
ein Bein.
Als
Testfall für die Nächstenliebe wird uns der Fremde aufgegeben. Sein Bedürfnis
zu spüren und sein obdachloses Außenseiterdasein zu wenden, ist
Menschenpflicht. Wir waren ja auch
schon Fremde - und wie gut tat da der eine, der uns herwinkte und Platz
anbot und einfädelte in Gesprächsrunde oder Nachbarschaft.
Der große
Segen
Gott
redete mit Mose und sprach:
Sage
Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie
segnet:
„Der
Herr segne dich und behüte dich;
der
Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der
Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“
Denn
ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
4. Mose 6,22-27
Segnen fleht die heilenden Kräfte Gottes auf Menschen
herab. Mit großer Inbrunst spannt der Segenspender die Arme aus, oder berührt
mit beiden Händen seitlich den Kopf des zu Segnenden, er spricht diese
intensiven Behütungsworte als Widmung, als Weihe, als Gebet, als Gelübde fast.
Und Christen schlagen zur Bekräftigung das Kreuz über Gemeinde oder Paar oder
dem Einzelnen.
Die Bibel sagt es noch genauer: Es gilt, den Namen
Gottes aufzulegen, daß Gott segne. Also nicht die Priester oder Eltern segnen,
sie bitten um den Segen, sie stellen unter Gottes Schutz, unter dem der
Betroffene ohnehin steht, aber sie vergewissern, sie benennen nocheinmal das
Haus aus Segen, das Gott tagtäglich neu errichtet mit seiner Segensenergie.
Gut, wenn wir beim Abschied dem geliebten Menschen
mehr zu bieten haben als die Mahnung: “Pass auf dich auf.“ Geben wir ihm mit:
„Bleib behütet; sei und bleibe von guten Mächten wunderbar geborgen.“
Sehnsucht nach dem verheißenen Land
Nach vielen Jahren Wüstenzug schickte Mose
Kundschafter los in Richtung Gelobtes Land.
Und sie kamen bis an den Bach Eschkol und schnitten
dort eine Rebe ab mit einer Weintraube und trugen sie zu zweien auf einer
Stange, dazu auch Granatäpfel und Feigen.
Und nach vierzig Tagen, als sie das Land erkundet
hatten, kehrten sie um,
und brachten Kunde, wie es stand, und ließen sie die
Früchte des Landes sehen:
Und sie erzählten ihnen und sprachen: Wir sind in das
Land gekommen, in das ihr uns sandtet; es fließt wirklich Milch und Honig darin
und dies sind seine Früchte.
4. Mose 13, 23,25-27
Durch das Volk Israel hat Gott viel der Menschheit
beigebracht: Gott ist ohne Abbild, darum ist auch die Natur nicht als „Double“ Gottes zu ehren, sondern sie ist
dem Menschen zu Nutz freigegeben (und anvertraut). Und die Gebote. Und eine
Befreiung vom Ring der ewigen Wiederkehr hin zu einer Geschichte mit Ziel; die
Menschheit wird ausgerichtet auf die Zukunft und stark mit Hoffnung
imprägniert. Israel verdanken wir starke Bilder zukünftiger Freude: Etwa das
Goldene Jerusalem, von dem gutes Recht ausgeht. Und die völlig dem Menschen
dienende Natur, abgebildet in der nur von zwei Männern zu tragenden Traube und
dem Land, darin Milch und Honig fließt. So stark die Bilder auch sind- sie
werden an die Wand der Zukunft geworfen. Sie wollen eingelöst werden in
Befreundung von Gott und Mensch. Sie sind Utopie (ou topos= hat noch kein Ort),
die Verheißungen Gottes gelten jeder Generation und brauchen in jeder
Generation die passende Verwirklichung.
Das verheißene Land rückt in weite Ferne
Aber die Männer, die nach Kanaan gezogen
waren, sprachen: Wir vermögen nicht hinaufzuziehen gegen dies Volk, denn sie
sind uns zu stark.Wir sahen dort auch Anaks Söhne aus dem Geschlecht der
Riesen, und wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken und waren es auch in
ihren Augen.
Da fuhr die ganze Gemeinde auf und schrie,
und das Volk weinte die ganze Nacht. Und alle Israeliten murrten gegen Mose und
Aaron und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach dass wir in Ägyptenland
gestorben wären oder noch in dieser Wüste stürben!
Warum führt uns Gott in dies Land, damit wir
durchs Schwert umkommen? Ist’s nicht besser, wir ziehen wieder nach Ägypten?
Und Gott sprach zu Mose: Wie lange lästert
mich dies Volk? Und wie lange wollen sie nicht an mich glauben trotz all der
Zeichen, die ich unter ihnen getan habe? Ich will sie mit der Pest schlagen und
sie vertilgen und dich zu einem größeren und mächtigeren Volk machen als
dieses.
Mose aber sprach zu Gott: Dann werden’s die
Ägypter hören und sagen:
Ihr Gott vermochte es nicht, dies Volk in
das Land zu bringen, das er ihnen zu geben geschworen hatte; darum hat er sie
hingeschlachtet in der Wüste. So lass nun deine Kraft, o Herr, groß werden.
Vergib nun die Missetat dieses Volks nach
deiner großen Barmherzigkeit. Und Gott
sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. Aber so wahr ich lebe
und alle Welt der Herrlichkeit Gottes voll werden soll: Keiner von denen, die
auszogen, soll einziehen in das gelobte Land. Eure Leiber sollen in dieser
Wüste verfallen. Eure Kinder aber, von denen ihr sagtet: Sie werden ein Raub
sein, die will ich hineinbringen, dass sie das Land kennen lernen, das ihr
verwerft.
4.Mose 13, 28.30 ; 14,1–31(in Auswahl)
Diese
Erzählung ist sechshundert bis tausend
Jahre jünger als der Wüstenaufenthalt
Israels. Die Priester-Schreiber haben ihre Gegenwart im Blick. Wieder wartet
Israel als verlorener Haufen im Exil, wieder kommt die Kriegsgeneration nicht
heim, aber hoffentlich die Enkel, die Urenkel. Wieder kann es nicht sein, daß
Gott sie vergessen hat, wie würde Er sonst vor den Völkern blamiert dastehen,
daß Er sein Volk an den Wassern
Babylons sich tot weinen lässt. Wieder
lehren die Propheten wie vorher Mose, daß mangelndes Gottvertrauen das ganze
Schlamassel heraufgeführt hat.
Die
Wüstenzeit ist für Israel im Ideal die
Verlobungszeit des Volkes mit seinem Gott. Dort lernten sie: „Gott wird für
euch streiten und ihr werdet stille sein“ (2. Mose 14,14). Aber die ferne
Wüstenzeit war auch Vorbild für eine Hoffnung mit bitterem Geschmack. Was nur Übergang sein sollte, Wegstück vom Auszug aus dem Knechtshaus Ägypten bis
zum Einzug nach Kanaan- wurde Schmerzenszeit,
zerdehnte Zeit- man war des ewigen Anfangs müde geworden (M. Sperber).
Ganze
Generationen lagen wüst, ohne Gottesdienst, ohne Aussicht, Gott und ein
gelobtes Land zu schauen, ohne überhaupt Spuren zu hinterlassen. Aber
irgendwann schlug eine Generation Feuer aus der Asche, ein Heerführer hörte
Gottes Ruf: Jetzt geht’s über den Jordan.
Heute und uns gibt Gott die Gebote
Der
Herr, unser Gott, hat einen Bund mit uns geschlossen am Sinai
und
hat nicht mit unsern Vätern diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir
heute hier sind und alle leben. Er hat von Angesicht zu Angesicht mit euch aus
dem Feuer auf dem Berge geredet.
5. Mose 5,2-4
Schon
früher hatten die Gläubigen das Problem, dass ein „garstig breiter
Graben“(Lessing) sich auftut zwischen ursprünglicher
Gottesbegegnung und dem heutigen Zehren davon. Die lange Historie hat die Kraft
der ersten Liebe ausgeglüht. Da muss eine neue Erweckung geschehen, die
Gegenwärtigen sind gleichgestellt mit den ersten Zeugen: Heute hören wir Gottes
Stimme in den Geboten. Und wir leben in Gottes Gegenwart, vor seinem Angesicht.
Die Vorigen waren nicht näher dran. Wir sind Gottes Kinder, jetzt.
Den
Priestern im 6. Jahrhundert vCh war die aktuelle Gottesbegegnung so wichtig,
daß jetzt die wahre Gesetzesverkündigung geschieht. Das muß uns ein Beispiel
sein, heute Gott gegenwärtig zu finden. Jetzt ist Sinai, und ich gehorche oder
nicht.
Jetzt mit in Ägypten
Wenn
dich nun deine Kinder morgen fragen werden: Was sind das für Vermahnungen,
Gebote und Rechte, die euch unser Gott, geboten hat? (5. Mose 20) ,Dann sollst du sagen vor: Mein Vater war ein
Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein
Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches
Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten
uns einen harten Dienst auf.
Da
schrien wir zu dem Herrn, dem Gott unserer Väter. Und der erhörte unser
Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten
mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen
und Wunder, und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch
und Honig fließt.
5.Mose
26,5-9
Unseren
Glauben schütteln wir uns nicht aus dem Ärmel. Wie man die Stadt nicht gebaut
hat, in der man wohnt, so ist man auch in den Glauben eingezogen, der einen
trägt, an dem man auch weiterbaut, der aber jedenfalls seine Basis in denen vor uns hat. Heute mit schnellem
Internet und Patch-workfamilien verflüchtigt sich die Tradition. Wer erbt schon
einen Jahrhunderte alten Bauernhof mit eingeschnitztem Stammbaum der Vorfahren.
Allein schon das Verlorengehen der Gräber zeigt ein vollkommenes Aufgehen in
der Gegenwart. Jetzt gilt es die Chancen zu ergreifen, jetzt muß man
überzeugen, jetzt flexibel und gewinnend sein. Als wäre die einzige Tradition,
die zählt, das Geld.
Und
doch haben wir Sehnsucht zu einem guten Ganzen zu gehören. Aber die
Fußballbegeisterung und Vereinstreue können einen nicht tragen. Gut, wer seine
Familie hat, und weiß, wo er hingehört. Aber auch die Kleinfamilie kann nicht
ewig bleiben. .
Gibt
es was, was immer hält? Was mich immer hält?
Als
der Rest des zerschlagenen Israels nach Vertreibung und Exil wieder in seine
alte Heimat kam, war die verwüstet und leer.
Was hatte man da an innerem Halt? Was konnte einem Kraft für Zukunft
geben? Die Priesterschaft rief den Bau eines neuen Tempels aus und erklärte die
Rückkehr aus Babylon als erneuten
Auszug aus Ägypten und als neue
Verkündung des Bundes mit seinem Gott. Dazu half es, daß Israel sich
identifiziert mit den Vätern und Müttern des Glaubens und dem Volk Israel, das
ins gelobte Land Einzug hält.
Ähnlich
sangen sich die schwarzen Sklaven auf den Tabak-Feldern Virginias ihrer
Befreiung entgegen, indem sie sich gleichsetzten mit dem Israel, das vor Pharao
auszog.
Wir
sind mit der Kirchengliedschaft auch
zugehörig dieser langen Tradition. Darum ist es so wichtig, daß wir Eltern und
Großeltern unsere Kinder und Enkel einweihen in das Zusammengehören mit Israel
und den frühen Christen und den
Generationen, in denen Kirche die Gesellschaft mitgeprägt hat.
Der große Mose bleibt zurück
Und
Mose stieg aus dem Jordantal auf den Berg Nebo, gegenüber Jericho. Und Gott
zeigte ihm das ganze Land Gilead bis hin nach Dan und das ganze Naftali und das
ganze Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis an das Meer im
Westen und das Südland und die Gegend am Jordan, die Ebene von Jericho, der
Palmenstadt, bis nach Zoar.
Und
Gott sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob
geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. - Du hast es mit deinen
Augen gesehen, aber hinübergehen sollst du nicht.
So
starb Mose im Land Moab, und Gott begrub seinen Knecht dort. Und niemand hat
sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.
Mose
war hundertundzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach
geworden und seine Kraft war nicht verfallen. Und es stand hinfort kein Prophet
in Israel auf wie Mose, mit dem Gott sprach
von Angesicht zu Angesicht,
5. Mose 34
Mit Wehmut schließt die große Geschichte von Moses.
Viel Idealisierung ist im Laufe der Jahrhunderte an seine Person angewachsen.
Doch schon die Urfigur muß große Kraft gehabt haben. Mose hat für immer Gott
mit Zukunft und Verheißung und Gebot verbunden und hat Israel an Gott gebunden,
Mose ist der Architekt des Bündnisses: „Ich will euer Gott sein und ihr sollt
mein Volk sein.“ Bei allem Ungehorsam gibt er Israel und damit der Menschheit
ein Existieren vor Gott „auf Augenhöhe“. Gott muß ihm sehr geliebt haben. Und doch hat Moses gemordet,
hat gezweifelt und gehadert. Dem Volk Israel blieb immer im Gedächtnis, daß
dieser Große draußen vor der Tür bleiben musste. Aber Gott hat
ihn von eigener Hand beerdigt- was meinen kann, Gott hat ihn mitgenommen; Mose
ist immer bei ihm.
Die Landnahme
Nachdem
Mose gestorben war, sprach Gott zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:
Mein
Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du
und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, zugesagt habe.
Von
der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große
Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein.
Es
soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so
will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.
Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir
nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in
allem, was du tun wirst.
Josua 1,1-6.9
Josua
(„Gott ist Retter“) ist die sagenhafte begnadete Figur, mit der Gott seinem
Volk Heimatland beschafft. – Das biblische Buch Josua ist Teil des großen
Geschichtswerkes, das die fünf Bücher Mose, die Bücher Josua, Richter, Samuel
und Könige umfasst- 417 von den 906
Seiten des Alten Testamentes. Es hat die Zeit vom Schöpfungsanfang bis zum Ende
des Reiches Israel zu, Thema. Es wurde geschrieben in der babylonischen
Exilgemeinde- nach 587 war ja Jerusalem und sein Tempel zerstört
und die gesamte Oberschicht war nach Babylon verschleppt worden. Dort hatte die
Priesterschaft Zeit, nachzudenken den Weg Gottes mit seinem störrischen Volk
und eine Prophetie zu wagen auf künftige Heimkehr und neues Erstarken unter
Gottes Führung. So nahm man die ferne Erinnerung an die Landnahme als
Hoffnungsmaterial für den Blick nach vorn. Man wartete auf einen neuen Führer
und einen erneuerten Glauben.
Natürlich
haben die Geschichten des Josua einen historischen Kern. Der aber ist nicht
mehr isoliert zu finden. Was uns geblieben ist, ist das starke Gewebe des
Glaubens an den geschichtsmächtigen Gott, der mit seinem Volk durch Leid zur
Freude geht. Darum sind auch uns die Erfahrungen Israels ,sei es aus dem 12.
oder 6. jahrhundert v. Chr , hilfreich. Jeder Einzelne ist eingeladen, sich in der wiederholten Geschichte
eingebettet zu finden.
Jeder
darf auf sich beziehen die wunderbare Zusage Gottes an Josua. Etwa bei der
Konfirmation wird dieses starke Segenswort weitergesagt in die nächste
Generation: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist.
Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn Gott, dein Gott, ist mit
dir in allem, was du tun wirst.“-
„Gott
mit dir!“ Du bist nicht allein. Es ist eine starke Energie bei dir. Du kannst
beherzt an deine Sache gehen. Natürlich ist Gottes Beistand kein Freibrief für
Dummheit und Angeberei. „Gott bei dir“-das
macht dich sanft, klug, barmherzig, es entfeindet dir die Welt, du provozierst
nicht. Aber es braucht eine lange Zeit in der Schule Gottes, ihn eben nicht
als Volks-Gott, oder Deinen Privat-Gott -als Garant für deine Vorteile zu
sehen. „Gott mit dir“ macht dich nicht zum Sieger.- Das hat Israel in seiner langen Geschichte
mühsam gelernt, das hat Deutschland gelernt, dessen Soldaten einst
Koppelschlösser mit der Aufschrift „Gott mit uns„ trugen. Und das muss ich
lernen, der ich meinte, auf Erfolg und
Gesundheit ein Recht zu haben.
Die Kundschafter in Jericho
Josua
sandte zwei Kundschafter aus: Geht hin, seht das Land an, auch Jericho. Sie
gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort
ein.
Das
wurde dem Fürst von Jericho angezeigt. Der ließ Rahab auffordern, die Männer herauszugeben, es seien Spione. Aber
die Frau verbarg die beiden; Sie hatte sie aufs Dach steigen lassen und unter
Flachsstängeln versteckt.
Und ehe die Männer sich schlafen legten,
stieg sie zu ihnen hinauf auf das Dach
und
sprach zu ihnen: Ich weiß, dass Gott euch das Land gegeben hat; denn ein
Schrecken vor euch ist über uns gefallen; wir haben gehört, wie Gott das Wasser
im Schilfmeer ausgetrocknet hat für euch. Seitdem ist unser Herz verzagt und es
wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn euer Gott ist allmächtig.
So
schwört mir nun bei Gott, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass auch
ihr an meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut, und gebt mir ein sicheres
Zeichen,
dass
ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern
und alles, was sie haben, und uns vom Tode errettet.
Die
Männer sprachen zu ihr: Tun wir nicht die Treue an dir, wenn uns Gott das Land
gibt, so wollen wir selbst des Todes sein, sofern du unsere Sache nicht
verrätst.
Da
ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hernieder; denn ihr Haus war an der
Stadtmauer. Die Männer sagten „Lebewohl“ und vesprachen:
Wenn
wir ins Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, durch
das du uns herniedergelassen hast, und zu dir ins Haus versammeln deinen Vater,
deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus.
Sie
sprach: Es sei, wie ihr sagt!, und ließ sie gehen. Und sie gingen weg. Und sie
knüpfte das rote Seil ins Fenster. Die Männer kamen heil zurück zu Josua und sprachen: Gott hat uns das ganze
Land in unsere Hände gegeben. Das Land steht offen für uns.
Josua 2
Rahab,
die „Männerfreundin“ hat im Jüdischen Heiligenkalender einen guten Namen. Sie
hat Gott geholfen, seinem Volk zur Heimat zu verhelfen. Rahab spiegelt, wie
Israel das Heilswerk gerne sieht: So
gewaltig ist Gottes Einsatz für sein Israel, daß die andern Völker nur zittern
können, ja, zur Verfügungsmasse
„Heiden“ herabgestuft werden.
Die sehen Israels Gott als allmächtig- im Vergleich zu ihren kleinen Lokalgöttern
und sagen: „Unser Herz ist verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen;
denn euer Gott ist allmächtig.“-
So
darf es Israel wohl sehen, aber der an Jesus geschulte Glaube weiß, daß Gott
nicht das Glück der einen Kinder mit dem Unglück seiner anderen Kinder erkauft.
Wohl sind die Vorräte an Land, Wasser, Nahrung knapp, und wir Menschen finden
uns in Volks- und Interessenverbänden
zusammen –um unseren Anteil uns zu sichern, auch gegen andere. Aber Gott will nicht Krieg, will auch nicht vereinnahmt
werden als „unser“ Gott.
Und
doch haben immer Menschen für Siege gedankt und für Niederlagen Buß-und Bettage
ausgerufen. Israels Einzug ins gelobte Land war ein Jahrhunderte lang dauerndes
langsames Einsickern und Sichfestkrallen. Erst im Rückblick wurde es zum kurzen
großen Triumphzug, wobei die Einnahme Jerichos und die Hilfe Rahabs ein
Markstein war.
Eine
kleine Kostbarkeit am Rande: Der rote
Faden, den wir oft brauchen, hat hier einen frühen Ort.
Die Einnahme Jerichos
Unter
Josua waren sie ins Land Kanaan gezogen. Sie hatten den Jordan durchquert,
indem sie die Bundeslade mit den Gesetzestafeln mitten im Fluss absetzten. Und
die Fluten stauten sich, daß sie hindurchzogen . Und sie kamen zur großen Stadt
Jericho.
Jericho
aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, sodass niemand heraus-
oder hineinkommen konnte.
Aber
Gott sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem Fürsten und seine
Kriegsleuten in deine Hand gegeben. Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt
herumgehen einmal und tu so sechs Tage lang. Und lass sieben Priester sieben
Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die
Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen. Und wenn man die Posaune bläst
und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei
erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer
einfallen und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen und die Stadt einnehmen. Und so geschah es.
Josua 6,1-5
Die
Posaunen, die Jerichos Mauern umbliesen, sind berühmt. Sie stehen für die Hand
Gottes, die auch das Unmöglichscheinende möglich machen kann. Wenn sie will.
Dürfen wir Gott bitten, zu unserm Vorteil und anderer Nachteil ins Geschehen
einzugreifen? Gottes Wesen ist Kraftvergeudung, ist Verschwenden von Liebe.
Gott weiß auch unsere Wünsche zu sortieren. Er tut nichts Unrechtes. Darum
erfüllt er unsere Wünsche mehr, indem er es anders macht als von uns
erhofft. Hinterher sehen wir, was
richtig war.
Ob
die Mauern wankten durch den Hall der Posaunen? Israel erzählt es. Wenn ein hoher Ton Gläser splittern lassen
kann, können auch Posaunen Mauern eindrücken, warum nicht? Israel erzählt, daß
der Einzug ins gelobte Land eine Kette von Wundern war. Ist mein, dein Leben
nicht auch wunderbar?
Die
„Posaunen von Jericho“ sind auch ein Bild für Geistige Kraft, die siegt. Nicht
nur „Heer oder Macht“ sondern Gottvertrauen und Willen und
geistiges Ringen bewegen die Welt.
Welche
Mauern müssen bei dir einstürzen, daß dir neues Leben blüht?
Entscheidet euch
Josua
sprach zum Volk. Achtet Gott, dienet ihm recht und lasst die falschen Götter
fahren., Gefällt es euch aber nicht, dem einen Gott zu dienen, so wählt euch
heute, wem ihr dienen wollt: Ich aber und mein Haus wollen Gott, dem Herrn
dienen.
Josua 21, 13.14
Entschieden
werden muß sein. Gott dienen- das ist zuerst ein Nein zum Dienen dem Geld, der
Karriere, dem Siegersein. Gott dienen ist seiner Schöpfung dienen- Mitmensch,
Mitkreatur sein- nicht zertreten sondern zum Gedeihen helfen, was mutmaßlich
der Herr gedeihen lassen will. Gott dienen- ist auch, sich seiner Wohltaten
bedienen, Taugen, jenseits von Leistung; sich schwach zeigen dürfen; neu
anfangen können. Täglich gibt es ein Entweder-Oder. Machen wir es richtig.
Josuas letzte Vermahnung
Und
nach langer Zeit, als Gott Israel Ruhe
gegeben hatte vor allen seinen Feinden ringsumher und Josua nun alt war, berief
er ganz Israel und sprach zu ihnen: Ich bin alt und hochbetagt, und ihr habt
alles gesehen, was euer Gott, getan hat an allen diesen Völkern vor euch her;
denn euer Gott, hat selber für euch gestritten.
Seht,
ich hab euch diese Völker, die noch übrig waren, durchs Los zugeteilt, einem
jeden Stamm sein Erbteil, alle Völker, die ich ausgerottet habe vom Jordan an
bis zum großen Meer, wo die Sonne untergeht.
Und
der Herr, euer Gott, wird sie vor euch ausstoßen und vor euch vertreiben, und
ihr werdet ihr Land einnehmen, wie euch euer Gott, zugesagt hat.
So
haltet nun ganz fest daran, dass ihr alles tut, was geschrieben steht im
Gesetzbuch des Mose, und nicht davon weicht, weder zur Rechten noch zur Linken,
damit ihr euch nicht mengt unter diese Völker, die noch übrig sind bei euch,
und nicht anruft und schwört bei dem Namen ihrer Götter noch ihnen dient noch
sie anbetet,
sondern
dem Herrn, eurem Gott, anhangt, wie ihr bis auf diesen Tag getan habt.
Der
Herr hat vor euch große und mächtige Völker vertrieben, und niemand hat euch
widerstanden bis auf diesen Tag. Einer von euch jagt tausend; denn der HERR,
euer Gott, streitet für euch, wie er euch zugesagt hat. Darum achtet ernstlich
darauf um euer selbst willen, dass ihr den Herrn, euren Gott, lieb habt.
Josua 23
Israel
blickt zurück auf seine glücklichste Zeit: Die Zeit der Landnahme – die aber so
ideal und schnell gar nicht vonstatten ging.
Als Israel sesshaft geworden ist unter seinen Königen ab 1000 vor Chr.,
da war im traumhaften Rückblick Gott der wunderbare Held gewesen, der den zwölf
Stämmen Israels Heimstatt gab.
Unter
dem Namen Josua ist eine Landnahme von Jahrhunderten zusammengezogen. Die hat
Gott hervorgebracht für sein Volk –und ein Leben in Gehorsam wäre die einzige
richtige Antwort. Die Priester des 6. Jahrhunderts schreiben das große
Geschichtswerk von der Schöpfung bis zum Heimatfinden Israels im Gelobten Land.
Gerade weil die Gegenwart anders
aussieht, sie ist gezeichnet von Armut, Mutlosigkeit, Ungehorsam und Verweltlichung.
Die Propheten müssen Schwerstarbeit leisten, um Gott noch Gehör zu verschaffen.
Ein Wiedererrichten des Tempels steht an. Da ist es gut zu erinnern, welchen
allmächtigem Gott Israel an seiner Seite hat, auch wenn die goldnen Zeiten
innigen Einvernehmens weit zurückliegen.
Richter
Es
sollen umkommen, Gott, alle deine Feinde! Die ihn aber lieb haben sollen sein,
wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!
Richter 5,31
Im
Buch Richter sind Geschichten der Eroberung Kanaans durch Israel versammelt.
Immer wieder taucht der Satz auf „und sie konnten nicht einnehmen“. Doch auch
ermutigende Geschichten sind hier überliefert. Groß ist der Stoßseufzer:
„umkommen sollen alle Feinde Gottes!
Israel sieht sich als Streiter für die Ehre des Allmächtigen. Israel
hält es für ausgeschlossen, diesem Gott nicht die Ehre zu geben. Aus Sicht
Israels ist es ein Gott zum Lieben, weil er sich für dieses kleine Volk so
müht. Und sie selber sollen strahlen,
die Gottes Namen zum Strahlen bringen.
Die Verheißung gilt auch uns. Gott lieben macht schön- es verklärt die
Züge, nimmt den Hass, es schafft Frieden. Gott lieben hilft, sich selbst
annehmen und den Nächsten.
1.
Samuel
Hanna,
die Frau von Elkana hatte keine Kinder. Aber nach viel Warten und Beten empfing
sie und gebar Samuel-„ich habe ihn von Gott erbeten“.
Sie
jubelte und sprach:
Mein Herz ist fröhlich in Gott,
mein Haupt ist erhöht.
Niemand ist heilig wie der Herr, außer dir ist keiner,
und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
1.Samuel 1.20; 2,1.2
Eine
ganz persönliche Not wird gewendet. Und ein jauchzendes Lied findet ins Freie,
ein Triumphlied, in das ein Volk seine Not und Rettung mit einzeichnen kann. Es
ist ein Heilsruf voller Kraft bis heute.
Die
Geburt eines Kindes wird als Schöpfungswerk erlebt. Hanna sieht ihren
persönlichen Mangel gewendet, sieht sich als Mitarbeiterin Gottes, als
Mitschöpferin. Hat nicht jede Frau, die ein Kind geboren hat, dieses grandiose
Gefühl, den Sohn, die Tochter Gottes zur Welt gebracht zu haben? Hanna
jedenfalls sieht sich „erhöhten Hauptes“. Und erlebt sich als Verkünderin des
Glanzes Gottes.
Der das Wechselbad des Lebens anrichtet
Der Bogen der Starken ist zerbrochen,
und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.
Die da satt waren, müssen um Brot dienen,
und die Hunger litten, hungert nicht mehr.
Die Unfruchtbare hat sieben geboren,
und die viele Kinder hatte, welkt dahin.
1. Samuel 2,4.5
Es
ist eine besondere Leidenschaft Gottes, die Erniedrigten aufzuheben. Und die
Hungrigen wieder zu sättigen. Starke sollen nicht stark bleiben, schwache nicht
schwach. Wandel treibt die Geschichte. Die Mächtigen haben keine Garantien;
“ein Wörtlein kann sie fällen“ (M.Luther).
Beides
Der Herr tötet und macht lebendig,
Er führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
Der HERR macht arm und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
Er hebt den Dürftigen aus dem Staub
und erhöht den Armen aus der Asche,
dass er ihn setze unter die Fürsten.
Denn der Welt Grundfesten sind des Herrn.
1.Samuel 2,6-8
Alle
Macht, alle Energien gehören Gott. Leben anrichten, es erhalten und dann auch
ausgehen lassen ist seine Sache. Aber er hat keine Freude an Schmerzen, Jammer,
Tränen. Seine Leidenschaft ist Freude, Liebe, Gelingen. Doch der Lauf der Natur
zerstört auch, und seine geliebten Menschen können zu Mördern werden. Und es
ist seine Natur und es sind seine Menschen.
Gott
übernimmt für alles letztlich die Haftung, der Fluß des Lebens fließt in ihm,
alles Grauen fällt auf Gottes Seele.
Darum aber hat aller Jammer Hoffnung bei sich, alle Tränen der Nacht warten auf
den neuen Morgen. Schon ist Aussicht auf
Besserung. Schon werden viele Arme gerettet. Schon ist viel mehr Freude
als Hass, sonst wären wir längst untergegangen. Das kommt davon, daß Gott eine
Tendenz zum Guten ins Werden eingesät hat. Sie aufspüren, sie mehren, sie
feiern ist unser Auftrag,
König Saul
Der
Prophet Samuel sprach zu Saul: Gott hat mich gesandt, dass ich dich zum König
salben sollte über sein Volk Israel. Jahre nach der Herrschaft Sauls geschah
Gottes Wort zu Samuel:
Es
reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir
abgewandt und meine Befehle nicht erfüllt. Darüber wurde Samuel zornig und
schrie zu Gott die ganze Nacht. Dann ging er zu Saul und richtete ihm Gottes
Wort aus: Du hast Gottes Weisung verworfen. Weil du sein Wort verworfen hast, hat er dich auch
verworfen, dass du nicht mehr König seist.
Und
Samuel wandte sich um zum Weggehen. Da ergriff ihn Saul bei einem Zipfel seines
Rocks; aber der riss ab. Da sprach Samuel zu ihm: Gott hat das Königtum Israels
heute von dir gerissen und einem andern gegeben, der besser ist als du. Und
Samuel sah Saul fortan nicht mehr bis an den Tag seines Todes. Aber doch trug
Samuel Leid um Saul, weil es den HERRN gereut hatte, dass er Saul zum König
über Israel gemacht hatte.
1. Samuel
15,1.11,23,27.28.35
Das Werden des Königstums in Israel liegt im
Dunkeln. Es gab VolksStämme mit charismatischen Führern, Irgendwann vor etwa
1000 bis 1100 Jahren v.Ch. hatten die Stämme Israels soweit zusammengefunden,
daß sie einen Bund unter einem König, entsprechend den Ländern ringsum wollten.
Der erste König Saul war glücklos. Der Prophet Samuel, der eigentlich im
Königtum den Abfall vom einzigen König: Gott allein sah,hatte widerwillig Saul
zum König gesalbt. Als er jetzt diesem die Kündigung überbringen sollte, war
ihm Saul ans Herz gewachsen und er haderte mit Gott, fügte sich dann aber doch.
Israel
hatte ein einzig inniges Verhältnis zu Gott, Israel konnte mit Gott schimpfen
und ihm auch unterjubeln, er sei wankelmütig. Wenn Israel annimmt, Gott könne
auch Fehler machen, dann ist es nur menschlich von Gott gedacht, daß ihn auch
was reuen kann. Seit Jesus denken wir da anders drüber. Gott weiß, was aus was
wird. Und er will nicht mehr sich die Schöpfung des Menschen gereuen lassen. Er
steht zu seinem Werk und wird es vollenden. Bis dahin leidet er die
Grausamkeiten seiner Menschen und das Leid aller Kreatur mit.
David wird zum König gesalbt
Und
Gott sprach zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl und geh hin: Ich will dich senden
zu dem Bethlehemiter Isai; denn unter seinen Söhnen hab ich mir einen zum König
ersehen.
Und
Samuel kam nach Bethlehem. Und sprach: Mein Kommen bedeutet Heil. Kommt mit mir
zum Opfer. Da heiligte er den Isai und seine Söhne.
Als
sie nun kamen, sah er den Eliab an und dachte: Fürwahr, das ist der Gesalbte.
Aber
Gott sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs.
Menschen sehen, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.
Da
rief Isai den Abinadab und ließ ihn an Samuel vorübergehen, ebenso seine anderen
Söhne. Aber Samuel sprach zu Isai: Gott hat keinen von ihnen erwählt.
Und
Samuel sprach zu Isai: Sind das alle Knaben? Er aber sprach: Es ist noch übrig
der
jüngste;
der hütet die Schafe. Da sprach Samuel zu Isai: Sende hin und lass ihn holen;
Da sandte er hin und ließ ihn holen. Und Gott sprach: Auf, salbe ihn, denn der
ist’s.
Da
nahm Samuel sein Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der
Geist Gottes geriet über David von dem Tag an.
1.Samuel
16, 1-13
Eine
Geschichte mit Hintergrund: Schon bald entwickelt sich in Israel ein Königstum
der Erbfolge- die Erinnerung entschwand, daß Gott selbst der König Israels sei
und sogar als Heerführer dem streitbaren Volk vorausging. Die ersten beiden
Könige werden noch erwählt durch den Propheten. Der weiß, wen Gott meint. Doch
auch er ist bedroht, durch augenscheinliche Begeisterung. Auch er muß lernen,
dass für Gott die inneren Werte zählen. Hinter der Herde hervorgegriffen wird
der später so große David. Es soll eingeschärft bleiben, daß der Mensch zum
Helden wird, indem Gott ihn besetzt, ihn begeistert.
„Von
Jesse kam die Art“ singt das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“- Die
„Wurzel Jesse“ aus Bethlehem weist zurück auf die Vorfahren, die glaubensstarke
Ruth, Jakob und Abraham- den „Vater des Glaubens“. Durch Jesu Geburt in
Bethlehem wird später klargestellt, daß der leibliche Vater Jesu, Josef „aus
dem Hause und Geschlechte Davids“ stammt, also von weit her gewollt ist.
David kommt an Sauls Hof
Der
Geist des Herrn aber wich von Saul und ein böser Geist von Gott her ängstigte
ihn.
Da
sprach Saul zu seinen Leuten: Seht euch um nach Einem, der des Harfenspiels
kundig ist, dass er mir spiele, wenn der böse Geist Gottes über mich kommt.
Einer der Berater Sauls wusste, daß ein Sohn Isais Harfe spielen konnte. Man rief ihn und so kam David zu Saul und
diente ihm. Und Saul gewann ihn sehr lieb und er wurde sein Waffenträger.
Und sooft der böse Geist von Gott über Saul kam,
nahm David die Harfe und spielte darauf. So wurde es Saul leichter und es ward
besser mit ihm und der böse Geist wich von ihm.
1. Samuel 16,14-23
Bedrückend
ist der Verfall, den ein Mensch erleiden muß, sehenden Auges. Saul weiss um
sich. Er fühlt seine guten Kräfte schwinden und dass böse Ängste ihn besetzen.
Ist Gott Urheber aller Macht, ist auch böser Geist aus seinem Schatz- und wenn es nur so ist, daß der gute Geist
nachlässt und dadurch die von Gott erfundenen dunklen Instinkte durchbrechen.
Wenn alle guten Kräfte von Gott kommen, ist der Mangel guter Kräfte auch von
Gott – er bleibt zuständig und verantwortlich. Wahrlich schwer ists- Gott zu
sein.
Zu
den guten Kräften gehört sicher die Musik.
Ein guter Gesang wischt die Angst vom Herzen- schon mitsingen,
mitklingen dürfen, verschafft Luft gegen die Erstickung an sich selbst. Luther
sagte: „Die Musik ist aller Bewegung des Herzens eine Regiererin. Nichts auf
Erden ist stärker, die Traurigen fröhlich, die Fröhlichen nachdenklich, die
Verzagten mutig zu machen und die Überheblichen zum Maßhalten zu führen- und Neid und Hass zu lindern als die Musik.“
Immer noch David gegen Goliat
Die
Philister sammelten ihr Heer zum Kampf und auch die Männer Israels unter König
Saul kamen zusammen und rüsteten sich zum Kampf. Da trat aus den Reihen der
Philister ein Riesenkerl auf mit Namen Goliat.
Der war mit Helm, Schuppenpanzer
und Bein-Schienen geschützt, er trug einen eisernen Wurfspieß auf seiner
Schulter, ein Schildträger ging ihm voran.
Der
Riese baute sich vor Israels Heer auf und rief: Erwählt einen unter euch, der
zu mir herabkommen soll. Kann er gegen mich kämpfen und erschlägt mich, so
wollen wir eure Knechte sein; vermag ich aber über ihn zu siegen und erschlage
ihn, so sollt ihr unsere Knechte sein und uns dienen. Als Saul und ganz Israel
diese Rede des Philisters hörten, fürchteten sie sich sehr.
Es
gab da aber einen Jüngling namens David; der war der Sohn des Isai aus
Bethlehem Efrata in Juda. Der hütete noch
die Schafe der Eltern. Einmal brachte er wieder seinen Brüdern, die in
den Diensten Sauls standen, zu essen. Und als er noch mit ihnen sich
unterhielt, da kam der Goliat herauf und redete Hohn und Spott gegen
Israel.
König
Saul aber lobte hohe Belohnung aus: Wer
ihn erschlägt, den will der König reich machen und ihm seine Tochter geben und
will ihm seines Vaters Haus frei machen von allen Steuern.
Da
sprach David zu den Männern: Bringt mich vor Saul und man brachte ihn zum
König.
Und
David sprach zu Saul: Seinetwegen lasse keiner den Mut sinken; dein Knecht wird
hingehen und mit diesem Philister kämpfen. Ich hab als Hirte Löwen und den
Bären erschlagen, und der Gott, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat,
der wird mich auch erretten von diesem Philister. Und Saul sprach zu David: Geh
hin, der HERR sei mit dir!
Und
David nahm seinen Stab in die Hand und wählte fünf glatte Steine aus dem Bach
und tat sie in die Hirtentasche, die ihm als Köcher diente, und nahm die
Schleuder in die Hand und ging dem Philister entgegen.
Der
sprach zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit Stecken zu mir kommst? Und
der Philister fluchte dem David bei seinem Gott
David
aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß,
ich aber komme zu dir im Namen Gottes, des Herrn der himmlischen Heerscharen,
den du verhöhnt hast.
Heute
wird dich Gott in meine Hand geben. damit alle Welt innewerde, dass Israel
einen Gott hat,und damit diese ganze Gemeinde innewerde, dass Gott nicht durch
Schwert oder Spieß hilft; denn der Krieg ist Gottes Sache und er wird euch in
unsere Hände geben.
Und
David tat seine Hand in die Hirtentasche und nahm einen Stein daraus und
schleuderte ihn und traf den Philister an die Stirn, dass der Stein in seine
Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht.
So
überwand David den Philister mit Schleuder und Stein und traf und tötete ihn.
Als aber die Philister sahen, dass ihr Stärkster tot war, flohen sie alle.
1.Samuel 17 in Auswahl
David
gegen Goliat –das ist bis heute Muster für das feindliche ungleiche Paar. Der
Riese steht für Macht, der Junge für Gewitztheit. Der eine für Getöse und große
Reden, der Kleine für Gottvertrauen. David ist auch der Held für
steinewerfendes Jungvolk gegen Militär und Panzer; der entgegenstürmende David
steht auch für Partisanen, die die
große Militärmaschine überrumpeln. Und David steht für alle, die für eine
Überzeugung streiten; ja, die im Namen
ihres Gottes kämpfen.
Fraglich
ist, ob David einen oder vier Steine bei sich hatte- ob er also alles auf eine
Karte setzt. Wenn Gott diesen Krieg kämpft, reicht einer. Aber auch der zweite
oder dritte Versuch kann gesegnet sein.
Diese
Geschichte ist auch Modell für das Nichtunterkriegenlassen in scheinbar aussichtlosen Lagen. Wenn Gott
für dich den Krieg kämpft, dann setz auf Geduld, Vernunft, Entgegenkommen.
Argumente statt Waffen. Alle Zukurzgekommenen haben immer noch Gott auf ihrer
Seite. Da kann ein Wörtlein die Sache wenden. Im Lutherfilm spielte Peter
Ustinow den Kurfürsten Friedrich, der
mit Geschick und List und Zeitverzögerung dem großen Kaiser Maximilian den Mönch abluchste und in die Sicherheit
der Wartburg verbrachte. Und so wurde die Reformation.
2.SAMUEL
Saul
hatte den Krieg gegen die Philister verloren, auch sein Sohn Jonatan war
umgekommen. Da wollte Saul nicht mehr leben und stürzte sich in sein eigenes
Schwert. David aber hielt Trauer um Saul und Jonatan . Dann wurde er König über
Israel und Jerusalem, er wurde groß und mächtig.
Gottes Verheißung für David und sein
Königtum
Eines Tages, als der König in seinem Hause
saß und Gott ihm Ruhe gegeben hatte vor
allen seinen Feinden, sprach er zu dem Propheten Nathan: Das kann doch nicht
angehen: ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade Gottes wohnt unter
Zeltdecken. Ich will dem Herrn ein Haus bauen.
Aber Gott ließ ihm durch Nathan ausrichten:
Wenn deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich
deinem Nachkommen dein Königtum bestätigen.
Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Dein
Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein
Thron soll ewiglich bestehen. Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn
sein.
Als Nathan dies dem David gesagt hatte, da
fiel der König vor Gott nieder und sprach: Wer bin ich, dass du mich bis
hierher gebracht hast? Und was soll ich dir noch sagen? Du kennst ja deinen
Knecht, Herr mein Gott
Und du hast dir dein Volk Israel zubereitet,
dir zum Volk für ewig, und du bist ihr Gott geworden.
Mit deinem Segen wird deines Knechtes Haus
gesegnet sein ewiglich.
Aus 2. Samuel 7
Das
ist ein großes Stück Theologie, ein abschließendes Denkstück von der Vertrautheit Davids mit Gott und
dessen weitreichender Verheißung.
Gut
möglich, daß David voll überschäumender Dankbarkeit mal Gott ein großes Haus
bauen wollte. Dieser gute Wille aber wird von Gott selbst vertagt auf den
Nachfolger- eine entscheidende Korrektur wird festgeschrieben: Nicht Gott
bekommt ein Haus- höchstens der Name bekommt – eine Schatulle? Dies legt fest,
daß die Gegenwart Gottes nicht hinter schloss und Riegel genommen werden kann.
Aber
Gott legt sich fest auf Israel als „sein Volk“- und den König als seinen Sohn.
Der König wird zum Sohn Gottes adoptiert- was später ein Denkmuster für die
Gottessohnschaft Jesu abgibt.
Davids große Schuld
Eines
Tages gab er dem Kriegsherrn Joab den
Befehl, mit seinen Truppen Krieg zu führen gegen die Ammoniter. David aber
blieb in Jerusalem. Eines Abends erging sich David auf dem Dachgarten des
Königshauses; da sah gegenüber eine Frau sich waschen; und die Frau war von
sehr schöner Gestalt. Und David ließ nach der Frau fragen und man sagte: Das
ist Batseba, die Frau des Hauptmanns Urias.
David
ließ sie holen und schlief mit ihr. Und die Frau wurde schwanger und ließ David
das ausricheten. David aber sandte zu Joab: Gib Uria ein paar Tage frei, daß er
sich um seine Frau kümmere, gib ihm Geschenke mit.
Aber
Uria legte sich schlafen vor der Tür des Königshauses, wo alle Kriegsleute
seines Herrn lagen, und ging nicht hinab in sein Haus.
Als
man das dem David ansagte, ließ er Uria kommen und fragte ihn, warum er es sich
nicht gut gehen lasse bei dem kurzen Heimaturlaub.
Uria
aber sprach zu David: Die Kameraden liegen auf freiem Felde, und ich sollte in
mein Haus gehen, um zu essen und zu trinken und bei meiner Frau zu liegen? So
wahr Gott lebt: Ich tue so etwas nicht. David aber lud ihn ein, und machte ihn
betrunken. Und er ging trotzdem nicht
hinab in sein Haus.
Am
andern Morgen schrieb David einen Brief an Joab und sandte ihn durch Uria.
Er
schrieb in dem Brief: Stellt Uria an die vorderste Front; dort, wo der Kampf am
härtesten ist, und zieht euch hinter ihm zurück, dass er erschlagen werde und
sterbe.
Als
nun Joab die Stadt belagerte, stellte er Uria dorthin, wo er wusste, dass dort
eine Übermacht war. Und Uria starb, wie geplant.
Und
als Urias Frau hörte, dass ihr Mann Uria tot war, hielt sie die Totenklage um
ihren Ehemann. Sobald sie aber ausgetrauert hatte, sandte David hin und ließ
sie in sein Haus holen, und sie wurde seine Frau und gebar ihm einen Sohn. Aber
Gott missfiel die Tat, die David getan
hatte.
Aus 2. Samuel 11
Auch
der von Gott Erwählte ist nicht vor Sünden
geschützt. Ja, bei den großen
Lichtern des Herrn ist auch viel
Schatten. Aber Gott geht mit dem Menschen und seiner Last. Es bleibt die Frage,
warum Gott so in die Falle von Schuld
tappen lässt. Das ist wohl des Menschen Glanz und Elend- daß ihm vorgelegt wird
gut und böse und er entscheiden muß.
An
David zeigt sich die Versuchung der Macht. Er ist gierig, die Frau sich zu
Willens zu machen; die Liebesnacht bringt eine Zeugung hervor. Der im Krieg
weilende Ehemann wird nach Haus beordert, das Lieben der Eheleute soll den
Seitensprung vertuschen. Der Mann will aber keine Vorzugsbehandlung, er geht
nicht nach Hause- so wird er leider umgebracht. Und der Feldherr kuscht und die
Frau kuscht und der König feiert nach der Schamfrist Hochzeit mit der Witwe des
von ihm Ermordeten.
Gut,
daß Gott weiß. Wäre Gott nicht, wäre alles erlaubt, so Dostojewski. Aber Gott
missfiel.. ist die Rettung, daß wenigstens Böses böse genannt wird.
Nathans
Strafrede.
Und
Gott sandte den Propheten Nathan zu David. Der sprach zu ihm: Höre zu: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der
eine reich, der andere arm.
Der
Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein
einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es
groß würde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und
trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß und er hielt’s wie eine
Tochter.
Als
aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht über sich, von seinen
Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten- sondern er nahm
das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen
war.
Da
geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr Gott
lebt: Der Mann ist des Todes, der das getan hat!
Da
sprach Nathan zu David: Du bist der Mann!
So
spricht Gott: Es soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen und auch
dir soll die Frau genommen werden. Da sprach David zu Nathan: Ich habe
gesündigt gegen Gott. Nathan sprach zu David: So hat auch Gott deine Sünde
weggenommen; du wirst nicht sterben.
Aber
weil du die Ungläubigen durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der
Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.
Aus 2. Samuel 12,1-14
Grandios
ist Nathans Bußpredigt- ein Muster der Entlarvung Der eben noch meinte, Richter
zu sein, erkennt sich als Täter. Sein Richtspruch trifft ihn selbst. David
bekennt sich schuldig und bereut. Er übernimmt Strafe. Er geht an ein anderes
Leben.
Das
Sterben des Kindes als Strafe ist uns nicht nachzuvollziehen. Aber die Früheren
billigten dem Kind noch keinen Eigenwert zu. Die Frau war noch Besitz des
Mannes und das Kind Besitz des Vaters. Erst in längerem Umgang Gottes mit den
Menschen wird erkennbar, daß die Würde jedes Menschen unantastbar ist.
David führte Krieg um Krieg, er gründete das
Königreich Israel , mit „seiner“ Stadt Jerusalem als Mittelpunkt und Klammer
der beiden Reiche Israel und Juda. Israel hatte eine Ausdehnung die nie mehr
übertroffen wurde, was Grundlage war für die später aufkommende Sehnsucht nach der Wiederkunft eines neuen Davids. Die
Söhne Amnon und Absalom starben, nachlangem Zögern in hohem alter setzt er
seinen Sohn Salomo als Nachfolger ein. Sein heilsames Singen und Saitenspiel
war berühmt, viele Psalmen sollen auf ihn zurückgehen.
1.Könige
Und Salomo nahm die Tochter des Pharaos von
Ägypten zur Frau und brachte sie in die Stadt Davids, aber es brauchte noch viel Zeit, bis er sein Haus und Gottes
Haus und die Mauer um Jerusalem gebaut hatte.
Salomo aber hatte Gott lieb. Und Gott erschien Salomo im Traum des Nachts und
sprach: Bitte, was ich dir geben soll!
Salomo sprach: Ich bin noch jung und
ahnungslos.
Gib du deinem Knecht ein gehorsames Herz,
damit er dein Volk richten könne und verstehe, was gut und böse ist.
Das gefiel dem Herrn gut. Und Gott sprach zu
ihm: Du bittest klug. So ich gebe dir ein weises Herz Und dazu gebe ich dir,
worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre.
Und wenn du in meinen Wegen wandeln wirst,
dass du hältst meine Satzungen und Gebote, so werde ich dir ein langes Leben
geben.
Und
als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum. Und er kam nach Jerusalem und
trat vor die Lade des Bundes des Herrn und opferte Brandopfer und Dankopfer und
machte ein großes Festmahl.
1.
Könige 3, 1-15
König
Salomos Regierungszeit von 962-926 war Israels große Zeit. Das Reich erlebte
die größte Ausdehnung. Der Tempel wurde in Jerusalem am Königssitz gebaut. Die
Stadt wird die Klammer für Israel und Juda. Salomo muß wohl klug und fromm
gewesen sein- eine glückhafter Mischung. Klugheit lehrt, die Wirklichkeit zu
nutzen in den Grenzen des Erlaubten. Die Gebote sind ihm Leitlinien für
gelingendes Leben. Großmut und Dankbarkeit gegen Gott und das Leben zeichnen
ihn aus. Er kann Dienen und Genießen zusammenhalten, kann leuchten ohne zuviel
Schatten zu werfen. Seine Weisheit ist sprichwörtlich geworden.
Salomos Urteil
Es kamen zwei Frauen mit einer Klage zu
König Salomo. Und die eine sprach: Ach, mein Herr, ich und diese Frau wohnten
in einem Hause und ich gebar dort.
Drei Tage später gebar auch sie. Und der
Sohn dieser Frau starb in der Nacht; sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. Sie
stand in der Nacht auf und nahm meinen Sohn von meiner Seite, als deine Magd
schlief, und legte ihn in ihren Arm, und ihren toten Sohn legte sie in meinen
Arm.
Und als ich des Morgens aufstand, um meinen
Sohn zu stillen, siehe, da war er tot. Aber ich sah ihn genau an, und ich erschrak- es war nicht mein Sohn, den
ich geboren hatte.
Die andere Frau sprach: Nein, umgekehrt:
mein Sohn lebt, doch dein Sohn ist tot. Und jene: Nein, dein Sohn ist tot, doch
mein Sohn lebt. Und so redeten sie vor dem König.
Und der König sprach: Diese spricht: Mein
Sohn lebt, doch dein Sohn ist tot. Jene spricht: Nein, dein Sohn ist tot, doch
mein Sohn lebt. Holt mir ein Schwert! Und als das Schwert vor den König
gebracht wurde, sprach der König: Teilt das lebendige Kind in zwei Teile und
gebt dieser die Hälfte und jener die Hälfte.
Da sagte die Frau, deren Sohn lebte, zum
König - denn ihr mütterliches Herz entbrannte in Liebe für ihren Sohn - und
sprach: Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht! Da antwortete der König und sprach: Gebt
dieser das Kind lebendig und tötet’s nicht; die ist seine Mutter.
Und ganz Israel hörte von dem Urteil, das
der König gefällt hatte, und sie fürchteten den König; denn sie sahen, dass die
Weisheit Gottes in ihm war, Gericht zu halten.
1. Könige 3,16-28
Vernunft
und gesunder Menschenverstand, Menschenkenntnis und hellsichtige Wachheit sind
Gaben Gottes- König Salomo wurde weise genannt, Seine “Sprüche „, seine
Sentenzen und diese Geschichte machten ihn weltberühmt.
Zwei
Frauen streiten um ein Kind, beide geben sich als die Kindsmutter aus. Im „Kaukasischen Kreidekreis“ (nach B.
Brecht) sollen die Mütter eine Entscheidung herbei führen, indem sie
eigenhändig das Kind zu sich ziehen
sollen. Ob Schwert oder Reißen- eine Frau gibt nach: Lieber will ich verzichten
, als dem Kind Leid zuzufügen. Und der
weise König ernennt sie zur wahren Mutter.
Damit
ist ein Grundsatzurteil zugunsten des Kindes gefällt: Mutter ist , wer
mütterlich mit dem Kind umgeht, nicht unbedingt die, die geboren hat. Nicht
Fleisch und Blut sondern die Liebe macht einander verwandt.
Das
ist die zweite Schwächung des Blut- und Bodenrechtes der Urzeit. Vorangegangen
war schon das Verbot des Kindesopfers. Abraham darf den Sohn Isaak nicht
opfern, selbst wenn er den Befehl dazu von seinem Gott erhalten haben sollte;
das ist Gottes Auftrag.
Sowohl
bei Abraham als bei Salomo bricht sich die Erkenntnis Bahn: Die Eltern sind für
die Kinder da, die Gegenwart soll der Zukunft Chancen einräumen. Ein weites
Feld.
Salomo baut den Tempel
Salomo war Herr über alle Königreiche vom
Euphratstrom bis zum Philisterland und bis an die Grenze Ägyptens. Er hatte
Frieden mit allen seinen Nachbarn ringsum,
Juda und Israel wohnten sicher, jeder unter
seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, Und Salomo ging daran, dem Namen
des Herrn, seines Gottes, ein Haus zu bauen.
Es wurde sechzig Ellen lang, zwanzig Ellen
breit und dreißig Ellen hoch,
dazu eine Vorhalle und Umgang mit Seitengemächern. Salomo überzog das Haus
innen und außen mit reinem Gold.
Auch ließ Salomo alles Gerät machen, das zum
Hause Gottes gehörte: den goldenen Altar, den goldenen Tisch, auf dem die
Schaubrote liegen. Zwei goldene Cherubim spannten ihre Flügel aus von einer
Wand zur andern.
Dann versammelte der König Salomo die
Häupter der Stämme und Obersten der Sippen in Israel nach Jerusalem, um die
Lade des Bundes einzubringen im
Allerheiligsten, unter den Flügeln der Cherubim.
Und es war nichts in der Lade als nur die
zwei steinernen Tafeln des Mose, die er hineingelegt hatte am Horeb, die Tafeln
des Bundes, den der HERR mit Israel schloss, als sie aus Ägyptenland gezogen
waren.
1.
Könige 5-8
Der
erste jüdische Tempel war ein Werk edler Baukunst und ehrfurchtgebietender
Ausstrahlung. Er löste die vielen kleinen Kultstätten im Land ab und gab den
zentralen Ort für den dort zur Blüte gebrachten jüdischen Glauben. An diesem Zentralort gab es in enger Bindung ans Königshaus eine starke
Priesterschaft. Neben Gottesdiensten und Opferhandlungen war die
Rechtsauslegung beim Tempel angesiedelt. Eine
wissenschaftliche Elite sammelte erstellte kopierte die Heiligen
Schriften und stritt um die Theologie- das rechte Verständnis von Gottes
Geschichte mit den Menschen und um das
rechte Menschsein im Alltäglichen. Später ging es immer mehr um die korrekte
Anwendung der Gebote. Vor allem durch immer genauere Unterscheidung von rein
und unrein hoffte Israel das besondere Rechtsverhältnis mit Gottes sichern zu
können. Die Propheten kämpften bald für einen Herzensgehorsam, jenseits
von Zeremonien und opernhaft
dargebrachten Opfern.
Wo wohnt Gott
Bei der Weihe des Tempesl erfüllte die Wolke das Haus des Herrn-
die Herrlichkeit Gottes erfüllte das ganze
Haus.
Aber Salomo sagte: Die Sonne hat der Herr an
den Himmel gestellt, von sich aber hat er gesagt: (zu Mose im 2. Buch Mose,
20,21): „Im Dunklen will ich wohnen“.
Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe,
der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen - wie sollte es dann
dies Haus tun, das ich gebaut habe.
Und zu Gott sprach er: Lass deine Augen
offen stehen über diesem Hause Tag und Nacht.
Sei mit uns, wie du mit unsern Vätern
gewesen bist. Verlass uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns.
Neige du unser Herz zu dir, dass wir wandeln
in allen deinen Wegen und halten deine Gebote. Ungeteilt sei unser Herz bei dem Herrn.
Aus 1. Könige 8
Wir gehen von der Anwesenheit Gottes in
seiner Gemeinde aus, das Wort Jesu im Sinn: Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 18,20). Das schließt
aber Gott nicht ein inden Versammlungsraum. Die Herrlichkeit Gottes kann bei
uns sein ohne woanders nicht auch voll da zu sein. Salomo wehrt mit seiner
Mahnung „alle Himmel können Gott nicht fassen“, die volkstümliche Vorstellung
ab, daß der Tempel die ausschließliche Wohnung des Herrn sei. Wir können die
Präsens Gottes nicht auf einen Ort festlegen, weder sitzt Gott auf der
Bundeslade mit den Zehn Geboten, noch
steckt er in den Buchstaben der Bibel. Keine Biblische Formel kann Gott in Brot und Wein hineinbannen. Aber natürlich ist Gott in seiner Schöpfung, die
Schönheit der Rose, auch die vergehende, ist Gottes Wesen. Aber für Israel hat der Tempel eine
einzigartige Bedeutung: An der Klagemauer, dem Rest des zweiten zerstörten
Tempels, weiß sich jeder Jude, jede Jüdin nah an Gottes Ohr.
Elia der Große
Prophet Elia sagte König Ahab an: Wegen eures
Götzendienstes entzieht euch der wahre, der einzige Gott den Regen, ein ganzes Jahr lang. Dann floh Elia –Gott hatte
ihm geboten, zum Bache Krit zu gehen, der werde Wasser bereit haben für Elia
und Raben sollen ihn versorgen.
1.Könige
17,1-3
Es
war 100 Jahre nach dem Tempelbau in Jerusalem: Israel ist groß geworden und hat
sich weite Teile von Kanaanäer-Land zugeschanzt. Dort aber, auf dem Land,
glaubte man an Baalsgötter, die in
Zeugen und Gebären ihren heiligen Ort hatten. Elia aber war berufen, den
Glauben an den Gott Israels auszubreiten; der war auch Schöpfer, aber vor allem
ein Fordernder, Erziehender: Die Gebote sollten das Volk zu einem Gottesstaat
heranentwickeln.
Elia
bleibt Israel im Gedächtnis als rigoroser mächtiger Gottesstreiter. Er muss
Gott klar auf seiner Seite gewusst haben, darum hat er für den wahren Glauben
so geberserkert. Drei Geschichten zeigen den Weg der Erkenntnis Elias: Es ist
der Weg vom herrischen zum behutsamen Gott und vom Gewalt- Propheten zum
meditativen Schweiger.
Elia
muss fürchterliche Dürre ansagen vom strafenden Gott. Elia selbst wird
wunderbar erhalten.
Dann
kam das Wort des Herrn zu ihm:
Mach
dich auf und geh nach Zarpat - ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu
versorgen. Und er machte sich auf und ging hin. Doch die Witwe sagte: Ich habe
nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich will ein letztes
Brot backen, das wir essen - und sterben.
Elia
sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! So spricht der Gott Israels: Das Mehl im
Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den
Tag, an dem der Herr wieder regnen läßt. Und sie buk und das Mehl im Topf wurde
nicht verzehrt, und dem Krug ging das Öl nicht aus – wie Elia es gesagt hatte.
1. Könige 17, 10-13
Gott
kann aus nichts was machen- und seinen Getreuen soll die Hoffnung nicht
ausgehen. Es sollen seine Geliebten nicht
hungern. Die Wehmut ist groß,
wenn die Hoffnung doch versiegt. Und Menschen trauern sehen über ihre
Enttäuschung an Gott muss in gläubigen Menschen alle Kräfte mobilisieren. Elia
sagt Nahrung zu. Er wettet gegen den Augenschein der leeren Töpfe auf Rettung. Wir müssen auch bis zum letzten
Augenblick auf Rettung setzen und uns in diese Richtung mühen mit allen
Kräften.
Versuchen zu heilen
Und
der Sohn der Witwe wurde krank, sosehr, dass kein Atem mehr in ihm blieb.
Und
sie sprach zu Elia: Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes?
Er
sprach zu ihr: Gib mir deinen Sohn! Und er nahm ihn von ihrem Schoß und ging
hinauf ins Obergemach, wo er wohnte, und legte ihn auf sein Bett
und
rief Gott an: Mein Gott, was tust du
der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so Böses an?
Und
er legte sich auf das Kind drei Mal und rief Gott an und sprach: Lass sein Leben in dies Kind zurückkehren! Und
Gott erhörte die Stimme Elias und das Kind
wurde wieder lebendig.
1. Könige 17, 17-21
Vom
Leid überhäuft werden –das gibt es. Gerade auch kann es Menschen treffen, die
Gottes nahe Mitarbeiter zu sein scheinen. Elia wird der Witwe unheimlich. Erst
beschafft der die Gottes Güte in Gestalt des nicht ausgehenden Brotes. Und dann
scheint er nichts mehr zu können, oder schlimmer noch- ist er gleichzeitig
einer, an dem man sich verbrennt?
Elia
ist mit verzweifelt über den Tod des Knaben. Er sieht die Willkür eines Gottes
, der mit der einen Hnd schenkt, mit der anderen nimmt. Und will dies
Gottesbild nicht mehr. Will nicht mehr
Prophet eines gut-bösen, bös-guten
Weltenherrschers sein. Und kämpft mit ihm. Identifiziert sich mit dem
Toten, will ihn wiederbeleben. Tatsächlich kehrt das Leben in das Kind zurück.
Es ist, als wandele sich hiermit das
Gottesbild: Es kann nicht sein und wir
dürfen es nicht mehr denken, daß Gott mutwillig ein Kind sterben macht. Gott tut nichts Böses. Gott lässt
geschehen die in die Schöpfung gelegten Regeln, eingeschlossen schmerzliche
Komplikationen. Aber wir sollen bis zum Erweis des Gegenteils auf Rettung
setzen und in diese Richtung wirken.
Das Gottesurteil auf dem Karmel
Elia
erhielt den Auftrag: Versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und auch
die heidnischen Propheten Und als sie versammelt waren, trat Elia vor das Volk
und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Was neigt ihr euch mal Gott
zu, mal den Götzen. Entscheidet euch. Tut
die Götzen und ihre Diener von euch.
Hilfe
zur Entscheidung liefere ein Gottesurteil: Wir wollen zwei Stieropfer
bereiten und wollen sehen, wer feuer
vom Himmel sendet. Und die Priester
Baals riefen an vom Morgen bis zum Mittag: Baal, erhöre uns! Aber es war
da keine Stimme noch Antwort. Da sprach Elia zu allem Volk: Kommt her zu mir!
Und rief Gott an: Du, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, lass
heute kundwerden, dass du Gott bist und ich dein Knecht. Da fiel Feuer des
Herrn herab und fraß das Brandopfer.
Und alle fielen auf ihr Angesicht und sprachen: Der
Herr ist Gott, der Herr ist Gott!
Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, dass
keiner von ihnen entrinne!
Und der Himmel wurde schwarz von Wolken und Wind und es kam
ein großer Regen.
Aus 1.Könige 18
Aus
weiter Ferne gesehen wird Elia zum
grandiosen Gottesstreiter. Aber gerade seine Machtdemonstrationen haben das
alttestamentliche Gottesbild entstellt. Und haben Zauberei und die heillose
Praxis der mittelalterlichen Gottesurteile befördert.
Man
sollte diese Geschichte lesen als Museumsstück aus der Frühzeit des Glaubens.
Da hielt man Gott versehen mit dem
Machogehabe der anderen Götter im Umfeld Israels. Doch im Laufe der
Geschichte Israels stellte Gott sich in anderen Bildern vor. Und ließ erkennen, daß er seine Sache nicht
durch Machtspielchen betreibe.
Das
Schlachtfest des Elia am Berg Karmel passt noch zu dem alten götzenähnlichen
Gottesbild. Schon in der nächsten Geschichte gibt es eine völlige Abkehr von
den alten gottheitlichen Gewaltpraktiken.
Elia am Horeb
Königin
Isebel sandte einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mich
vernichten, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan
hast!
Da
fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach
Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.
Er
aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und setzte sich unter einen
Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun,
Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Eltern.
Und
er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte
ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu
seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er
gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
Und
der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und
aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig
Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.
1.Könige 19,1-8
Elia
hat genug von der Spirale der Gewalt. Das soll sicher auch Zeichen sein, daß
auch Gott der Gewalt müde ist. Elia
will nicht noch ein Gottesurteil herausfordern. Statt sich mit blanker Brust
der Königin ans Messer zu liefern und dann wohl unter Blitz und Donner Sieger zu bleiben- will er lieber sterben.
Er will nicht mehr der Draufhauer eines Oberdraufhauers namens „Gott“ sein.
Aber
Gott braucht ihn genau für diese Verwandlung des Gottesbildes hin zum
großherzigen, guten Gott. Dazu rüstet ihn ein Engel mit Himmelsbrot. Manchmal
braucht man einen zweiten Stups, um wach zu werden. Doch legt uns Gott eine
Last auf, so hilft er auch tragen (Psalm 68,20). Das Mahl, das vierzig Tage
Kraft gibt, ist ein Symbol für Gottes Schutz in allem Schweren.
Gott kommt leise
Elia
blieb über Nacht in einer Höhle. Und
Gott sprach ihn an: Was machst du hier, Elia?
Er
sprach: Ich habe geeifert für dich, den großen, einzigen Gott. Aber Israel hat deinen Bund verlassen und deine
Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin
allein übrig geblieben, und sie trachten auch mir nach dem Leben.
Der
Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg. Dort will ich dir
erscheinen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen
zerbrach, kam vor Gott her, her; der Herr aber war nicht im Sturm. Nach dem
Sturm aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem
Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer
kam ein stilles, sanftes Sausen.
Als
das Elia vernahm, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und bedachte das
Ganze.
1.Könige 19,9-13
Elia
hatte Sturm, Feuer, Erdbeben entfacht, hatte Wasserfluten herabgerufen- uns sie
waren gekommen als Gesandte Gottes. Die Naturmächte galten nicht nur als vom
Herrn geschickt sondern als Äußerungen Gottes, in denen er sich auf sein Volk
stürzte um es zur Raison zu bringen. Aber was hat es genützt? Elia ist der
Machtdemonstrationen müde, er hat eigenhändig die Götzendiener umgebracht, aber
statt dies als Bevollmächtigung des Propheten zu lesen und als Strafgericht des Herrn hinzunehmen, ist
Elia jetzt allein und dem Tod ausgesetzt. Gott hätte dem Müden ein
Feuerwerk der Lebensfreude aufführen
können. Oder noch mal seine Mächte tanzen lassen. Aber sie erschienen nur mit
Minuszeichen, „da ist Gott nicht drin“- riefen die Naturgewalten. Gott kommt
nicht mehr als Blitz oder als Flut oder als Freudengeheul. Gott will im Stillen
vernommen werden, im Zarten, im Lächeln
des Säuglings, im Streicheln, im Flüstern, im Auf- und Abblühen, in
Sprache. Gott will erlauscht sein. Das
eröffnet ein neues Wissen vom Göttlichen. Das weist auf die behutsame Klarheit
des Jesus hin.
Prophetenwechsel
Und
Gott gebot ihm: sprach zu ihm: Salbe Elisa
aus Abel-Mehola zum Propheten an
deiner statt. Und Elia fand Elisa, den Sohn Schafats, als er pflügte. Und Elia
ging zu ihm und warf seinen Mantel über ihn. Der ließ die Rinder zurück und
folgte Elia nach.
Aus 1.Könige 19, 15- 21
Mit
uraltem Ritus bestimmt der Prophet seinen Nachfolger: Der derzeitige Prophet
hört von seiner Abberufung durch Offenbarung des Namens des neuen. Und da gibt
es kein Fackeln: Der Prophetenmantel hat die Macht der Wahrheit an sich-wem er
übergeworfen wird, der ist der Würdenträger und Wahrsager, er ist ummantelt von
Gottesgeist. Ein Recht auf Wiederspruch ist nicht vorgesehen. Der Ritus der
Einkleidung versinnbildlicht die Idee des Amtes: Das Amt bekleidet den an sich
Unwichtigen mit „Amtsgnade“. Die Volksweisheit
„Kleider machen Leute“ unterstreicht die Verwandelmacht der Erwartung.
Zutrauen verschafft Ansehen, Ansehen Prestige.
Nabots Weinberg
Ein
Mensch mit Namen Nabot hatte einen Weinberg bei dem Palast Ahabs, des Königs von
Samaria. Und Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich
will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt.
Aber
Nabot sprach zu Ahab: Ich will nicht
meiner Väter Erbe zu Geld machen.
Da
kam Ahab heim voller Unmut und und klagte seiner Frau Isebel: Nabot will mir
seinen Weinberg nicht verkaufen, er lässt nicht mit sich reden. Da sprach seine
Frau Isebel zu ihm: Du bist doch König über Israel! Ich werde dir den Weinberg
Nabots verschaffen.
Und
sie schrieb Briefe unter Ahabs Namen und versiegelte sie mit seinem Siegel und
sandte sie zu den Ältesten und Oberen. Und sie schrieb: Schafft uns Nabot vom
Hals. Und sie taten, wie ihnen Isebel
aufgetragen hatte: Sie verklagten Nabot
wegen Königsbeleidigung und steinigten ihn.
Als
Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf, um hinabzugehen zum Weinberge
Nabots, um ihn in Besitz zu nehmen. Da kam das Wort Gottes zu Elia. Und der tat, wie ihm aufgetragen
war: Er ging zum König, sagte ihm auf den Kopf zu: So spricht Gott: Du und
deine Frau haben sich verkauft, Unrecht zu tun vor dem Herrn. Du hast gemordet,
dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt
haben, sollen Hunde auch euer Blut lecken. De Herr hats gesagt.
Aus 1. Könige 21
Eine
frühe Brandrede gegen Tyrannenwillkür und die Droge Macht. Schmerzlich ist die
Erfahrung, daß Obrigkeit immer welche finden kann, die willfährig sich die
Hände schmutzig machen. Gelockt zur
Unterwürfigkeit sind wir durch die Aussicht
auf Kumpanei und Einfluss. Was uns retten kann, ist, für Recht und
Gerechtigkeit einzutreten, auch durch
Kontrolle von Macht.- Gottes Gebote
sind eine große Heilstat- sie stehen dafür, daß Recht vor Macht geht.
Elia und der feurige Wagen
Elia
ging mit Elisa. Sie wussten, daß die Zeit hier zuende ging.
Und
als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit
feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter
gen Himmel. Elisa aber sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater, du Wagen
Israels und seine Reiter- und sah ihn nicht mehr.
Aus
2. Könige 2
In einer Art Himmelfahrt wird Elias von hier
entrafft- eine grandiose Ehrung für diesen Gottesstreiter. Kein Grab, kein
Verwesen, sondern von hier nach da in einem Nu, auffahrend mit Flügeln wie Adler, eingeholt vom Himmel
im Sonnenwagen mit feurigen Rossen- ein
leuchtendes Traumbild, wie Gott uns in sein Reich holt. Ob wir auch mal so von hier abgeholt werden, so
leicht sich unsere Seele von hier löst? Hier ist eine leibliche Himmelfahrt
gedacht- aber wenn unser ausgedienter Körper auch hier bleibt- unser Ich wird
emporgehoben und verwandelt. Mögen einige derer, die zurückbleiben, uns eine
Träne nachweinen. Es braucht nicht so rauschend sein wie bei Elia, aber einigen
sollen wir wichtig gewesen sein, das wäre schön.
Hiob
Gott
verletzt und verbindet; er zerschlägt ,und seine Hand heilt
Hiob
5,18
Gott
hat meinen Weg vermauert, hat Finsternis auf mein Geschick gelegt. Er hat mir
mein Ansehen ausgezogen, hat mich zerbrochen, hat meine Hoffnung ausgerissen
wie einen Baum. Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Der wird mich zuletzt aus
dem Staub erheben. Wenn auch mein Fleisch von mir abfallen wird, werde ich doch
Gott sehen. Und er wird mir kein Fremder sein- danach sehnt sich mein Herz in
meiner Brust.
Hiob 19, 8-10,25-27
Hiob
ist die Kunstfigur eines begnadeten Dichters: Der von Gott, hilfsweise von
einem Chefteufel, bis aufs Blut geprüfte Mensch, wird wegen seiner
Glaubenstreue zuletzt hoch erhoben. Das ist starke Alttestamentliche
Überzeugung.
Tausend
Jahre später ereignet sich Jesus Christus. Er sieht sich nicht von Gott
geprüft- sondern seine Passion ist ihm der einzig mögliche Weg, gegen die Herren der Welt seine
Gottesgewissheit zu leben. Allgemein rät er, im Windschatten von Klugheit und
Gnade zu bleiben. „Ich bin nicht zum
Richten sondern zum Retten da“ (Johannes 12,47), Genau so Gott.
Gott
sich vorstellen als „Riesin“- (wie im Gedicht : Das Riesenspielzeug“ von
Chamisso) die mit den Menschen rumfuhrwerkt, Steine in den Weg legt und schaut,
wie sie sich bewähren- das ist Ausfluss
einer verängsteten Seele. Ja, es kann
sein, daß ich mich ans Schicksal so ausgeliefert sehe wie ein Maikäfer, den rohe
Jungen zappeln lassen. Es kann sogar sein, daß einen die Angst so schluckt, daß
ich meine, ein auf dem Rücken liegender Käfer zu sein.
Hiob
ist der heroisch leidende Mensch, der Gott anklagt- und eigentlich gerechter,
liebevoller , treuer scheint als Gott selbst. Diese Überzeugung braucht aber
als Basis das Wissen vom Allmächtigen, der wie ein Marionettenspieler die
Puppen tanzen lässt. Und davon hat sich Jesus losgesagt. Für Jesus ist Gott
alle Energie und alle Liebe- beides, alle Macht- auch die von Menschen
missbrauchte und alle Liebe, auch die von Menschen einander gewährte. Daß
letztlich die Liebe die Macht übrwindet, und Gott als Erlöser uns aufscheint,
hat Jesus uns vorgewusst.
Hiob
ist noch ganz befangen im „iustaljon“-„Wie du mir, so ich dir“ - Gottesbild:
Dem Frommen soll es belohnt sein; wem es schlecht geht, der büßt Strafe ab.
Jesus treibt uns in ein Wissen vom liebevollen Gott, der noch leidet an und mit
seiner Schöpfung, aber sein Reich kommen lässt auf alle Fälle. Hiob hat auch
schon einen Schimmer dieser Hoffnung: Gegen den Monstergott appelliert er an
den Großmütigen Gott, der wird ihn
letztlich aus dem Staub erheben.
Etwas
von dieser Zuversicht brauchen wir alle: vor uns Heil und Frieden für unsere
wunden Seelen. Und daß im Rückblick
„Licht nach und nach über das Ganze aufgeht“ (Wittgenstein), vielleicht
Gott alle Schuld auf sich nimmt- das deutet
doch der Opfertod Jesu an. Ob das der Fall ist? Jedenfalls kann keiner
für sein Lieblossein alle Schuld alleine tragen. Und jetzt schon werden wir
mehr geliebt als es unsere Gene sich erwerben.
Bonhoeffer
hat gesagt:“ Ich bin lieber in Gottes Hand als in den Händen Hitlers“. Also
letzten Endes ist ihm Hitler nicht so wichtig, der steht nur für das Schwarze
der Nazizeit. Bonhoeffer glaubt sich in Gottes Hand, auch wenn die schwarz und
gewaltsam zuschlägt. Das heißt nicht, annehmen zu müssen, daß Gott aktiv
verletzt und zerschlägt. Aber es ist Gottes Energie, die auch in der Gewalt zur
Geltung kommt, Kain ist Gottes Kain;
Hitler ist Gottes Kind, wie kaputt auch immer. Das scheint tröstlich in allem Grauen.
Die Psalmen
Psalm 1
Wie ein Baum
Glücklich
dran ist der, der Abstand hält zu den
Gottlosen. Und der vom Sündigen loskommt. Und wer Menschen nicht verlacht und
nicht abfällig redet vom Leben.
Glücklich
dran ist, wer Lust hat am Willen Gottes
und sinnt über das was gut ist nach, Tag und Nacht!
Der
ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu
seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät
wohl.
Starke
Bäume sind uns ein Bild für gelingendes Leben. Nun können die Bäume selbst für
sich wenig tun, wohl aber der Mensch. Wir können für uns sorgen. So können wir, erwachsen geworden, unsern
Umgang weitgehend selbst bestimmen. Meiden sollte man die, die großmäulig sich
für Erfolge auf ihre Schulter klopfen, die ihre Gesundheit für selbstgemacht
halten, sich mit harten Bandagen und lästerlicher Zunge durchsetzen, und die
zynisch alles Gute kleinreden.
Glück
aber ist bei dem, der sich um Gott müht. Der sich Arbeit macht mit der
Gemeinschaft und das Vorwärtskommen aller mit betreibt.
Der
ist gern er selbst. Er steht am richtigen Platz. Und wenn ihm dann noch
gutgestimmte Nerven zufliegen, hat er Talent, zu nützen und zu erfreuen. Sich
um Gott kümmern, weil man weiß, daß er sich um mich kümmert. Wenn ich einigermaßen kann, was ich muß und
einigermaßen nur will, was ich darf, dann ist mein Leben im Lot, dank dir,
lieber Gott.
Psalm 8 Fast Gott
gleich
Gott- wie herrlich ist dein Name in allen Landen.
Du zeigst deine Größe am Himmel!
Und aus dem Munde Säuglinge
richtest du eine Macht dir zu gegen deine Verächter.
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast
·
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
So
unscheinbar und hinfällig ist er und doch hast du ihn kaum niedriger gemacht
als dich selbst. Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du
hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine
Füße getan. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Wesen allüberall!
Jauchzend
ist dieses Lied- aber ist es noch unseres ? Auf vielfache Weise wirkt Gottes
Wesen, aber wissen wir es noch, wissen wir es schon? Doch, auch wenn unter
verschieden Namen angerufen und in verstreut vielen Gottesdienstformen geehrt,
zieht Frömmigkeit durch unsere Seelen.
Kunst hält die Sehnsucht nach dem Höchsten wach und weiß, sie kann sie nicht erfüllen. Selbst die
Wissenschaft blickt tiefer und ist dem Geheimnis der Welt mittels Zahlen und
Kurven auf der Spur. Das Staunen über die Schöpfung nimmt zu mit jeder
Erkenntnis- Die Wunderbarkeit der Schöpfung ist unermesslich.
Im
Großen ist Gott wie im Kleinen. Die Weltmeere und das Wässerchen des Säuglings
erzählen von seiner Grandiosität. Im Grollen der Bomben und in den Stimmchen
der Kinder bist Du Gott der Grund. Wir Menschen sind von dir ins Gespräch
gezogen, sind in dein Wirken eingearbeitet. Du tust durch uns Deins. Grandios,
du Herz und Hirn und Leib der Wirklichkeit.
Psalm 18 Herr, meine Stärke
Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!
Mein Fels, meine Burg, mein Erretter; auf den ich traue,
mein Schild, mein Heil, mein Schutz!
Es umfingen mich des Todes Bande,
und Fluten des Verderbens erschreckten mich.
Mir war so sehr angst. Da schrie ich zu meinem Gott.
Der erhörte meine Stimme, er streckte seine Hand aus und
fasste mich
und zog mich aus großen Wassern.
Er errettete mich von meinen starken Feinden,
Er führte mich hinaus ins Weite,
er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.
Mit meinem Gott will ich Mauern überspringen.
Ich will dir danken und deinem Namen lobsingen.
Verse 2.3.5.7.17.18.20.30.50
Es
ist was Starkes, Liebevolles, das mich umgibt, wie die Luft; wie Wasser den
Fisch. Unausforschbar, nicht ausmessbar, aber das gültiges Gegenüber- mein
großes Du, das mich anspricht und zum Ich macht. Es rütteln namenlose Kräfte an
mir, sie schütteln mein Selbst, sie lassen mich erstarren in Unsinn und
Banalem. Da schreie ich zu dir. Und du nährst mich wieder mit Vertrauen, du
gibst mir neue Aufgaben und die nötige Kraft dazu. Du gibst mir wieder Lust zur
Gemeinde, und neigst mich wieder Menschen zu. So rettest du mich vor meinen
Feinden, den Niedermachern meinerselbst.
Du
führst mich ins Weite, ich denk dich wieder großherzig- das spannt meine Seele
aus und macht sie frei zur Güte. Das Verbohrte kann ich lassen. Ich kann Mauern überspringen ,die Menschen trennen,
kann Gräben überbrücken, daß Menschen wieder Gefühle und schätze tauschen. Und du, Gott solltest Lust zu mir haben? Das
ist doch eine Liebeserklärung. Ich bin glücklich.
Psalm 22 Verlassen?
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Vers 2
Diesem
Gebet ist die Kreuzigung des Jesus nacherzählt. Viele Szenen von Golgatha sind
hier vorgebildet. Das heißt nicht, daß man sich bei Jesu Kreuzigung an
Psalm 22 als Drehbuch hielt. Aber der „leidende Gerechte“ war hier (und in
Jesaja 53) als Muster vorgegeben. Und
als der rettende Tod dann geschehen war und die herrliche Auferstehung- da fiel
es der Urgemeinde, die ja diesen Psalm kannte, wie Schuppen von den Augen.
Darum starb Jesus sicher nicht nur mit
dem ein erschütternden Wort: „Mein
Gott, warum hast du mich verlassen“. Dieser Vers steht in den
Passionsgeschichten als Überschrift des Sterbepsalmes, und er betete sicher den
ganzen Psalm- der ja eine große Gebets-Leiter ist zu Gott hin.
Mein
Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde
ich keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen
Israels. Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Vers 3-6
Der
Beter hält an dem Gott fest, der verlassen hat und der nicht antwortet. Sollte
der Leidende gerechter sein, der Verlassene treuer? Der Beter ruft sich zur
Ordnung, verbietet sich den Mund. Die Lobgesänge der Gemeinde halten die
Anfragen des Zweiflers kurz. Und schon ist der Leidende wieder auf Linie, ist
an die Leine genommen durch Erinnerung.
Die
Gemeinde, die Heiligen Schriften, das
Gelernte von Zuhause hat den Beter in ein Wissen eingeweiht, das um ein Bündnis
kreist. Gott und Israel, dann auch die Menschheit, sind sich verbunden in Liebe
und Gehorsam. Im Rückblick, erinnert der Beter sich und die Gemeinde, hat sich
Gott immer als Retter erwiesen- auch wenn der Weg durch die Hölle ging.
Ich
aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.
Alle,
die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:
»Er
klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an
ihm.«
Du
hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;
du
ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich
geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.
Sei
nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; es ist hier kein Helfer.
Ich
bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst;
mein
Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.
Meine
Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.
Aber du, Gott, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen! Ich will deinen Namen
kundtun meinen Brüdern,
ich will dich in der Gemeinde rühmen.
Verse 7-12.15.16.20.23
Dem
Beter scheint jetzt Höllenzeit: Ihn
will keiner. Er hat keine Gefährten. Zum Schaden kommt der Spott. Er sieht sich
selber jämmerlich. Dann aber findet der Beter in sich einen Schatz: Er hat sich
ja nicht selbst erfunden. Er ist ja Gottes Projekt: Er erinnert Gott an seine
Verantwortung, Gerade weil der Mensch den Schmerz so erleiden kann und muß,
soll Er zu Hilfe kommen. So denken wir ja auch und bitten und fordern Hilfe von
Oben. Und fanden wir nicht viel mehr Hilfe, als dass wir hilflos blieben?
Eigenartig, sind wir gerettet, verflattert das Danken schnell. Sind wir aber in
Not, ist die Klage groß. Und letztlich denken wir immer Gott schuldig. Dabei
tut Gott Niemandem Leid an- wir sind ja
Verkörperungen seiner Ideen. Vielleicht geschaffen, daß Gott sich fühlt im
Spiegel unserer Gefühle, und er sehnt sich danach, von uns gesegnet zu werden-
indem wir ihn rühmen.
Psalm 23 Mein Hirte
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und muß ich auch durch
Finsternisse,
so fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Hand und Wort trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Heilsöl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen,
ich werde bleiben im Hause Gottes auf immer.
Der
Herr ist mein Hirte, mein Pilot, mein bester Freund, mein Heiler, mein Trainer,
mein Vorbild, mein Leitstern, mein Code, mein Engel.
Mir
wird nichts mangeln, ich werd nicht verrückt, ich geh nicht verloren, in allem
Mangel wird mir nichts mangeln, ich
bleibe Ich- der Behütete.
Er
weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er
hält mich, er stärkt mein Bewusstsein, er beschafft mir Anerkennung, er hilft
mir zu nötigem Wissen.
Er
erquicket meine Seele. Er richtet mich auf durch Freude, er flüstert mir
Gebete, die die Welt bedeuten; er macht mich glücklich, hilft, daß ich
glücklich mache.
Er
führet mich auf rechter Straße. Er lässt mich richtig gehen, er lockt meine
Liebe an die Oberfläche, er hält mich in Balance, er lehrt mich ausräumen, was
die Freude am Tag behindert, er beleuchtet mir meinen Zustand, daß, wenn die Schatten kommen, sie keine Macht über mich
haben.
Um
seines Namens willen, weil er es sich schuldig ist, mich, sein Kind nicht
verkommen zu lassen. Er will die Verderbnis seiner Schöpfung verhindern, er
will mich als Retter mitziehen. Und sein Name ist Heil und Hilfe, Sonne und
Schild, Vatermutter, Lebensgrund. Sein Name werde geheiligt.
Und
muß ich auch durch Finsternisse, so
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Hand und Wort trösten
mich. Du hast Menschen zur Hand für mich, Rettungsdienste, Ärzte, Anwälte, ADAC,
Rotes Kreuz, Nachbarn, die Kirchengemeinde, Nächste und Allernächste, in deren
Hände steckst du dich zu mir hin. Die Worte der Mütter, der Liebenden, der
Dichter, die Zeichen der Künstler trösten; du bist in ihnen bei mir.
Du
bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du nimmst mich aus
dem Schussfeld, du lenkst die Angriffe von mir ab, du schickst die rettende
Ausrede, du lässt mich meinen Teil abbekommen. Du nimmst mich in Schutz auch
gegen die feindlichen Gedanken aus meinem Inneren, du überlässt mich nicht den
nächtlichen Gespenstern, du lädst mich an den Tisch in der Sonne.
Du
salbest mein Haupt mit Heilsöl und schenkest mir voll ein. Du berufst mich zu
deinem Kind und setzt mich in das Amt deines Mitarbeiters ein. Du gibst mir
dein Zeichen an die Stirn, ich bleibe gesalbt und gezeichnet von dir und für
dich. Du schenkst mir voll ein an Freude, an Ehre, an Gebrauchtwerden.
Gutes
und Barmherzigkeit werden mir folgen, man wird nicht hinter mir herfluchen,
nicht mich wie eine Last beseitigen. Spuren sollen von mir bleiben, die Zeichen
aufstellen für guten Lebensweg. Ob du Bäume pflanzt oder Kinder erziehst oder
einen Weg gefahrloser gestaltest oder ein tröstendes Lied anstimmst oder
versöhnende Sprache hinterlässt- es soll gut gewesen sein, daß du da
warst.
Ich
werde bleiben im Hause Gottes auf immer. Ich werde zu Gott gehören, werde ihm
nicht entfallen, werde sein Gefährte sein, wenn die Schöpfung ganz und heil
wird, und die Liebe allen Haß verdaut hat. Und Friede wird sein im All, Das All
wird ganz Haus Gottes sein.
Ich
habe in meinem Leben viele kluge und gute Bücher gelesen. Aber ich habe in
ihnen allen nichts gefunden, was mein Herz so still und froh gemacht
hätte, wie die vier Worte aus dem 23.
Psalm:
„
Du bist bei mir.“ Immanuel Kant
Psalm 24 Machet die Tore weit -siehe Neues
Testament A1
Psalm 30, ein Lied zur Rettung aus großer Not
Ich preise dich, Herr; denn du hast mich
aus
der Tiefe gezogen und läßt das Feindliche
nicht über mich siegen
Als
ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund.
Du
hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten.
Vers 2-4
Wir
Menschen sind eine Erfahrungsgemeinschaft.
So sind in unserm Nervensystem die Schrecknisse und Freuden all derer
vor uns als unwillkürliche Reflexe gespeichert. Unsere Sprachen haben viel
vermessene Welt in sich. Lieder und Gedichte sind Schiffe voll Erlebnisfracht.
So besingt das Liedchen „Hänschen klein“ die Mutter-Kind-Trennungsschmerzen
jeder Generation, „Die Gedanken sind frei“ sichern trotzig ein Menschenrecht.
Und Psalm 30 besingt wegweisend die Auferstehung aus Abgrundstiefen.
Es
ist da ein Verantworter aller Realität, ein Schöpfer der Universen, das große
Du für alle Iche dieser Welt. Du rufst die Ichs in ihr Personsein, du Ganzer,
du Ganze, von der wir die Atome sind; du, die Weltseele, von der wir die Relais sind, du die Zeit und wir die
Phasen, wir die Worte, du das Lied.
Du
hast mich aus dem Nichtsein gezogen. Du hältst mich ins Sein. Weil du mich willst, bin ich vorhanden. Und weil
du mich als genau diesen Menschen willst mit genau diesen Genen und Wegen, bin
ich, wer ich bin. Und werde noch immer mehr Deiner bis ich ganz in dir ruhe.
Ich preise dich, Dich, brauche dazu selten Festgottesdienste, im Ein-und
Ausatmen, im Schlagen des Pulses, im Verdauen der Nahrung zu Energie , im Spiel
der Liebe bist Du da, „das Lebendige in allem Fleisch“.
Und
doch ist es gut, dich mir zu benennen, damit Dank und Staunen mich
Schwerfälligen leicht machen. Ich will merken, will wahrnehmen die
Wunderbarkeit deiner Wege mit mir. Allein schon das Überwintern der Knospen und
mein Auf- die-Beine-Kommen am Morgen,
das Wegwischen des Missmutes, und wie das Grämliche schmilzt unter Einstrahlung
von Sympathie- Gott , mein Gott, wie rettest Du mich stündlich vor dem Nichtigen.
Du
hast mich aus den Tiefen gezogen, fast wäre ich ertrunken, verblutet, hätte
mich weggeworfen, wäre verstoßen, verarmt, verhärmt. Doch du hast mich über
Wasser gehalten durch einen Menschen, du hast Hilfe bringen können, du hast
mich wiederbeatmet mit Lebensmut. Du hast mich zu dir schreien machen, Du hast
mir schluckweise Zuversicht eingespeist, du hast mir vor dem Erstarren etwas
Wärme von der Hand eines Andern zukommen lassen.
Ich
war mir schon tot, mir war die Welt schon vergangen, da hast du mich wieder
berufen zu noch ganz anderem Leben.
Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen,
und preiset seinen heiligen Namen!
Denn sein Verdunkeltsein währet einen Augenblick
Lebenslang dagegen
seine Gnade.
Den Abend lang währet das Weinen,
aber des Morgens ist Freude.
Vers 5-8
Und
dann braucht man doch Gemeinde, Freunde, Mitfeiernde, braucht doch beschwingte
Gottesdienste- den Chor, der die eigen Stimme mitträgt. Allein kann man nicht
recht haben, nicht auf Dauer. Darum gib ein Fest zu deiner Rettung., schreib
auf dein Erstarken, erzähl deine
Wiederkehr zu den Lebenden, bekenne deine Dankbarkeit. Ruf es hinaus, wie ganz
und gar unselbstverständlich dir deine Genesung ist.
Gott
wird so viel verklagt, meist von außen,
nicht von denen, die noch mit Gott ringen, ihn als Mitleidenden ahnen. Aber du,
du hast doch erfahren, dir war er nur eine Strecke verdunkelt, dir war er nur
eine Zeit lang abhanden kommen. Schlimmst genug war das. Aber gegen deine
Rettung und die dann glückliche Zeit ist
doch sein Dunkel dir nur ein Schreck lang gewesen. Lasse das Zagen,
verbanne die Klage, Maule nicht, mach es gut.
Und
auch - wenn du zur Nacht weinst, morgen ist ein neuer Tag seiner Gnade. Freude
wird dir blühen, halt dich bereit.
Vers
6 heißt im Urtext:“ Sein Zorn währet
einen Augenblick“- Das kann man so
verstehen: Da ist einer überglücklich einem Leid entronnen und fordert seine
Sinne und die Menschheit auf, Gott zu loben. Er hat sein Leid mit eigenem
Versagen in Verbindung gebracht, aber es ist ihm eine Ehre, daß er wahrgenommen
ist vom ewiggültigen Gott. Dieser muß ihm zürnen, wie er ja selbst über ich
zürnt. Zorn ist viel mehr Zuwendung als matte Toleranz, Zorn ist Zeichen des
Getroffenseins- wäre ihm der Beter egal, hätte er ihn einfach nur abgetan. Kann
zur Liebe auch Zorn gehören- einen Augenblick lang? Die vor uns meinten, Zorn
ist die Kehrseite der Verunehrung, und muß sein. Aber jedenfalls sind die
Proportionen wunderbar: Ein Nu das Dunkel zwischen Gott und uns, aber
lebenslang seine Gnade. Herrlich, mit Tränen in die Nacht, manchmal muß es
sein. Aber des Morgens ist Freude, auf Gott ist Verlass.
Ich
aber sprach, als es mir gut ging:
Ich werde nimmermehr wanken.
Denn, Herr, durch dein Wohlgefallen
hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt.
Vers 7.8a
Vor
dem Fall kommt der Hochmut. Geht’s uns schlecht, sind wir mit Klagen schnell
dabei. Geht’s uns aber gut, werden wir leicht selbstgefällig und fahrlässig.
Meinen sogar, die Gunst des Schicksals gepachtet zu haben. Meinen wir, als
Liebling des Herrn erhoben zu sein auf Sockeln aus Beifall? Sehen uns erhoben
„über denen da unten“? Es gibt eine Arroganz, die Dank benutzt um sich den
Hausgott gefügig zu halten, nach dem Motto: „Ich danke Gott, dass ich nicht so
bin, wie die andern“(Lukas 18,11) .
Aber
als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich.
Dann
rief ich wieder zu dir und flehte:
Herr, sei du mein Helfer!
Verse 8b.9.11
Es
ist wohl so: „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil“
(Schiller). Weil ja die Ressourcen begrenzt sind, und alles seinen Preis
hat, Und die Welt voll Doppeldeutigem
und Doppelbödigem ist. Und wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Ein tiefer
Fall wird von uns verstanden als habe Gott weggeguckt und nicht aufgepasst. Als
würde Gott auch mutwillig uns in Fallen tappen lassen, uns Krankheiten
anhängen. Aber Gott ist gut. Was geschieht, geschieht ihm. Es kann sein, dass
wir den Blickkontakt zu Gott verlieren, auch weil wir ihn an falschen Orten, in
falschen Verpackungen suchen.
Gut,
wenn wir dann zurückgehen zu biblischer Erfahrung und etwa an Jesu Geschichten
die wahre Spur aufnehmen zum Gott in
den Mühen und im Teilen und Bitten.
Erstaunlich
ist ja immer wieder die Selbstgewissheit. Kaum ist man aus dem Schlamassel
raus, da strunzt er wieder: „Mir kann keener“ , „et es noch immer god jejange“,
„Wanken? Nimmermehr“. Hat Gott Wohlgefallen an einem mit so aufgeblasenen
Backen, der sich rühmt ihn zum Schutzpatron zu haben? Im Augenblick kann es
sein, daß er sein Antlitz verbirgt. Eine Kälte durchflutet die Gedanken, Die Wärme
der Verlässlichkeit ist dahin. Man steht allein. Dann, wohl mir, wenn ich durch
die Verzweiflung hindurch flehen kann. Und dann –so bezeugen die Heiligen von
alters her- wird er die Klage verwandeln.
Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,
du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen
und mich mit Freude gegürtet,
dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Vers 12.13
Wenn
das doch die Beute meines Erdendaseins wäre, die ich mir auf den Grabstein
wünschte. Das Leben ist gekennzeichnet als Auftakt, als Weg zur Heilung, als
Heimweg, auch das Leben als Erziehung zum Frieden- in den Abschnitten und als
Ganzes: Von der Klage zum Reigen, von der Trauer zur Freude. Die Klage hat ihr
Recht- bewahrt sie doch dem Gepeinigten die Würde, nicht gut finden zu müssen ,
was ihm abgebrochen und entwunden ist. Aber Gott als letzte Adresse für Klage
und Dank fädelt uns wieder ein in den Reigen der Freude.
Trauerkleider
haben ihre Zeit. Weil wir die uns Entnommenen als Hingegangene zu Gott wissen,
und weil der Reigen, den Gott mit seiner Schöpfung vorhat, noch in Arbeit ist,
darum sind wir auch noch mit am Bau des Herrn und legen die Hände noch nicht in
den Schoß beim Loben.
Verheißen
ist: Du wirst zurückblicken, deine Seele ist
erstarkt, du bist wie zum Tanz
geleitet in glücklicher Runde, Klagelieder ade! Schamzeit, Schuldzeit -
abgetan, Du strahlst vor Freude. Gott will, dass du es so erlebst.
Psalm 31 In Gottes
Händen geborgen
Gott, auf dich traue ich,
lass mich nimmermehr zuschanden werden,
errette mich durch deine Gerechtigkeit!
Denn du bist mein Fels und meine Burg,
und um deines Namens willen leite und führe mich.
Zieh mich aus dem Netze, Du meine Stärke.
In deine Hände befehle ich meinen Geist;
Du stellst meine Füße auf weiten Raum, meine Zeit steht in
deinen Händen.
Verse 1,3,4,6,9b, 16
Morgens
will ich mich orten, abends mich münden lassen in den Großen Ganzen, Gott
genannt. Wir brauchen doch Orientierung. Ein Schiff kann auch nicht Kurs nehmen
an der Mastleuchte, es braucht den Leuchtturm von außerhalb. Auch wir können
uns nicht an uns ausrichten. Mein Gewissen muß sich gebunden wissen an eine
letzte Instanz, mein Vertrauen sucht das Herz aller Dinge.
Mein
Fels, meine Burg, meine Stärke sind die Ankerworte der Menschheit für den
Ewiggültigen. Der errettet mich, weil ich sein bin. Nicht ich bin seiner
besonders würdig, nicht gut und gerecht. Sondern seine Liebe macht mich ihm
recht. Seine Güte deckt meine Schwächen; Sein Verzeihen zieht mich aus den
Verstrickungen, mein Geist wird neu verständig durch Sprechen mit ihm.
Du
stellst meine Füße auf weiten Raum, ich kann wieder ausschreiten und sicher
gehen. Meine Zeit nehme ich aus deinen Händen, meine Wege sind in deine Hände
gezeichnet. Ich kann nicht verfallen.
Darum
wird der Tag gut, und die Nacht lässt mich sicher ruhen.
Psalm 37 Er wird’s wohl machen
Hoffe
auf Gott und tu Gutes, habe deine Lust an Gott; der wird dir geben, was dein
Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl
machen.
Von Gott kommt es, wenn eines Menschen Schritte fest werden.
Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn Gott hält ihn fest
an der Hand.
Lass ab vom Bösen und tu Gutes.
Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird
es zuletzt gut gehen.
Verse 3-5,23,24,27,37
Gott
meinen Weg in die Verantwortung geben, das ist es.- Natürlich bin ich
verpflichtet, Gutes zu tun, redlich zu handeln und mich nicht blöde
anzustellen. Aber Lust an Gott haben, ist die größte Kunst. Die Dinge mit ihm in
Beziehung sehen, mit ihm zu tun haben in allem und jedem, ihn auf dem Spiel
stehen sehen, ihn sprießen sehen in allem - das ist faszinierend. Warum blühen
die Blumen in so prächtigen Farben? Nicht nur zur besseren Vermehrung sondern
weil Gott farbenfreudig ist. Warum bist
du da? Nicht nur, weil die Eltern ein Kind wollten sondern weil der Weltwille
dich will und in dir was Besonderes ausrichten will.- Den Zusammenhang glauben
von allem und jedem mit Gott, dem Ganzen- das ist gut.
Ihm
meine Wege anbefehlen, meint, ihm mein Schicksal anzuvertrauen: Also beten um
Geleit und Schutz vor allem vor eigenen Verrücktheiten. Es ist soviel Irrung und Wirrung möglich, unter jedem Dach ein „Ach“- doch,
mindestens eine Mühsal, , ein Gebrechen, eine Schwäche, eine Unart. Und wie
damit zurechtkommen? Gott, gib mir Hirn und Mut und Einsicht und Chancen. Und
Balance, Maß, Freude an Harmonie. Hinfallen, aber noch aufstehen können, und
wenn nicht, daß dann Hilfe komme von
Gott, „Schutz und Schirm vor allem Argen“- so weit wie möglich.
Bleibe
fromm- also vertrauensvoll in Gott. Wisse, daß Du mit allem zurechtkommst, weil
und solang du es mit Gott in Beziehung siehst. Gottes Hand kann drücken, aber
es ist seine.
Was betrübst du dich, meine Seele?
Und
bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Ich werde ihm noch danken, daß er
meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Psalm 42,6
Darauf
setzen- immer wieder wird das die Ernte sein: Du wirst danken. Lass doch die
Wege steinig sein, sie münden im Guten. Lass die Tränen rinne, sie werden von
Sonne weggeküsst. Lass Menschen dich enttäuschen, du wirst letztlich gerettet
und heil werden. Keine Angst. Bitte. Du wirst hindurchgetragen.
Will dich nicht fürchten
Ich will auf Gott hoffen und mich nicht fürchten. Was können
mir Menschen tun?
Psalm 56,5
Menschen
können Menschen viel antun, das weißt
man von sich selber, man weißt von seinem Raubtierpotenzial, wenn man gekränkt
bist. Doch sag dir das täglich: Ich
will mich nicht fürchten, was können mir Menschen tun? Sieh die vor dir nicht
bedrohlich aber suche nicht Gefahren. Räum Missverständnisse aus. Sieh dich
nicht verfolgt, nicht ausgegrenzt.
Genieße unbefangen deine Welt. Nimm hin, was geschieht, es ist kein
Vorwurf an dich, wohl aber Lockruf, mit zu spielen und das Beste für dich
daraus zu machen. Denn es ist Gottes Geschichte, in der du mittust. Es soll dir
gut gehen, das ist Gottes Projekt: Rettung.
Entdeck deine wünsche wieder
Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein ganzer Mensch verlangt nach dir
aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist besser als Leben.
Das ist meines Herzens Freude und Wonne,
wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,
wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel
frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.
Psalm 63, 1-9
Daß
deine Seele nach Gott dürstet- das merkst du an innerer Verwahrlosung:
Langeweile, Lähmung, wunschloses Unglück, keine Gemeinde, kein Trost, keine
Freude, kein Ruf. Es ist schon der
ganze Mensch , der sich leer fühlt, unnötig, verlassen, verarmt. Aber wenn du
noch deinen Mangel merkst, ist Hoffnung. Bitte, entdeck deine Wünsche wieder. Wenn du Dich nach
Leuchten und Freude sehnst, hältst du nach Gott Ausschau.
Du
hast ja von Gott gehört. Wenn die Welt sein Haus ist, dann hat er viel zu
bieten. Seine Güte ist ja, daß er Macht und Herrlichkeit teilen will. Er will
auch dich beglücken. Es ist seine Leidenschaft, dich loben zu machen.
Darum
sinne wieder über ihn nach, sinne dir nach im Gespann mit ihm. Unter dem
Schatten seiner Flügel erspüre dir ein neues Lebensgefühl: Du- gehalten,
getröstet, gebraucht, geliebt.
Freude
und Wonne sollst du ausstrahlen, Gott wird nicht ruhen, bis Du soweit bist. Und
wenn er dich erst durchs Sterben fädeln müsste, du wirst ihn finden.
Ein intensives Loblied
Singet Gott, lobsinget seinem Namen! Freuet euch vor ihm!
Er
ist Vater der Waisen und Helfer der Witwen, ein Gott, der die Einsamen nach
Hause bringt, der die Gefangenen herausführt.
Als
du vor deinem Volk herzogst in der Wüste, da bebte die Erde, und die Himmel
troffen vor Gott - am Sinai.
Gelobt
sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir
haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet. Immer
wieder gibt er den Menschen Macht und Kraft. Gelobt sei Gott!
Psalm
68, 5-9, 20, 21,36b
Ein
Schatz an Lebenserfahrung in sieben Sätzen: Freude ist unser Auftrag. Dem die
Welt gehört, der hängt vor allen anderen an den Beschädigten und Verlassenen.
Die am meisten entbehren, haben am meisten noch von ihm zu erwarten.
In
jedem Leben soll es Zeiten geben, die von Gott „triefen“, von Glück, Fülle,
Liebe, Verwöhntsein. Jeder Mensch soll zurückblicken können auf Heilszeit.
Eine
Heilszeit der Menschheit war wohl die Zeit Israels in der Wüste, als sie auf
dem Weg waren aus der Knechtschaft Ägyptens ins Gelobte Land.- Da am Sinai
troff der Himmel von Gott- Fülle um Fülle fiel uns zu in den Zehn Geboten- dem
Masterplan für gutes Zusammenleben.
Gott
gibt. Er ist der Quell aller Güter, auch der Brunnen aller Güte- Gott betreibt
das Lebenkönnen seiner Schöpfung mit dauernder Ausschüttung guter Gaben und
Kräfte. –Aber es ist auch Mangel, Irrtum, Gier, Schuld, Schaden,Verbrechen. Ich
möchte alle Last als von Gott aufgelegt sehen können, also sie annehmen als
nötig. Nicht als Strafe oder Prüfung,
sondern als Mühe , die getragen sein muß. Und das mir auferlegte Quantum soll
ich tragen, weil an diesem Ort zu dieser Zeit ich da bin, und andere für andere
Mühen gebraucht werden, ich aber für dieses, mein Leid. Schon das wissen, daß nicht blöder Zufall
Spott mit uns treibt, hilft. Und mir hilft zu wissen, daß mit der geschulterten
Mühe ich Gott beistehe, mit Hier fertig
zu werden. Mehr als die Mühen zählen, dass
alle Macht, alle Kraft, die uns zuströmt, von ihm ist, dem Liebhaber des
Lebens.
Das große Dennoch
Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich endlich mit Ehren an.
Psalm 73, 23.24
Allen
Katastrophen und Schmerzen begegnet der Beter mit seiner Dennoch-Posaune. Was
auch an Fürchterlichem auf mich niederprasselt, könnt ich doch auch dies
Dennoch anstimmen. Nicht weil ich so stark bin oder stur, so fromm oder
beharrlich. Sondern das große Du hält mich. Auf unbeschreibliche Weise bin ich
geborgen, gehalten, bin gebunden an dich, weil du, Gott, mich nicht lässt. Mit
dem Rücken zur Wand bleib ich an dich gelehnt, bleib in deine Hände gepresst,
auch wenn sie hart sind, jetzt. Du leitest mich, ohne mir meinen Freiraum zu
nehmen und ohne die Bosheiten des Lebens vor mir wegzublasen. Ich gehe im
Gehege deines Willens, das ist mir wichtig, auch wenn die Räder des Schicksals
und dein Rat für mich auseinanderdriften. Ich sehe mich auf einem langen
Lebensweg, der bei dir mündet. Und das ist tröstlich wunderbar: Du nimmst mich
endlich mit Ehren an. Wenn dies das Ziel des Lebens mit dem Sterben am Ende
ist, ist alles gut. Weil alles gut wird.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Psalm 73,25
So
kann ich es nicht sagen, Gott. Zu fest hast du mich an Erde und Stoff und
Menschen gebunden. Aber alles, was ich liebe, ist mir doch Pfand geworden für
dich. Noch habe ich dich nur in den von dir aufgegebenen Pflichten und Freuden,
in den anvertrauten Nächsten, in den Sonnenstrahlen, im Liebesgeflüster. Gerade
weil ich dich habe, oder du mich hast, frage ich nach deinem Himmel und deiner
Erde.
Wenn
mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so
bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.
Psalm
73,26
Noch
ist mir nicht Leib und Seele verschmachtet, aber ich war auch schon hart am
Rande. Und ich hatte keine Sprache mehr zu dir hin, es wurde leer in mir. Da
schenktest du mir Fisseln von Glaube, dämmernde Hoffnung, Rinnsale von
Geliebtsein, Gedächtnishauche der
Vorigen mit dir. Du ängstigtest dich um mich. Auch wenn ich an dir zweifelte,
du hieltest durch, Du hieltest mich. Gott, du meines Herzens Trost, ich bleib
mit dir verwickelt, bleib an dich angedockt, bleib mit dir im Konvoi- wie
Leonardos Adam mit dir Finger an Finger blieb.
Aber
das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und
meine Zuversicht setze auf Gott, dass
ich verkündige all dein Tun.
Psalm
73,28
Freude
schöpfen aus der Zuversicht auf Gott- sie gibt jedenfalls langen Atem. Und
Menschenbefreundung- wir sind doch einander zur Erfreuung gedacht. Was zählt da
aller Ärger und alles augenlose Aneinandervorbeihasten.
Ich
will von dir aufgeweckt sein, will für dich eine gute Reklame sein. Dein Tun
verkündigen heißt ja vor allem von deinem Tun eingenommen zu sein und dein Tun mittun. Und das ist die reine
Freude. Wenn wir das mitdenken, dass wir dein Tun mittun, mitleiden,
mitgenießen, sind wir gerettet, sind wichtig, sind der Leere entronnen.
Freude am Hause Gottes
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, mein Gott
Meine Seele verlangt nach den Vorhöfen des Herrn;
mein Leib und Seele freuen sich
in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden
und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen -
deine Altäre, mein König und mein Gott sind mein Haus und mein
Nest.
Psalm 84,2-5
Du,
ich in Gott- das uns die Heimat sein lassen. Die Welt sein Haus- wir hier nicht
fremd. Aber wir sind auch von Erde, wollen besitzen, wollen zu etwas sagen
können: „meins“, „Meins und nicht deins“. Und dann hängen wir an Haus und
Grund, an Konten und Sachen, wie festgeklebt.- Würden wir doch uns leichter tun
mit dem Irdischen, es nutzen und pflegen , es teilen und auch mal lassen
können.
Vielleicht
sind die Kirchen und Altäre Zwischenräume- Irdisches, mit deutlich himmlischem
Anstrich; besonders ausgegrenzte Orte ,an denen sich Gott und Mensch gut
treffen können. Einige Kirchen und Altäre geben deiner Seele besonderes
Heimatgefühl. Such sie wieder auf.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachleben!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /
wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott.
Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; /
Psalm 84,6-8,12
Gott
für meine Stärke halten- das macht: Mein Zugottgehören hält mich. Mein Machen und Können sind
Kräfte von seinem Energiestrom, Noch im Dürren kann ich Brunnen bauen, noch im
Dunklen das Licht des Mutes entzünden. Sieh, wie du Kräfte nimmst, als gingest
du von einer Blüte zur nächsten- und du bist ein Segen für dein Umfeld. Lass
dir Gott Sonne und schild sein, die Kraft zu allem Guten, der Schutz in allem
Schweren. Er ist Sonne- alle Energie: er ist Schild, Schutz, Hilfe. Gott –alle Energie, alle Liebe- was müssen
wir mehr wissen.
Der Gott „Zuflucht“
Gott, du bist unsre Zuflucht für und für.
Ehe
denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,
bist
du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Du
lässt die Menschen leben, lässt sie dann auch sterben. Und sprichst: Kommt
wieder, Menschenkinder!
Psalm
90,1-3
Einer
der innigsten Namen für Gott ist „Zuflucht“. Du Gott bist mir Zuflucht, Ziel,
Halt, Schutz. Wenn es nicht weiter geht bist Du da; Du bist die Mündung von
allem. Wenn mir die Seele ausfließt, fließt sie in Dich. Geh ich mir verloren,
rufst du mich heim. Du bist schon immer da, wirst auch nach uns kommen. Du
bist. Du bist das Meer, das uns Strudel bildet, die eine Weile bleiben. Dann
rufst du uns aus unserer irdischen Gestalt zurück: kommt wieder, Menschenkinder.
Dies macht uns einmalig; Statt anonymer Energie- Strudel sind wir Deine Kinder.
Du rufst uns –also bleiben wir vor Dir. Bleiben also auch für uns wer. Wer, was
bleiben wir? Deine.
Tausend
Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine
Nachtstunde. Du lässt uns dahinfahren wie einen Strom, wir sind wie ein Schlaf,
wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst; das am Morgen blüht und sprosst und
des Abends welkt und verdorrt.
Das macht dein Wille, dass wir kommen, ein Stück bleiben,
wieder gehen,
Uns ist es ein Schrecken, wenn wir plötzlich dahinmüssen.
Dann stehen wir vor Dir- mit
Sünden. Aber stehen im
Lichte deines
Angesichtes.
Psalm 90,4-8
Die
Zeitmaße sind verschieden. Schmerz
zerdehnt die Zeit, Glück macht sie pfeilschnell. Unsere Lebenszeit fließt erst
mal wie ein breiter Strom- das ist in
Kindheit und Jugend. Dann geht es wie im Schlaf- zügig, hindurchpreschend in
Arbeit, Liebe, Kinder oder auch nicht, Standgewinnen, Hausbau. Im Nu sind wir
alt, sind wie ein Gras, das hinfällt. Je älter wir werden, desto schneller
fließt die Zeit ab: dann ist es plötzlich zu spät, dann ist hier Schluss mit
Wandel. Doch wir verfallen nicht. Wir
haben Aussicht: Du stellst uns vor Dich. Das Licht deines Antlitzes wird uns
schön machen.
Alle
unsre Tage
werden
durch dich angetrieben. Dein Unwille gegen das Böse macht dich auch zornig, so
müssen wir denken. Wir bringen ja auch unsre Jahre meistens zu wie ein
Geschwätz.
Unser Leben, wenns gewährt ist, währet siebzig oder achtzig Jahre,
und wenns hoch kommt, noch etwas mehr.
Wenn es köstlich
gewesen ist, ist es doch
voll Mühe und Arbeit gewesen. Es fährt schnell dahin, als
flögen wir davon.
Psalm 90,9.10
Der
Treiber des Lebens ist Gott. Mittels der Zeit tätoviert er uns, wir werden geprägt
vom Geschehen und gestalten es mit. Darum ist unser Gehen in der Zeit so
wichtig, der Umgang mit Zeit so dramatisch entscheidend. Ob wir unsere Tage
zubringen in freudloser Eile, geschwätzig- leer oder in hemmungsloser Zärtlichkeit –was an uns ist, lasst uns
doch gern hier sein, auf dieser schönen armen Erde. Zuletzt wird uns alles zu
kurz gewesen sein. Und wir wünschen uns davonzufliegen in das, was bleibt.
Klug werden
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir
klug werden.
Psalm 90,12
Klug
werden angesichts des Sterblichseins: Wir sind nur auf Zeit hier. Also lauter
letzte einmalige, wunderbare, teure, schützenswerte, gut zu nutzende Tage. Und
Nächte. Also Lachen, Lieben, Beistehen, Nehmen, Geben, Probleme lösen,
Schmerzen und Lasten tragen, Schuldigwerden und Verstehen. Und „Wenn du weißt,
was du willst, musst du machen, daß du hinkommst“ (Mißfits) Und „Man muß die
Notwenigkeiten lieben und pflegen lernen, muß das Starre und Unversöhnliche
eben zu erweichen versuchen; und darf sich nie verstoßen vorkommen“(R. Walser).
Wir können unsere Zeit nicht vermehren, können uns aber vervielfachen, indem
wir uns ins Lebendige und in seine Seele: Gott, vertiefen. Und ja, bei den
Zurückbleibenden mal einen guten Nachgeschmack hinterlassen.
Fülle uns frühe mit deiner Gnade
So wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Nach Unglück erfreue uns wieder.
Zeige uns deine Werke, deine Herrlichkeit deinen Kindern.
Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich /
und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.
Ja, das Werk unsrer Hände und Gedanken wollest du fördern!
Psalm 90,14-17
Was
genau für dich Lebensklugheit ist, mußt du selbst erfahren auf deinem Weg.
Sicher hilft es, sich vor Gott auszusprechen und zu bitten: Fülle uns mit
deiner Gnade: also mit Heiligem Geist, mit Begabungen, Menschenfreundlichkeit,
Humor, Staunen, Dankbarkeit. Freude ist sichtbares Zeichen von Gnade,
Fröhlichkeit ist Hilfe. Eine starke Form göttlicher Freundlichkeit sind Hände
und Gedanken, die ein Werk gestalten. Wir alle brauchen die Förderung von oben.
Beten wir, daß wir heute brauchbar sind fürs Leben.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Psalm 103,1
Es
lobt sich also nicht selbstverständlich. Mein nachdenklicher Geist muss mein
Ich anfeuern, muss meine Person, meine Seele antreiben, sich aufzuschwingen,
Gott zu loben. Vielleicht sind wir ja wie Kinder, die meinen , ein Anrecht zu
haben auf Verwöhntwerden. Sind wir unleidlich, wissen wir schnell uns beim
Herrn zu beschweren. Aber ihn loben? Ihn anerkennen als großen Künstler, ihn
bewundern als Freund des Lebens? Ihm Dank sagen? Wir haben kein Recht auf den
nächsten Atemzug und bekommen ihn doch eingegeben. Wie überirdisch fühlt sich
das Lieben an? Wie grandios ist der Herrgott, der macht, daß wir bei der
Schöpfung mitmachen.
Danken
, Loben ist zuerst mal staunen. Also nicht wie Klötze durchs Leben zu stolpern
sondern merken, wie wunderbar ist, was ist.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat und tun wird:
Psalm103,2
Nimm
wahr und merke dir, was dir Gutes
widerfährt. Allein ein schlichter Tag, den man ohne Aufzeichnung schon
übermorgen vergessen hat, birgt eine Fülle von Glückserlebnissen, von Behagen,
Wohlgefallen, Zufriedenheit, Genuss und Bewahrung, Einfällen, Lachen,
Gesprächen. Ein einziger Tag ist in seiner Wunderbarkeit unausschöpfbar. Ich
will von jedem Tag ein zwei , fünf Eindrücke behalten, am besten schriftlich,
auch um das Gute zu behalten.
Der
dir alle deine Sünde vergibt
und
heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich
krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der
deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Psalm103,3-5
Die
Sünden vergeben bekommen, beschafft offene Zukunft. Schwer lastet Schuld,
begangene und erlittene. Begangene Schuld rumort in mir, bis sie beglichen ist.
Erlittenes Unrecht bleibt offene Wunde,
bis Gespräch stattfand, Eingeständnis gelang, ein Stück Wiedergutmachung
angeboten ist.
Ich
darf meine Schuld von Gott vergeben glauben- das ist dramatisch wichtig, denn
er ist das Wesentliche aller Wesen; was jeden trifft, trifft ihn erst recht- er
muß alles aufnehmen und verdauen. Vergibt er, muß ich und kann ich auch
vergeben und gutmachen.
Alle
Gebrechen, Mühen, Leiden sind Stationen auf dem Weg zur Heilung, gegen keinen
wird er sich entscheiden. Jedes Leben ist auf Fülle, Freude, Erlösung aus. Vor uns Krönung. Vor uns Teilhabe an seiner
Vollkommenheit. Darum sterben wir auch nicht ins Leere sondern werden abgekeimt
vom Lebensköper, heimgetragen in Gott. Gegen das Bewußtsein vom allmählichen
Einsinken in den Tod will ich dies Lied singen je älter, je lieber: Es steht
bevor: Gekrönt werden. Und das macht fröhlich und jung, quer zu unsern
Erfahrungen von einst.
Barmherzig und gnädig
Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht
leiden.
Barmherzig und gnädig ist Gott, geduldig und von großer
Güte.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns
nicht nach unsrer Missetat.
So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade
walten über uns.
Wie sich Vater, Mutter
über Kinder erbarmen, so erbarmt sich der Herr über die Seinen.
Psalm 103,6.8.10.13
Gott
schafft Recht. Dann wissen wir ja auch, was er von uns erwartet. Und seine
Barmherzigkeit ist das Schmieröl, uns
an die gemeinsame Sache zu bringen.
Aber er handelt nicht mit uns, er ist großmütig, er weiß wie brüchig wir
sind.
Er weiß, was für ein Gebilde wir sind;
er gedenkt daran, dass wir von Erde genommen sind.
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,
und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.
Die Gnade Gottes aber währt von Ewigkeit zu Ewigkeit
über denen, die ihm gehören.
Lobe den Herrn, meine Seele!
Psalm 103,14,15,16,17,22
Der
wahre Grund für Gottes Güte ist, daß wir ihm gehören und aus seiner
bestmöglichen Materie sind. Wenn trotzdem wir so egoistische, kleinliche,
raffige Menschen sind, ist es unsere einzige Chance, daß Gott zu uns hält.
Loben wir, so feiern wir Gottes
Großmut. Er freut sich, wenn er nach uns schaut.
Gott, mein Gott, du bist herrlich
Du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
du baust deine Gemächer über den Wassern.
Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen
und kommst daher auf den Fittichen des Windes,
du machst Winde zu deinen Boten
und Feuerflammen zu deinen Dienern;
Psalm 104,1-4
So
von Gott schwärmen: Er der wunderbare Liebhaber von Allem, die Schöpfung – sein
Schmuck- (So auch im griechischen Denken: kosmos =Schmuck Gottes), Licht als
sein Kleid- wohl die hintergründigste Bestimmung dieser Sache. –Eine andere
Übersetzung: „Der das Licht sich umschlingt wie ein Tuch“-.Eigentlich ist ja
Licht die Erleuchtung die Gott in die
Welt setzt mittels all der Gase und Atomsonnen.
Das Himmel als Zelt, Wolken als Wagen, Winde als Flügel
des Herrn, als Boten; Feuer als Diener- nichts ist mit seiner physikalischen
Bedeutung zufrieden.- Alles ist sein
Stoff, ist ihm untertan, steht ihm zur Verfügung- auch wenn es seine eigene
Würde hat. Aber Gott braucht auch sein Geschaffenes. Es gibt eine Verabredung
zwischen Gott und seinem Werk: alles ist zum Dienst für alles da, in diesem
Zusammenhang aber hat jede Sache ihre Selbstständigkeit.
Machtwort
Du hast das Erdreich gegründet auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
Mit Fluten decktest du es,
die Wasser standen bis über die Berge.
Aber vor deinem Machtwort wichen sie.
Die Berge hoben sich,
die Täler senkten sich herunter.
Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, sie
dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken.
Aus Quellen lässt du
Bäche fließen,
zwischen den Bergen eilen sie dahin,
Sie bieten Trank den Tieren des Feldes
und das Lebendige löscht davon seinen Durst.
Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Auf den Bäumen sitzen die Vögel des Himmels
und singen unter den Zweigen.
Psalm 104,5-13
Das
Wasser könnte Konkurrenz des Lebendigen sein. Wir erleben es als Urstoff, der
Leben erst möglich macht, und als Stoff, der tötet. Welch ein Glück, daß wir
das Wasser von Gottes Hand gedämmt
sehen. Wenn wir uns wissend in den Kenntnissen der Natur bewegen, können wir
die Wasser gut nutzen. Aber wie tollkühn befahren wir die Ozeane und siedeln am
äußersten Meer. Dann Gott zu beschuldigen der Orkane und Überschwemmungen,
steht uns nicht zu. Aber Gott kann es verkraften.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
Brot bringst du aus der Erde hervor, daß es des Menschen Herz
stärke
und mit Wein erfreust du sein Herz,
und sein Antlitz wird
schön vom Öl.
Psalm 104,14.15
Wir
sind ja geneigt, die Natur als Macher des Natürlichen zu halten. Aber die Natur
ist das Gewese, nicht der Anrichter- wie die Gerichte das Angerichtete sind,
nicht der Koch. So bringt Gott das Brot aus der Erde hervor mittels seiner
Landwirte und Bäcker. Und die bekommen
Lohn –der Dank aber ist höheren Orts
abzustatten; warum ja Erntedankfest als Markierung so wichtig ist. Wein zur Freude,
Öl und Kosmetik zur Schönheit- herrlich, daß wir einen Gott glauben dürfen, der
Lust hat, uns zu erfreuen und schön zu machen.
Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen;
die Sonne weiß ihren Niedergang.
Du machst Finsternis, dass es Nacht wird;
da regen sich alle wilden Tiere,
die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub
und ihre Speise suchen von Gott.
Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon
und legen sich in ihre Höhlen.
Dann geht der Mensch
an seine Arbeit
und an sein Werk bis an den Abend.
Gott, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner
Güter.
Da ist das Meer, das so groß und weit ist,
da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.
Dort ziehen Schiffe dahin;
da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.
Psalm 104,19-26
Die
Löwen suchen ihre Speise von Gott- ja jeden Morgen wacht der Löwe auf und macht
sich auf die Jagd nach einem Zebra. Jeden morgen wacht das Zebra auf und muß
schneller sein als der Löwe. Die meisten Zebras sterben an Altersschwäche und
nicht am Löwen. Aber die Löwen ihre
täglich Portion Zebra. Und das ist weise von Gott geordnet. Leben heißt auch,
sein leben lassen, ob als Zebra oder als Löwe oder als Mensch. Wir müssen uns
ans Leben drangeben, und letztlich den Preis bringen: von hier gehen und Beute
bringen. Gut, daß die Erdenzeit ablesbar ist und wir einen gemeinsamen Kalender
haben, uns verabreden können, Zeit
messen können macht, daß Arbeitzeit gleich lang ist- eine starke form von
Gerechtigkeit. Große Fische, gemacht, daß Gott was hat, damit zu spielen? Wer
die Buckelwale und Delphine sich
vergnügen sieht, kann auch denken, daß Gott dran seine Freude hat.
Es warten alle auf dich, Gott,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
wenn du deine Hand auftust,
so werden sie mit Gutem gesättigt.
Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder
Staub.
Sendest du aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.
Ich will dem Herrn singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.
104,27-30,33
Letzten
Endes ernährt Gott sie Alle. Alle Energie ist sein Atem. Auch unser Atmen ist
eine heilige Handlung. Der Kuß der Liebenden und die Atemspende, wenn sie
gelingt, hat was vom Himmel. Irgendwann geht uns hier der Atem aus, weil wir
nur auf Zeit hier sind. Aber wir bleiben ausgestreckt, daß die Gestalt der Erde
neu geschaffen wird und wir begeistert
bei Gott bleiben, weil wir es nicht lassen können, ihn zu feiern.
Der treue Menschenhüter
Ich hebe meine Augen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt
von dem Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird auch deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich
behütet, schläft nicht.
Gott behütet dich; Er
ist nah wie dein Schatten neben dir.
Gott behüte dich vor
allem Übel, er behüte deine Seele.
Er behüte deinen
Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
Psalm 121
Der
dich behütet, schläft nicht- ein magisches Wort der Treue und des Schutzes.
Diese Wachheit und Gegenwärtigkeit, Gottes flirrende geistige Präsenz in Allem
ist glückhaft. Ich will mich darin sicher wissen: Gott behütet mich. Auch wenn
ich stürze, fängt er mich auf. Auch wenn ich sterbe, geh ich ihm nicht verloren
und mir damit auch nicht.
Keinem
soll Leid geschehen, keinem. Und doch sind wir zerbrechlich, verletzbar an Leib
und Seele, sind nicht aus Stein sondern aus dem Herzen Gottes entworfen. Auch
Gott leidet. Mit dem hungrigen Löwen und dem zum Fraß werdenden Zebra, mit dem
roh gemachten Prügler und dem stummen Opfer. Glaub ihm, daß er dich behütet.
Setz deine Hoffnung ganz auf Schutz von oben und biete du dem Himmel deinen
kleinen Schub Fürsorge an.
Die mit Tränen säen
Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Dann
wird man sagen unter den Heiden:
Der Herr hat Großes an ihnen getan!
Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Wir gehen hin und weinen und streuen Samen
und kommen mit Freuden und bringen unsre Garben.
Psalm 126
Dies
ist zuerst ein Gebet Israels, dann aber auch eins für uns alle. Israel ist das
Muster für die Sehnsucht, nach Hause zu kommen und für den langen Weg hin zur
Erlösung. Auch wir werden sein wie Träumende, wenn uns der Himmel eröffnet
wird. Und wir werden mit Gott die Vollendung seiner Schöpfung feiern- Da wird
alles Weinen in Freude verwandelt und alle Schuld wird geheilt.
Gefangen
sind wir in vielerlei Schlingen. Jeder
weiß seinen Mangel und muß auch weinen, manchmal auch ohne Tränen.. Dies ist
schon rettend: Unter Tränen vollzieht sich auch Saat, Anfang, Wende, Rettung.
Das aber dürfen wir erwarten: Wir werden mit Freuden ernten. Wie mühsam wir uns
auch plagen mussten, das Ziel unserer Wege wird sein, Gott zu preisen, daß er
Großes an uns getan hat. Träumen wir doch schon von unserm geheilten Ich. Sollen Menschen doch jetzt schon mal
von uns sagen: Du Glückskind, du Gotteskind.
An Gottes Segen ist alles gelegen
Wenn der Herr nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Gemeinschaft behütet,
so wacht die Polizei umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht
und hernach lange sitzet
und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt’s der Herr im Schlaf.
Vor allem Kinder- Kinder sind eine Gabe Gottes.
Psalm 127
Nicht
wir machen, daß Gott unserer Dasein segnet. Aber sein Segen will mit uns
wirken, wir müssen die guten Kräfte Gottes wollen, müssen sie heranbitten, sie
freundlich aufnehmen. Beim Hausbau z.B ists hochwichtig, daß gutes Einvernehmen
herrscht zwischen allen Gewerken. Und alle müssen wissen, daß sie einem Werk
verpflichtet sind und gerechten Lohn
erhalten. Die Gesellschaft braucht
Gottes Segen in Gestalt von Friedenswillen. Schaute jeder nur auf Seins, gäb es
nur Unordnung.
Schon
richtig, daß wir uns mühen. Aber Wachstum und Gedeihen sind Geschenk, sind
Gnade. Auch Geschick ist Begabung, Erfolg lässt sich nicht erzwingen. Den
Seinen gibt’s der Herr im Schlaf- Also
nicht sich zersorgen sondern gut schlafen, Gott am Abend das Tagwerk in die
Hände geben und morgenfrüh aus seinen Händen wieder nehmen, was heute ansteht. Da wird was draus.
Vor
allem Kinder sind nur als Gabe Gottes zu denken. Wir „machen“ sie nicht , wir
empfangen sie, sie kommen bei uns zur Welt, Gott erdet sie in uns
durchschnittlichen brauchbaren Menschen. Kinder gibt’s genug, es gibt nicht
genug mütterliche, väterliche Menschen- also, lass Kinder an dich ran, sei
ihnen zum Segen.
Psalm 130 Aus tiefer Not
Aus der Tiefe rufe ich, Gott , zu dir. Herr, höre meine
Stimme!
Merke auf die Stimme meines Flehens!
Wenn du, Gott, Sünden anrechnetest, Herr, wer wird bestehen?
Bei dir ist die Vergebung, dass man dich liebe.
Ich harre des Herrn, ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele
wartet auf den Herrn
mehr
als die Schlaflosen auf den Morgen;
Hoffe
auf den Gott! Denn bei ihm ist die
Gnade und viel Erlösung.
Und
er wird seine Menschheit erlösen aus allen ihren Sünden.
Manchmal
zerreißt es uns aus eigener Schuld. Es zerreißt unsere Seele vor Scham, wie
konnten wir so tief sinken? Dann taten wir etwas, das aller Vernunft und
Sittlichkeit Hohn spricht, das die Beziehung und die Ehrbarkeit und das Ansehen
auf Jahre zerstört. Und wir schwanken zwischen Todessehnsucht und Lebenswillen,
suchen uns vor uns selbst zu entschuldigen, suchen Ausflüchte für unsere
Grausamkeit. Wir spüren die Macht des Unergründlichen- und beten, daß kein
Satanisches uns vollends verschlinge.
Um
der Schwärze zu entkommen müssen wir Gott anrufen. Wir müssen doch einen letzten Grund haben, der uns Halt gibt vor
dem Versinken in Wahn. Wer soll die reißende Bestie in mir still bekommen, wenn
nicht Der Schöpfer des unerschöpfbaren Lichtes.
Also
rufe ich, flehe zu ihm, will umkehren , bereuen und Buße tun. Ich will Gott seine Erlösung glauben und ein
besseres Leben erarbeiten.
Gott, du kennst mich
Ich sitze oder stehe- du weißt;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Psalm 139,1.2
Das
ist das Gegenteil der Drohung: „Der liebe Gott sieht alles“. Gott weiß mich,
dich- das ist Trost und Glück. Der Universale kennt mein Innerstes, weil es
Teil seines Innersten ist. Ich bin seine Filiale, mein Denken geschieht auf
seiner Frequenz. Mein Denken flimmert durch sein Gehirn. Ich habe einen
Mitwisser, so bin ich nicht allein. Gott haftet für mich. Wenn auch ich mich
nicht verstehe, und meine Mitmenschen nur ein Kopfschütteln für mich übrig
hätten, so erschlägt mich das nicht. Weiß ich, dass Gott weiß, kann ich nicht
verloren gehen-auch mir selbst nicht.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
Du gehst meine Wege mit.
Alle Worte, die mir auf die Zunge kommen,
weißt du schon vorher.
Psalm 139,3-4
Gottes
Allgegenwart und Allwissen darf ich auf mich persönlich münzen. Sie stärken mein Selbstbewußtsein sehr, wüßte
und behielt ich’s nur. Ich blieb auf
leuchtenden Pfad, käm nicht unter die Räder; bevor ich ganz versinke, müsste
ich umkehren. Ein Mensch tät mich retten vor dem Wahn. Wenn ich’s nur behielt,
dass Gott mich behält. Auch Worte des Verrates und der Kränkung müssen im
letzten Augenblick sich bekehren. Denn Gott weiß.
Von
allen Seiten umgibst du mich
und
hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
Psalm 139,5.6
Das
Bild ist genommen vom Kind im Mutterleib, über das die Mutter noch ihre
schützenden Hände breitet. Du, ich in Gott. Nicht so sehr ist Gott über uns,
oder in uns- sondern wir in ihm. Die Welt der Leib des Herrn- die Milchstraßen
kreisen in seiner Blutbahn- nicht zu fassen das alles.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein -,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das
Licht.
Psalm 139,7-12
Dass
ich in Gott bin, kann ich nicht fassen.
Ich kann auch vor ihm nicht fliehen. Er ist immer schon da. auch meine
Fluchten geschehen in ihm: Wenn ich mich von Gott abkehre, kehre ich mich von
mir ab- Gott aber bleibt immer vor mir, um mich, eben. Selbst Morgenlicht und
Todsein geschehen in ihm. Wie tief ich auch falle, bin ich gehalten. Und was
für mich schwarze Nacht ist- ich stehe
doch in seinem Licht der Liebe.
Denn du hast mir Herz und Nieren bereitet
und hast mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir dafür,
dass ich wunderbar gemacht bin;
wunderbar sind deine Werke;
das erkennt meine Seele.
Deine Augen sahen mich,
als ich noch nicht bereitet war,
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,
die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!
Wie ist ihre Summe so groß!
Wollte
ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:
Am Ende bin ich noch immer bei dir.
Psalm 139,13.14.16.17.18
Der
Anfang aller Wege zu und mit Gott ist das Staunen. Das Einzigartige jeder
Erscheinung, das Wunderbare jedes Wesens – bitte, lass mich aufmerken. Die
Vielfalt des Lebensstoffes lässt erzittern, wenn man nur mit erfrischten Augen
wahrnimmt. Das abgründig Einzigartige ist man selbst, mittels der Eltern ins
Sein gehoben, schon die Daumenkuppe des Säuglings zeigt eine unverwechselbare
Riffelung. Wie viel einzigartiger noch sind die Antlitze der Menschen und ihre
Seelen.
Ich
bin gewollt, ins Sein gerufen von Gott. –alles Tage, also alle Chancen sind
schon in Fülle da. Nicht zu fassen, wie viele Gedanken wert wären, gedacht zu werden- in wachsenden
Ringen
kreisen sie um den guten ganzen Einen.
Sprüche Salomos
Die Achtung gegen Gott ist der Anfang der Erkenntnis.
Sprüche 1,7
Keinesfalls
sollen wir uns vor Gott ängsten. Er schüchtert nicht ein, straft auch nicht, er
ist lauter Segen und Liebe. Früher hieß es: „Die Furcht vor Gott ist der Anfang
der Weisheit“. Doch Gott will Achtung, will geliebt werden. Das schafft uns
eine leuchtende Existenz.
Der
Anfang von Gottes-und Welterkenntnis ist das Staunen, wie wunderbar die Welt
ist. Sschon das Kind fühlt sich erhoben, weil es ja schreien kann und Mutter
naht, es weint und schon kommt Hilfe. Dieses Geliebtsein ist der Anfang der
Erkenntnis, und darin ist der Grund gelegt für Geliebt- und Gewolltsein vom
Herz der Welt. Diese Gefühl schafft das Wissen, gehalten zu sein-was Anfang und
Kern aller Erkenntnis ist.
Geh
hin zur Ameise,
du
Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr. Wenn sie auch keinen Herrn über sich
hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der
Ernte. Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?
Steh
auf, sonst wird dich die Armut übereilen.
Diese
sieben Dinge sind Gott ein Gräuel:
Stolze
Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,
ein
Herz, das Ränke schmiedet, Füße, die behände sind, Schaden zu tun,
ein
falscher Zeuge, der freche Lügen redet, und wer Hader anrichtet zwischen
Brüdern Sprüche Salomo 6
Dauernde
Faulheit ist unter unserer Würde. Es gehört zu unserm Wesen, unser Leben durch eigener Hände und Kopf
Arbeit zu ernähren. Wir mißbrauchen die
Gaben des Schöpfers, wenn wir statt Gutem Sünde produzieren. Und damit Gott
selbst reinreißen. Wären wir ameisenmäßig verfasst, täten wir automatisch das
Richtige. Aber wir Menschen haben Spielraum für Wille und Erkenntnis und ja-
Faulheit. Gott leistet sich den hochriskanten Menschen.
Liebe deckt Übertretungen zu
Sprüche Salomo 10,12
Liebe
hält den Geliebten hoch, traut ihm Besserung und Heilwerden zu. Liebe sucht zu
verstehen, zu entschuldigen. Liebe tritt stellvertretend ein. Zieht zunächst
nicht zur Rechenschaft sondern geht erst mal von einem Irrtum aus, von Über die
Stränge schlagen“. Liebe macht ernst mit Jesu Wort: „Sie wissen nicht was sie
tun.“ Liebe ist geduldig, lässt sich nicht erbittern, deckt auch mal zu.
Allerdings muß Güte auch eine scharfe Kante haben, damit sie nicht mit Dummheit
verwechselt wird.
Die bessere Rechenart
Einer teilt reichlich aus und hat immer
mehr; ein andrer kargt, und wird doch ärmer.
Wer reichlich gibt, wird in der Not gelabt.
Und wer Korn zurückhält, dem fluchen die Leute; aber Segen kommt über den, der
es verkauft.
Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der
wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie die Bäume, gepflanzt an
Wasserbächen (Psalm1).
Sprüche Salomo 11
Geschäfte
muß man damit machen, daß andere auch gut davon haben. Nützen wir einander, ein
jeder mit der Gabe , die er empfangen hat. Und wer reichlich empfangen hat, der
hat auch reichlich zu verteilen. Wehe, bei ihm stockt der Wohlstand und die
Güter häufen sich bei ihm. Er droht an ihnen zu ersticken; letztlich wird er
Diebe als Befreier feiern.
Es
geht darum, die Begabungen und Waren wechselseitig zu nutzen. So gesehen ist
übermäßiges Sparen Entzug von Energie und der wahre Luxus; besser ist, was man nicht selber braucht-
richtige Alterssicherung inklusive- loszugeben, daß andere damit was anfangen
können. Fürs Überleben durch eigener Hände und Kopfarbeit das Startkapital
geben, ist groß. Wer grünen lässt, gedeiht mit.
Kostbar das richtige Wort
Trage
deine Sache mit deinem Nächsten aus, aber verrate nicht eines andern Geheimnis.
Ein
Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen. Ein
Weiser, der mahnt, und ein Ohr, das auf ihn hört, das ist wie ein goldener Ring
und ein goldenes Halsband.
Sprüche
Salomo 25
Wunderbar,
daß wir Menschen Sprache haben, um uns verständlich zu machen. Und es können
Worte gelingen, „erhaben wie eine Offenbarung, mächtig wie donner, warm wie die
Liebe, gnädig wie der Himmel, weit wie die Erde , fruchtbar wie der Acker, süß
wie eine süße Frucht“ (Joseph Roth). Manchmal reden wir rau und abfertigend
oder verhaaren in wortloser Blödheit. Aber wie herrlich, wenn Menschen ihren
schmerzerfüllten Seelen Ausdruck verleihen und sie einander sich frei sprechen.
Anderer
Menschen Geheimnis verraten, das macht mitverantwortlich für die Folgen. „Alles
zum besten kehren“- rät Martin Luther. Schweigen kann behüten. Lassen wir
einander Privatsphäre, auch durch
Wegschauen. Prahlen wir vor allem nicht mit Wissen, das auszubreiten, andere
schmerzt. Nehmen wir unsere Sensationslust in Zaum.
Armut und Reichtum gib mir nicht;
mein Teil Speise, das du mir beschieden
hast, lass mir zukommen.
Sprüche Salomo 30,8
Reichtum
kann mich des Mitleids entwöhnen, einfach dadurch, daß ich mich vor Begegnung
mit Armut und ihren Forderungen schütze. Ich kann mir Privilegien beschaffen an
Heilmitteln, an Rechtsbeistand, an besseren Konditionen bei der Bank. Aber auch
Armut ist kein Heilmittel. Sie kann mich auf Hunger reduzieren, kann alle
Kräfte binden für ein Dach überm Kopf, kann alle sonstige Phantasie austreiben.
Eine
Mitte aus Zuviel und Zuwenig wäre gut. Aber mit welcher Mitte wäre ich
zufrieden?
Der Prediger Salomo
Alles Irdische sucht nach Sinn
Alles
ist auf der Kippe zum Sinnlosen. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner
Mühe, die er hat unter der Sonne? Generationen vergehen, Generationen kommen.
Ja, die Erde ist standhaft. Die Sonne geht auf und geht unter und geht wieder
auf. Der Wind dreht sich. Die Wasser
laufen ins Meer, eigenartig- das Meer wird nicht voller.
Reden
ist so mühsam, es kommt nicht zu Ende.
Das Auge sieht sich nicht satt, das Ohr hört sich nicht voll. Was man getan
hat, das tut man wieder. Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.
Prediger
Salomo 1,1-9
Einer
der großen Klagetexte der Menschheit. Sanft klingt die Melancholie, bitter
klagt die Depression. Aber dazwischen leuchten Sätze tiefer Poesie, ähnlich dem
Trostwort der Mascha Kalèko „Die Nacht, in der der Kummer wohnt, hat auch die
Sterne und den Mond.“
Viel
ist die Mühe und klein die Beute. Aber
die Freude am Gelingen könnte uns retten, bei aller Wiederholung. Und geschieht
wirklich nichts Neues unter der Sonne? Ist nicht jedes Neugeborene, jeder Tag
ei